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Schweiz

Mieterverband kritisiert Zürcher Wohnungsmarkt-Studien

Freitag, 14. September 2012, 12:02 Uhr, Aktualisiert 20:42 Uhr

Durch die Zuwanderung von ausländischen Arbeitskräften in den Kanton Zürich kommt es zu keinen wesentlichen Verdrängungseffekten auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt. Dies geht aus zwei neuen Studien hervor. Der Mieterverband hält die Studien teilweise für «schönfärberisch».

Bild Blick Neue Wohnungen und Bürogebäude.
Hoch qualifizierte Zuwanderer sind in der Lage, die steigenden Mieten für oft neue Wohnungen zu zahlen. keystone

Die Studien wurden im Auftrag der Zürcher Volkswirtschaftsdirektion durchgeführt. «Grundsätzlich begrüsst der Mieterverband die Tatsache, dass der Kanton überhaupt solche Studien in Auftrag gegeben hat», sagt Walter Angst, Leiter Kommunikation des Mieterverbandes im Kanton Zürich. Lange genug sei dieses Thema mit sehr viel Sprengkraft vom Kanton nämlich ignoriert worden, so Angst weiter.

Die erste Studie, die vom Büro Raumdaten/Sotomo durchgeführt wurde, analysierte die Wohnsituation von Inländern und neu Zugewanderten. Es zeige sich, dass die hoch qualifizierten Zuwanderer die Preise auf dem Wohnungsmarkt zwar tatsächlich in die Höhe treiben, sie aber auch diejenigen seien, welche die gestiegenen Preise zum grössten Teil bezahlen.

Ein gewisser Verdrängungseffekt könne auf dem Neubauwohnungsmarkt festgestellt werden. Dieser finde aber vor allem an den peripheren Lagen statt und betreffe eher bereits ansässige Personen aus traditionellen Herkunftsländern als Schweizerinnen und Schweizer.

Weil die Schweizer Bevölkerung im Durchschnitt länger in einem Objekt wohne, zahle sie tiefere Immobilien- und Wohnpreise, heisst es weiter. Schweizer profitierten als Eigentümer stärker als die neuen Zuwanderer von steigenden Preisen von Wohneigentum.

«Schönfärberische Studie»

Die Studie ist laut der Meinung von Walter Angst zu «schönfärberisch» in Bezug auf Schweizer Mieter. «Wenn Schweizer eine neue Wohnung suchen, sind sie von der «Miet-Explosion» genauso betroffen wie Ausländerinnen und Ausländer», sagt Angst. «Wer schon lange hier wohnt, kann zwar bei der Wohnungssuche auf Beziehungen zurückgreifen und hat damit die Chance, den überteuerten Angaben auszuweichen. Tiefer in die Tasche greifen für das Wohnen müssen aber auch Alteingesessene.»

Für Angst weist die auf die Segretation ausgerichtete Studie ein zu enges Raster auf. «Viel wichtiger wäre der Blick auf die Umverteilung», so Angst. «Grundeigentümer, allen voran die grossen Anleger, machen traumhafte Gewinne. Und die Mieterinnen und die Mieter bis hinauf zu den hohen Einkommensgruppen müssen finanzielle Einbussen in Kauf nehmen, die sehr schmerzhaft sind.» Diese Umverteilung ist laut Angst der Grund dafür, dass das Thema Zuwanderung und Wohnungsnot so sensibel sei.

Untersuchungen zur Zuwanderung in den Kanton Zürich. (Tagesschau, 14.09.12, 19.30 Uhr)

Alle wollen in der Stadt wohnen

Die zweite Studie untersuchte die wichtigsten Einflussfaktoren für die Immigration aus dem Ausland in den Kanton Zürich aus Sicht von Unternehmen und neu zugewanderten Arbeitnehmern. Die vom Büro Bass durchgeführte Studie kommt zum Schluss, dass die Arbeitsmigration von Hochqualifizierten der treibende Faktor der Zuwanderung in den Kanton Zürich ist – rund 70 Prozent kommen wegen einer Erwerbstätigkeit nach Zürich oder als Familiennachzug solcher.

Bei dieser Arbeitsmigration nehmen die Zürcher Unternehmen eine aktive Rolle ein: 41 Prozent der erwerbstätigen Zuziehenden suchen gemäss Studie nicht aktiv nach Arbeit in Zürich, sondern werden aufgrund des Fachkräftemangels von Zürcher Unternehmen angeworben. Die restlichen 59 Prozent waren aktiv auf Stellensuche. Als wichtigste Treiber für die Zuwanderung werden die Attraktivität der Stelle sowie die Lebensqualität genannt.

Zuwanderer helfen Unternehmer

Unter der Annahme, dass bis 2030 gleich viele ausländische Arbeitskräfte in den Kanton Zürich einwandern wie in den letzten 10 Jahren, erhöht sich deren Anteil von 31 Prozent auf 50 Prozent.

Knapp 30 Prozent der Zuwanderer helfen die Unternehmen sowohl bei der Wohnungssuche als auch bei der Finanzierung des Umzugs. Manchmal werden auch Sprach- und Integrationskurse sowie eine finanzielle Beteiligung an den Wohnkosten angeboten.

Bevorzugter Wohnort der Zugezogenen ist die Stadt Zürich. Eineinhalb Jahre nach der Einreise in den Kanton Zürich wohnen vier von fünf der befragten Zugewanderten in der Stadt.

(sda/muei/koua; fref)