International
Zorn von Muslimen kennt keine Grenzen mehr
Die Anti-USA-Proteste in der arabischen Welt wegen eines islamfeindlichen Videos eskalieren weiter. Auch Einrichtungen von anderen westlichen Ländern werden zur Zielscheibe der Gewalt. Westliche Journalisten getrauen sich oft nicht mehr auf die Strasse.
Nach den Freitagsgebeten kam es in islamischen Ländern von Bangladesch bis Tunesien zu Ausschreitungen. Bei den Zusammenstössen mit Sicherheitskräften gab es vielerorts Tote und Verletzte.
Bei dem Sturm der US-Botschaft in Tunis wurden mindestens drei Menschen getötet. Mindestens 28 Menschen wurden verletzt. Demonstranten hatten aus Wut über einen in den USA produzierten islamfeindlichen Film die Vertretung in der tunesischen Hauptstadt angegriffen.
In der sudanesischen Hauptstadt Khartum stürmten aufgebrachte Demonstranten die deutsche Botschaft. Die Demonstranten warfen bei der Botschaft Fensterscheiben ein und legten vor dem Haupttor Feuer. Bei Protesten vor der US-Botschaft wurden zwei Menschen getötet, als die Polizei die wütende Menge zurückdrängte.
EDA beobachtet Lage
Das Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) verfolgt die Entwicklung der Lage aufmerksam. Eine Schliessung von Botschaften sei zurzeit nicht vorgesehen, schreibt das EDA in einer Mitteilung. Bern überprüfe die Situation laufend und wird gegebenenfalls auf Neuentwicklungen reagieren.
Schwarzer Rauch in Tunis
Auch in zahlreichen anderen Ländern der islamischen Welt gingen Zehntausende auf die Strasse. Ziel sind dabei nicht mehr nur Vertretungen der USA oder anderer westlicher Länder. In Tunis legten Demonstranten Feuer in einer amerikanischen Schule.
Offenbar werden auch Journalisten angegriffen. SF-Korrespondent Pascal Weber erklärte in der «Tagesschau», dass sich viele Medienvertreter nicht mehr auf die Strasse getrauen würden.» Weber berichtet derzeit aus der ägyptischen Hauptstadt Kairo.
In Kairo versammelten sich zehntausende wütende Muslime. Vor der US-Botschaft in der ägyptischen Hauptstadt versammelten sich die Randalierer, die Steine auf die Polizisten warfen. Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein. Ministerpräsident Hischam Kandil sagte, es seien 100 «Angreifer» festgenommen worden. Diese würden derzeit verhört. Man wolle herausfinden, «wer hinter ihnen steht», zitierte das ägyptische Nachrichtenportal «Youm7», den Regierungschef.
Twitter-Aufrufe zu Protesten trotz Demonstrationsverbot
Vor der US-Botschaft in Syrien protestierten einige hundert Menschen. Laut Beobachtern war dies von regierungstreuen Kräften organisiert worden.
Tilgner: Radikale nutzen Schmähvideo
Bei diesen radikalen Kräften handle es sich um Leute, die nur auf diese Situation gewartet haben. Sie würden die Beleidigung nun nutzen, um mobil zu machen, sagt Tilgner zu «SF Online».
Die radikalen Kräfte wollten nicht, dass die gemässigten politischen Kräfte in den islamischen Ländern dem Westen zu stark entgegen kämen. Mehr
In Saudi-Arabien, wo Demonstrationen verboten sind, wurde über den Kurznachrichtendienst Twitter zu Protesten vor den US-Vertretungen in Riad und Dschidda aufgerufen.
In Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, skandierten rund 10‘000 Demonstranten anti-amerikanische Parolen. Eine US-Flagge ging in Flammen auf. Die Polizei war mit einem Grossaufgebot im Einsatz und verhinderte, dass die Menschen bis zur US-Botschaft ziehen konnten.
Jeweils mehrere hundert Menschen gingen in Pakistan und Afghanistan auf die Strasse. Auf Spruchbändern war unter anderem zu lesen: «Gotteslästerung hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun.» In der pakistanischen Hauptstadt Islamabad kam es zu Rangeleien zwischen Demonstranten und Polizisten.
Grund des Zorns: Film verunglimpft Prophet Mohammed
Hintergrund der Proteste in islamischen Ländern ist ein in den USA produziertes Amateur-Video. Dieses stellt den Propheten Mohammed als Homosexuellen, Kinderschänder und Schürzenjäger dar.
Wer der Mann ist, der den Film produziert hat, ist nach wie vor nicht ganz klar. Der zunächst nicht auffindbare Regisseur und Autor hat unterdessen in den USA Polizeischutz beantragt. Sehen Sie dazu den Bericht der «Tagesschau».
Bei gewaltsamen Ausschreitungen von Muslimen, die ihre Religion durch den Film beleidigt sehen, waren in den vergangenen Tagen in Libyen vier US-Diplomaten getötet worden.
(agenturen/fref;koua)






