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Wirtschaft

EADS/BAE-Fusion bringt Regierungen ins Schwitzen

Donnerstag, 13. September 2012, 18:12 Uhr

Die geplante Fusion der Luftfahrt- und Rüstungsgüterkonzerne EADS und BAE setzt die Regierungen in Berlin, Paris und London unter Zugzwang. Deutschland und Frankreich sind mit je 22,4 Prozent an EADS beteiligt.

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Eine Zustimmung der Politik zu einem Zusammenschluss der Airbus-Mutter EADS mit dem britischen Rivalen BAE Systems steht noch aus.
 
Zunächst stehe eine eingehende Prüfung an, sagte ein Sprecher des deutschen Wirtschaftsministeriums. Eine enge Abstimmung mit der französischen Regierung sei geplant.

Mit dem angepeilten Zusammenschluss würde zwar der grösste Rüstungskonzern entstehen, allerdings könnte mit der Fusion die Politik auch an Einfluss verlieren. Jobs bei EADS in Frankreich und Deutschland könnten möglicherweise nach Grossbritannien verlagert werden.
 
Die beiden Konzerne hatten am Mittwochabend mit ihren Fusionsplänen überrascht. Entscheidungen sollen bis zum 10. Oktober fallen. Durch das Zusammengehen entstünde ein neuer Luftfahrt- und Rüstungsgigant, mit einem Umsatz von 72 Mrd. Euro der weltweit grösste. Damit würde er den amerikanischen Marktführer Boeing überrunden.
 
Boeing gelassen
 
Boeing, der bei den Verkehrsflugzeugen mit Airbus konkurriert, zeigte sich in einer ersten Reaktion gelassen. «Ich sehe nicht, dass uns das fundamental schaden wird», sagte Boeing-Chef Jim McNerney vor Reportern in Washington. «Ich habe ein ziemlich tiefes und beständiges Vertrauen in die Stärke unseres Unternehmens.»
 
Beim französischen EADS-Grossaktionärs Arnaud Lagardère stiessen die Fusionspläne hingegen noch nicht auf offene Ohren. Bevor die Lagardère-Gruppe grünes Licht gebe, müssten alle möglichen Konsequenzen geprüft werden.
 
Das Projekt sei dem EADS-Verwaltungsrat noch nicht vorgelegt worden, liess der Unternehmer und EADS-Chefkontrolleur mitteilen.
 
Der Chef der grössten EADS-Tochter Airbus, Fabrice Brégier, begrüsste dagegen die Perspektive einer solchen Fusion. Sie würde Airbus zum Teil einer insgesamt gestärkten Gruppe machen.
 
EADS mit dem Flugzeughersteller Airbus als Herzstück wurde im Jahr 2000 aus der Fusion von drei Unternehmen aus Deutschland, Frankreich und Spanien geschmiedet. Vereinbart wurde eine Machtbalance zwischen den Regierungen in Berlin und Paris, die sich in den Anteilsverhältnissen widerspiegelt.
 
So halten deutsche und französische Aktionäre jeweils rund 22,4 Prozent an EADS. Diese Balance, die auch bei wichtigen Entscheidungen, etwa Verschiebungen im Aktionärskreis, bei der Besetzung von Führungsposition und bei der Aufteilung von Produktions- und Forschungsanteilen gewahrt wird, ist zwischen beiden Ländern mit Verträgen unterlegt.

(agenturen/blur; buet)