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Tilgner: Radikale nutzen Provokation aus dem Westen
Es ist nur ein kurzer Filmausschnitt. Doch weil darin der Prophet Mohammed herabgewürdigt und beleidigt wird, haben radikale Kräfte die US-Vertretungen in mehreren arabischen Ländern angegriffen. Für Nahost-Experte Ulrich Tilgner nutzen radikal-islamistische Gruppen die Provokation.
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Die radikal muslimischen Kräfte versuchen mit Gewalt die Ehre ihres Propheten Mohammed zu verteidigen, sagt Ulrich Tilgner zu «SF Online». Sie fordern die Gläubigen dazu auf, solidarisch zu sein, wenn im Westen der Propheten als Verbrecher und Kinderschänder darstellt.
Bei diesen radikalen Kräften handle es sich um Leute, die nur auf diese Situation gewartet haben. Sie würden die Beleidigung nun nutzen, um mobil zu machen, sagt Tilgner.
Die radikalen Kräfte würden die gemässigten politischen Kräfte im Islam kritisieren, auch weil sie dem Westen zu stark entgegen kämen. Deshalb sei ihrer Ansicht nach der Zeitpunkt gekommen, die Ehre des Islam aufrecht zu erhalten.
Laut Tilgner versuchen sie als Vertreter aller Gläubigen aufzutreten. Es handle sich somit um eine Auseinandersetzung mit dem Westen, aber gleichzeitig auch um einen inner-islamischen Machtkampf, so der Experte weiter.
Flächenbrand erst bei Eskalation
Tilgner weist auch darauf hin, dass US-Präsident Brack Obama sich nicht dezidiert entschuldigt habe für den Inhalt des Filmes und er werde sich hüten dies im Wahlkampf zu tun. Dies entschärfe die Situation nicht.
«Von einem Flächenbrand im Nahen Osten würde ich aber nicht sprechen», sagte Tilgner. Es sei durchaus legitim zu protestieren, wenn Mohammed derartig beleidigt werde.
In der Regel gebe es immer sehr viele Tote unter den Demonstranten. Von einem Flächenbrand würde der Experte deshalb erst sprechen, wenn die Situation eskaliert. «Das sehe ich soweit noch nicht», so Tilgner weiter.
Aussenpolitisch Beziehungen wahren
Besonders in Iran ist die Regierung darauf bedacht die Schweizer Botschaft, welche dort die Interessen der USA wahrnimmt, gut zu beschützen. «Nach dem Angriff auf die britische Botschaft in Teheran im vergangenen Jahr ist man darauf bedacht, dass ein solcher Vorfall nicht mehr vorkommt», sagt Tilgner.
Das bedeute aber nicht, dass die Regierung die Demonstrationen nicht gutheisse. «Man achte aber darauf, die aussenpolitischen Beziehungen beispielsweise zur Schweiz nicht zu gefährden.»
Parallelen zu früheren Ereignissen
Dass das Video, das eigentlich schon vor längerer Zeit publiziert wurde, erst in den letzten Tagen zu solch gewalttätigen Aktionen geführt habe, sei keine Besonderheit, fügt der Experte an. «Es dauerte eine Weile, bis das Video an Bekanntheit gewinnen konnte», so der Experte.
Parallelen zu den radikalen Reaktionen nach den «Satanischen Versen» von Salman Rushdie, den Reaktionen zu den Mohammed Karikaturen, sowie zu der Koranverbrennung, seien laut Tilgner nicht von der Hand zu weisen.
(sf/weis; buet)



