Inhalt

International

Proteste gegen USA nehmen zu – vierTote

Donnerstag, 13. September 2012, 10:45 Uhr, Aktualisiert 23:38 Uhr

Libyen, Jemen, Iran, Ägypten und Tunesien: In der arabischen Welt ist die Wut auf die USA wegen eines islamfeindlichen Videos gross. Die Proteste forderten im Jemen vierTodesopfer. Die Ausschreitungen könnten sich am Freitag noch ausweiten.

Bild

Demonstranten griffen im Jemen und in Ägypten aus Wut über ein Schmäh-Video zum Propheten Mohammed diplomatische Vertretungen der USA an. Dabei wurden Dutzende Menschen verletzt.

Volkszorn gegen die USA (10vor10, 13.09.2012)

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi versuchte – auch mit Blick auf die Freitagsgebete – die Wogen zu glätten. Er verurteilte die Gewalt gegen US-Vertretungen, forderte die USA aber auch zu «ernsthaften Schritten» gegen den islamfeindlichen Videofilm auf.

US-Sicherheitskreise vermuten das Terrornetzwerk Al-Kaida hinter den Gewaltexzessen in Libyen.

Erste Festnahmen in Libyen

Im Zusammenhang mit dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat in Benghasi sind nach libyschen Behördenangaben mehrere Verdächtige festgenommen worden. Zur Zahl der Festgenommenen oder deren möglicher politischer Orientierung machte der Vizeminister keine Angaben, «um die Ermittlungen nicht zu behindern». 

Die libysche Regierung setzte unterdessen eine Untersuchungskommission ein. Die Ermittlungen seien sehr kompliziert, weil die Menge vor dem US-Konsulat sehr heterogen gewesen sei: «Da waren Extremisten, gewöhnliche Bürger, Frauen, Kinder und Kriminelle.» Zudem sei von einem nah gelegenen Bauernhof aus geschossen worden.

Proteste vor Schweizer Botschaft im Iran

Wegen des islamfeindlichen Films fanden auch vor der Schweizer Botschaft im Iran Proteste statt. Die Schweizer Vertretung in der Hauptstadt Teheran nimmt auch die Interessen der USA wahr.

Bild Die Schweizer Botschaft in Teheran, Iran. (keystone)
Die Schweizer Botschaft in Teheran: Hier fanden bereits erste Protestaktionen statt. keystone/archiv

Etwa 500 Personen waren daran beteiligt. Sie forderten lautstark den Tod des Machers des islamfeindlichen Mohammed-Films und riefen «Tod den USA» und «Tod für Israel».

Schmäh-Video über Prophet Mohammed als Auslöser

Auslöser der Proteste in der islamischen Welt war ein in den USA produzierter Videofilm, in welchem der Prophet des Islam als Mörder, Kinderschänder und Frauenheld dargestellt wird.

Die Wut der Muslime eskalierte zunächst in der libyschen Stadt Benghasi. Bei einem Angriff auf ein Konsulat starb der US-Botschafter. Mehr dazu lesen Sie hier.

Als Autor, Regisseur und Produzent des Films zeichnet ein «Sam Bacile». Recherchen von US-Medien ergaben bisher keine konkreten Spuren.

Laut iranischen Medien blockierten rund 200 mit Helmen und Schildern ausgerüstete Polizisten die Zugangsstrasse zur Schweizer Botschaft. Diese befindet sich in einem wohlhabenden Viertel im Norden der iranischen Hauptstadt.

Bild Kartenausschnitt
In der iranischen Hauptstadt wurde die Botschaft von 200 Polizisten abgeriegelt. sf

Polizisten in Zivil hätten Medienleute weggewiesen. Ausländischen Journalisten ist es verboten, über Demonstrationen im Iran zu berichten.

Gemäss Angaben von Nachrichtenagenturen hat eine islamistische Studentenvereinigung zur Demonstration aufgerufen. Diese ist an den iranischen Universitäten aktiv und hat bereits in der Vergangenheit anti-westliche Kundgebungen organisiert.

Aufgebrachte Menge in Jemen

Auch in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa haben Demonstranten die US-Botschaft gestürmt. Diese seien durch das Haupttor des schwer bewachten Geländes gebrochen. Sie setzten Autos in Brand, ehe sie von Sicherheitskräften mit Warnschüssen vertrieben wurden.

Stürmung der US-Botschaft in Jemen. (unkommentiert)

Die Behörden meldeten, vier Angreifer seien getötet worden. Sie kamen ums Leben, als Wachleute die Protestierenden vor dem Botschaftsgebäude in Sanaa zurückdrängten. Zehn Menschen erlitten zudem Verletzungen. Ein Demonstrationsteilnehmer sagte, die Wachleute hätten mehrere Schüsse abgefeuert. Die Protestierenden hätten Autoreifen angezündet. Mit Holzlatten zertrümmerten sie das Panzerglas im Eingangsbereich.

USA verschärfen Sicherheitsvorkehrungen

Die USA schickten nach Medienberichten neben einer Einheit von Elitesoldaten auch zwei Kriegsschiffe vor die Küste Libyens. Die Sicherheitsvorkehrungen für US-Botschaften wurden weltweit weiter verschärft. 

Zwischenfall in US-Konsulat in Berlin

Ein Zusammenhang mit den weltweiten Protesten wurde zunächst auch bei einem Zwischenfall im US-Konsulat in Berlin vermutet. Das Gebäude war am Mittag teilweise geräumt worden, nachdem mehrere Menschen plötzlich über Atemwegprobleme geklagt hatten.

Der Grosseinsatz von Polizei und Feuerwehr wurde nach mehreren Stunden beendet. «Es wurde keine Gefahr festgestellt, darum wurde das Gebäude wieder freigegeben», sagte eine Polizeisprecherin.

Bei der Attacke auf das Konsulat in der libyschen Küstenstadt Benghasi waren in der Nacht auf Mittwoch der Botschafter Chris Stevens und drei andere Amerikaner ums Leben gekommenen. Der neue libysche Regierungschef, Mustafa Abu Schagur, verurteilte den «feigen Angriff» auf das Konsulat in einem Interview mit Nachrichtensender Al-Arabija.

In immer mehr muslimischen Ländern demonstrieren fanatische Muslime vor den jeweiligen amerikanischen Botschaften. (Tagesschau, 13.09.12, 19.30 Uhr)

(agenturen/fref/ muei ;blur)