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Nach Angriff auf US-Konsulat: US-Kriegsschiffe vor libyscher Küste
Nach dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat verlegen die USA Kriegsschiffe vor die libysche Küste. Unterdessen hat das islamfeindliche Internetvideo, der Auslöser des Angriffs, auch Protestaktionen in Ägypten hervorgerufen.
Aus US-Regierungskreisen verlautete, der Zerstörer «USS Laboon» habe seine Position bereits am Mittwoch erreicht. Die «USS McFaul» sei auf dem Weg und werde innerhalb weniger Tage ihr Ziel erreichen. Weiter hiess es, die Schiffe hätten keine konkrete Aufgabe. Sie gaben den Kommandanten jedoch die Möglichkeit, flexibel auf jeden Einsatz zu reagieren, die der US-Präsident anordne.
Bei dem Angriff in Benghasi waren am Dienstag der Botschafter der USA in Libyen, Chris Stevens, und drei weitere Amerikaner getötet worden. Auslöser war ein in den USA produziertes islamfreindliches Internetvideo. In «Innocence of Muslims» («Unschuld der Muslime») wird der Prophet als Trottel und Weiberheld porträtiert – die Darstellung Gottes oder seines Propheten ist im Islam verboten.
Angriffe in Kairo
Der Protest gegen das Video griff auf auch auf Ägypten über. In Kairo erkletterten aufgebrachte Islamisten die Mauer der Botschaft und rissen die US-Flagge herunter. Nach Angaben von Reportern harrte am Morgen noch ein harter Kern von einigen Dutzend Demonstranten vor dem gut gesicherten Gebäude aus.
Die Muslimbrüderschaft, aus der Präsident Mohammed Mursi stammt, hat für Freitag zu Protesten gegen den Film aufgerufen. Mursi selbst liess über seinen Sprecher verlauten, dass sich die US-Regierung von dem Film distanzieren solle. Gleichzeitig müssten aber die Demonstrationen gegen das Machwerk friedlich bleiben.
Auch die pakistanische Regierung hat den Film scharf kritisiert. Der Streifen schüre «Hass, Zwietracht und Feindschaft in der Gesellschaft und zwischen Völkern unterschiedlichen Glaubens». Aber auch den tödlichen Angriff auf das US-Konsulat verurteilte Pakistan.
Attacken lange geplant?
Nach US-Medienberichten könnte die Attacke in Benghasi geplant gewesen und der Protest gegen den Film als Ablenkungsmanöver benutzt worden sein. Wegen der schweren Bewaffnung der Angreifer mit Brandbomben und Panzerfäusten sei das wahrscheinlicher als eine ausser Kontrolle geratene spontane Demonstration, hiess es unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Washingtoner Regierungsquellen.
Viele Unklarheiten nach Angriff
Der genaue Ablauf des Angriffs liegt weiter im Dunkeln. «Viele Dinge sind unklar», sagte eine Beamtin des US-Aussenministeriums. Nicht sicher sei etwa, wer den Botschafter Chris Stevens aus dem brennenden Gebäude in Benghasi holte und ins Krankenhaus brachte – und ob er bei der Ankunft in der Klinik bereits tot war oder dort starb. Erst im Morgengrauen, also Stunden nach dem Angriff, sei den Amerikanern die Leiche des Diplomaten am Flughafen von Benghasi übergeben worden. Augenzeugenberichten zufolge sei er an einer Rauchvergiftung gestorben.
Nach Informationen des Senders CNN will US-Präsident Barack Obama Drohnen nach Libyen schicken, um mögliche Islamisten-Camps aufzuspüren. Etwaige Angriffe würden aber Libyen überlassen, hiess es unter Berufung auf Quellen in Washington weiter.
Die US-Regierung schickte laut Medienberichten am Mittwoch 200 zusätzliche Marines nach Benghasi, um die Diplomaten zu schützen.
Obama: «Sinnlose Gewalt»
Obama kündigte an, die Verantwortlichen des Angriffs von Benghasi zur Verantwortung zu ziehen. «Der Gerechtigkeit wird Genüge getan», versprach er. «Die Welt muss zusammenstehen, um diese brutalen Aktionen eindeutig zurückzuweisen», forderte er. Es gebe «absolut keine Rechtfertigung für diese Art sinnloser Gewalt».
Die Getöteten stünden für Werte, denen sein Land verpflichtet sei. Die USA erteilten jedweder Erniedrigung religiöser Überzeugungen anderer eine Absage, sagte Obama.
Auch UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Angriff aufs Schärfste. Die Gewalt sei durch nichts zu rechtfertigen, erklärte er. Ähnlich äusserte sich Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen. Es sei wichtig, «dass das neue Libyen sich auch weiterhin zu einer friedlichen, sicheren und demokratischen Zukunft» hinbewege.
Regisseur mit israelischem und US-Pass
Autor, Regisseur und Produzent des Films ist nach Informationen des «Wall Street Journals» Sam Bacile. Der 52jährige, der in Besitz der israelischen und der amerikanischen Staatsbürgerschaft sei, habe für den rund zweistündigen Film fünf Millionen Dollar von rund 100 jüdischen Spendern eingesammelt. In einem Interview mit dem Blatt habe er gesagt, «Islam ist wie Krebs».
Der Trailer zum Film war dem Bericht zufolge seit Juli auf YouTube zu sehen. Aufmerksamkeit errege er aber erst, seit sich der als Koranhasser bekanntgewordene Pastor Terry Jones aus Florida für den Film eingesetzt habe. Eine Koran-Verbrennung in der Kirche von Jones hatte im März vergangenen Jahres gewalttätige Proteste von Muslimen ausgelöst. In Afghanistan starben damals sieben UNO-Mitarbeiter.
US-Aussenministerin Hillary Clinton erklärte: «Die USA missbilligen jeden absichtlichen Angriff auf die religiösen Gefühle von Andersgläubigen.»
Der republikanische Herausforderer Obamas bei den Präsidentenwahlen im November, Mitt Romney, nutzte die Angriffe auf die US-Vertretungen zum innenpolitischen Schlagabtausch. Er warf seinem Kontrahenten mangelnde Führungskraft vor.
Libyen empört
In Libyen zeigten sich Aktivisten und Politiker entsetzt von der Gewalt. Parlamentspräsident Mohammed Magariaf entschuldigte sich im Namen des libyschen Volkes bei den USA. Der libysche UN-Botschafter Abderrahman Schalgam bezeichnete Stevens in einer Sitzung des Sicherheitsrates in New York als «wahren Freund des libyschen Volkes». «Wir können nicht verstehen, warum einige Menschen diesen wunderbaren Menschen töten konnten», sagte er.
Andere Regierungsvertreter in Tripolis äusserten die Vermutung, Anhänger des 2011 gestürzten Machthabers Muammar al-Gaddafi könnten hinter der Attacke stecken, «um Rache an den Amerikanern zu üben». Die USA hatten sich an den Nato-Luftangriffen beteiligt, die letztlich den Sturz des Gaddafi-Regimes herbeiführten.
(agenturen/koua/mery;gern)







