Schweiz
Schmallenberg-Virus befällt auch Vieh in Berglagen
In der Schweiz breitet sich eine neue Tierseuche aus. Das sogenannte Schmallenberg-Virus – es verursacht Missbildungen bei Kälbern, Lämmern und Ziegen – tauchte nun erstmals auch im Berggebiet auf. Das überrascht die Experten.
Nach Angaben des Bundesamtes für Veterinärwesen (BVET) sind im bündnerischen Puschlav mehrere Tiere auf einem Hof auf über 1000 Metern über Meer befallen. Eine Ausbreitung bis auf diese Höhe sei überraschend, weil das Virus von einer tropischen Mücke übertragen werde, sagte eine Sprecherin des Bundesamtes für Veterinärwesen. Sie bestätigte damit einen Bericht von Schweizer Radio DRS.
Erste Fälle im Juli
Das Schmallenberg-Virus war im vergangenen Juli erstmals in der Schweiz aufgetaucht und seither in mehreren Kantonen im Mittelland und in der Ostschweiz festgestellt worden. Die Experten waren allerdings bislang davon ausgegangen, dass eine Ausbreitung in den Bergen kein Thema ist.
Aktuell wurde das Virus auf 124 Schweizer Bauernhöfen nachgewiesen. Beim Vieh wurden entweder das Virus selber oder Antikörper dagegen gefunden. Während das Virus bei erwachsenen Tieren lediglich zu vorübergehenden grippe-ähnlichen Symptomen führt, kann es bei trächtigen Tieren zu Aborten, Totgeburten und schweren Missbildungen der Jungen führen.
Ausmass noch unklar
Das Ausmass dieser Folgen wird sich erst zeigen. Weil das Virus erst kurze Zeit im Land ist, wurden bisher lediglich sechs missgebildete Kälber positiv auf das Virus getestet. Für die kommende Ablammsaison im Herbst und die Abkalbzeit im Frühling rechnet das BVET aber mit einer Häufung. «Jeder betroffene Betrieb muss mit Missbildungen bei den nächsten Geburten rechnen», sagte die Sprecherin des Veterinärbundesamtes. Dramatisieren will sie die Situation aber keinesfalls.
Das Virus führt bei jedem Tier nur bei der Erstansteckung zu Schäden und das auch nur innerhalb eines bestimmten Zeitfensters während der Trächtigkeit. Danach ist das Vieh immun, eine erneute Infizierung ist folgenlos. Auch ist die Krankheit nicht ansteckend, wird nicht von Tier zu Tier übertragen. Für den Menschen ist das Virus harmlos.
Keine Behandlung, keine Impfung
«Das Schmallenberg-Virus gehört einer bekannten Klasse an, es ist aber ein neues Virus», so die Sprecherin weiter. Entdeckt wurde es im Sommer 2011 im norddeutschen Schmallenberg. Seither breitet es sich in einem breiten Band quer durch Europa nach Südosten aus. Vorläufig existiert gegen das Virus weder eine Behandlung noch eine Impfung.
(sda/krua;blur)



