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Schweiz

Mit dem Alphorn gegen die Botschafts-Schliessung

Franziska Engelhardt
Mittwoch, 12. September 2012, 4:39 Uhr

Die Schweiz schliesst auf Anfang 2013 die Botschaft in Guatemala – die Botschaft, welche auch für El Salvador und Honduras zuständig ist. Die in der gefährlichsten Region der Welt lebenden Schweizer schütteln den Kopf. Mit einem Alphorn auf dem Bundesplatz hat einer davon seinem Unmut Luft gemacht.

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Er hat seinen Heimaturlaub genutzt und ist mit dem Alphorn nach Bern gereist. Werner Rüesch, der seit über 40 Jahren in Guatemala wohnt, weiss, dass die Würfel eigentlich schon gefallen sind; die Botschaft in Guatemala wird geschlossen. «Aber nicht alle schlucken und akzeptieren diesen Entscheid, wenn nichts mehr zu verlieren ist, können wir nur gewinnen», sagt er schmunzelnd zu «SF Online».  

Gegen eine Eliminierung

Seine Musikeinlage sei erfolgreich gewesen: «Es sind ein paar wichtige Leute aus dem Bundehaus gekommen. Denen habe ich eine Petition übergeben», freut er sich. Den Inhalt der Petition habe er – der frühere, langjährige Präsident des Schweizer Vereins in Guatemala – mit seinen Landsleuten in der zentralamerikanischen Heimat abgesprochen.

Im Wesentlichen will die Petition keine Eliminierung der Schweizer Vertretung, sondern eine Reduktion. «Für uns würde es auch ohne Botschafter funktionieren. Wir fordern aber ein Konsulat mit Konsul», erklärt Rüesch. Der Bund hat aber bereits kommuniziert: Künftig wird Costa Rica, welches in Flugdistanz liegt, die Vertretung übernehmen.  Dies tangiert eine stattliche Anzahl  von rund 2000 Schweizerinnen und Schweizer, die insgesamt in den drei Ländern wohnhaft sind.

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Eine Reise dorthin wäre im Wesentlichen für neue Pässe notwendig. Ansonsten könnten heutzutage praktisch alle Geschäfte per Post oder elektronisch per E-Mail erledigt werden, erklärt das Aussendepartement EDA auf Anfrage.

Eine persönliche Vorsprachen bei der Auslandvertretung sei nur noch in wenigen Fällen wirklich notwendig. Um dafür trotzdem eine Lösung zu bieten, sieht das EDA für grosse Schweizerkolonien auch mobile Dienstleistungen vor: mobile biometrische Passdatenerfassungsstationen wie sie in Budapest oder Brüssel bereits eingesetzt worden seien.

Höchste Mordraten weltweit

Neben konsularischen Problemen wirft vor allem auch die prekäre Sicherheitssituation in der Region Fragen auf. Die Länder liegen im Drogenkorridor, zwischen den Drogenanbauern im Süden und den Drogenabnehmern im Norden. Dies hat zu einem rasanten Anstieg von Gewalt und Kriminalität geführt.

Laut Zahlen der UNO haben die drei Länder die höchste Mordrate der Welt. In Guatemala werden auf 100‘000 Einwohner 39 Morde im Jahr verübt, in El Salvador sogar 72. Honduras liegt mit 86 Morden pro 100‘000 Einwohner an der Spitze.

Bewachung vor den Firmen

Wie der Botschafter in Guatemala, Thomas Kolly, «SF Online» erklärt, setzen Firmen jeweils 10 Prozent ihrer Aufwendungen im Sicherheitsbereich ein. «Das heisst, Leute werden mit Pistolen oder Gewehren vor die Firmen gestellt»,  präzisiert er. Dies betreffe auch zahlreiche Schweizer Firmen, denen die Botschaft bis jetzt bei Sicherheitsproblemen beratend helfen konnte.

Das Schweizer Engagement

Die Schweiz ziehe sich in Bezug auf die Sicherheit nicht aus der Konfliktregion zurück, verteidigt sich das EDA. Projekte der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) sowie der Abteilung Menschliche Sicherheit (AMS) werden ihre Tätigkeiten in der Region aufrechterhalten. Letzteres heisst konkret finanzielle Unterstützung für verschiedene Projekte im Bereich der Menschenrechte.

Mit dem Deza fokussiert die Schweiz insbesondere auf Prävention: «In der Lehrlingsausbildung können wir potentiellen Kriminellen eine Zukunft aufzuzeigen», erklärt der Botschafter. «Bildung als Basis, um das riesige Gewaltproblem zu stoppen.»

Unbeschwert in Bern spazieren

Die Gewalt sei latent spürbar in Guatemala, sagt Alphornbläser Rüesch. «Das merke ich besonders im Unterschied zu Bern. Ich geniesse es, nicht an jeder Ecke nach einem Verdächtigen Ausschau halten zu müssen.»

Bild Guatemalas Aussenminister und Didier Burkhalter schütteln sich vor den jeweiligen Flaggen die Hände.
Nach 111 Jahren diplomatischer Beziehungen ein Anliegen auf höchster Ebene: Guatemalas Aussenminister Harold Caballeros auf Arbeitsbesuch in Bern Ende August. Auch er bat, die Schliessung der Botschaft nochmals zu überdenken. keystone

Er, der in Guatemala eine kleine Firma besitzt, habe selber keine Sicherheitsprobleme. «Aber Guatemala wäre wegen der Drogenprobleme und Gewalt froh um Unterstützung», fügt Rüesch an.

Myanmar statt Guatemala

Doch es werde gemunkelt, dass sich die Schweiz genau deshalb aus dem Land zurückziehe, so Rüesch. Weil es diplomatisch zu schwierig sei und weniger Interessant als der Handel in Asien.

Die Schliessung hat offiziell mit den Finanzen des Bundes zu tun. «Weil das EDA seit Jahren mit gleichbleibenden oder weniger Mitteln auskommen muss, sind Neueröffnungen nur über Schliessungen zu finanzieren», erklärt das EDA. «Sie hat einen indirekten Zusammenhang mit der Botschaftseröffnung in Myanmar noch in diesem Jahr.»

Ein wenig fühle er sich von der Schweiz im Stich gelassen, sagt der Auslandschweizer. Aber mit der Petition gehe es ihnen vor allem darum, dass der Bundesrat seinen Entscheid mit der Petition nochmals überdenke: lieber ein halber als gar kein Betrieb. «Vielleicht finden wir eine richtig schweizerische Lösung», sagt Werner Rüesch lachend.