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International

Aufgebrachte Muslime töten US-Botschafter in Libyen

Mittwoch, 12. September 2012, 4:29 Uhr, Aktualisiert 20:37 Uhr

Ein Film aus den USA, der angeblich den Propheten Mohammed verunglimpft, schürt die Wut unter Muslimen. In Libyen ist der Protest eskaliert: Bei einem Angriff auf ein Konsulat starb der US-Botschafter. Die Angst vor weiteren gewaltsamen Protesten auch in anderen Ländern wächst.

Nach den Angriffen auf das US-Konsulat in Benghasi (unkommentiert)

Aufgebrachte Demonstranten hatten in der Nacht auf Mittwoch das US-Konsulat in der einstigen Rebellenhochburg Benghasi im Osten des Landes angegriffen. Augenzeugen berichten, aus der Menge seien Raketen und Brandsätze abgefeuert worden. Das Auto des Botschafters – er hatte sich offensichtlich mit drei Mitarbeitern in Sicherheit bringen wollen – soll dabei von einer Rakete getroffen worden sein. Alle vier Insassen starben.

US-Präsident Barack Obama sprach in einer ersten Reaktion von einem «verabscheuungswürdigen Angriff». Die Getöteten stünden für Freiheit, Gerechtigkeit und Partnerschaft mit Ländern und Völkern rund um die Welt – Werte, denen sein Land verpflichtet sei. Die USA erteilten jedweder Erniedrigung religiöser Überzeugungen anderer eine Absage, sagte Obama. Dennoch «müssen wir eindeutig jene Art von sinnloser Gewalt ablehnen, die das Leben dieser Staatsdiener gekostet hat».

Bild Bei dem Angriff getötet: Der US-Botschafter in Libyen, Christopher Stevens.
Beim Angriff getötet: Der US-Botschafter in Libyen, Christopher Stevens. reuters

Obama ordnete an, alle nötigen Vorkehrungen zu treffen, um die Sicherheit des Botschaftspersonals in Libyen zu gewährleisten. Nach Informationen des Nachrichtensenders CNN schickte das US-Verteidigungsministerium inzwischen Marine-Infanteristen nach Benghasi. Obama kündigte zudem strengere Sicherheitsvorkehrungen für alle diplomatischen Vertretungen der USA weltweit an.

Das offizielle Libyen distanzierte sich von der Gewalt. Parlamentspräsident Mohammed Magariaf entschuldigte sich im Namen des libyschen Volkes bei den USA. Regierungsvertreter äusserten die Vermutung, bewaffnete Anhänger des 2011 gestürzten Regimes von Muammar al-Gaddafi könnten sich unter die Demonstranten gemischt haben, «um Rache an den Amerikanern zu üben». 

Ein Film empört die Massen

Auslöser der Proteste war ein in den USA produzierter Film, in dem angeblich der Prophet Mohammed verunglimpft wird. Autor, Regisseur und Produzent ist nach amerikanischen Medienberichten ein Mann namens Sam Bacile. Der 52Jährige – angeblich ein israelisch-amerikanischer Doppelbürger – soll für den rund zwei Stunden langen Film fünf Millionen Dollar von rund 100 jüdischen Spendern eingesammelt haben. Bacile soll inzwischen untergetaucht sein.

Der Trailer zum Film war nach einem Bericht des «Wall Street Journal» bereits seit Juli auf YouTube zu sehen. Aufmerksamkeit habe er aber erst erregt, seit sich der als Koranhasser bekanntgewordene Pastor Terry Jones aus Florida für den Film eingesetzt habe.

In dem Film wird die Rolle des Propheten Mohammeds als Überbringer von Gottes Wort angezweifelt. Er wird zudem als Trottel und Weiberheld dargestellt – ein Affront für viele Muslime. Im Islam ist die Darstellung Gottes oder des Propheten Mohammed verboten.

US-Aussenministerin Hillary Clinton hatte sich von dem Film distanziert. «Die USA missbilligen jeden absichtlichen Angriff auf die religiösen Gefühle von Andersgläubigen», sagte sie. Sie fügte hinzu, dass derartige Provokationen nicht als Rechtfertigung für Gewalt benutzt werden dürften.

Film empört auch in anderen Ländern

Der Film von Sam Bacile, Autor und Regisseur mit US-amerikanischem und israelischem Pass, sorgt auch in anderen muslimischen Ländern für Wut und Empörung. In der tunesischen Hauptstadt Tunis kam es am Abend zu Protesten vor der US-Botschaft. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein.

Bereits am Dienstagabend hatten in Ägyptens Hauptstadt Kairo Hunderte Demonstranten vor der US-Botschaft protestiert. Einigen gelang es, über die Mauern der Vertretung zu klettern und die US-Flagge herunterzureissen. Die Behörden schickten zusätzliche Sicherheitskräfte, um die Menge von einer Erstürmung der Botschaft abzuhalten. Die Muslimbrüder, aus dessen Reihen auch Präsident Mohammed Mursi stammt, riefen für Freitag zu landesweiten Demonstrationen auf.

(sda/krua;galc)