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International

Ist Chinas Vizepräsident verschwunden?

Dienstag, 11. September 2012, 11:09 Uhr, Aktualisiert 20:43 Uhr

Xi Jinping ist der neue starke Mann Chinas. Der Vizepräsident soll im Oktober den Vorsitz der Kommunistischen Partei übernehmen und später auch Staatschef werden. Doch von ihm fehlt seit Tagen jede Spur. Die Gerüchteküche brodelt.

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Chinas Vizepräsident Xi Jinping hat in den vergangenen Tagen offizielle Termine mit US-Aussenministerin Hillary Clinton sowie den Regierungschefs von Singapur und Dänemark platzen lassen. Er scheint verschwunden und niemand weiss wirklich warum. Denn eine offizielle Begründung gibt es nicht. Xis Büro und das chinesische Aussenministerium schweigen.

Autounfall, Mordanschlag oder Herz-Attacke

«Nach einem Bericht von CNN kursierten Gerüchte über einen Autounfall», erklärt der SF-Asien-Korrespondent Pascal Nufer. Dieses Gerücht mache nun auch unter der chinesischen Twitter-Gemeinde sowie unter Bloggern die Runde.

Aber auch ein Mordanschlag seiner politischen Gegner wird als möglicher Grund genannt. Andere Gerüchte besagen, Chinas Vizepräsident sei an Krebs erkrankt oder habe gar eine Herzattacke erlitten.

Die Nachrichtenagentur Reuters liefert unter Berufung auf anonyme Informanten eine weitere mögliche Erklärung: Vizepräsident Xi Jining habe sich beim Schwimmen eine Rückenverletzung zugezogen. Allerdings wollte der Informant nicht verraten, wie schlimm die Verletzung sei. Eine weitere anonyme Quelle, welche die Nachrichtenagenur zitiert, sagte: «Er ist krank, aber es ist kein grosse Problem.»

Von Xi Jinping fehlt jede Spur. (Tagesschau, 11.09.12, 19.30 Uhr)

Ärztlich verordnete Ruhe

Für Pascal Nufer ist klar: «All das sind lediglich unwahre Gerüchte. Medien in Hong Kong, welche freier als die restliche chinesische Presse berichten können, liefern eine plausible Erklärung: Xi Jining ist überarbeitet und muss sich nun schonen». Xi bereite den kommenden Parteikongress im Oktober vor. Der Politiker habe täglich bis zu 15 Stunden gearbeitet. «Nun befindet er sich in einem Spital und muss sich erholen», so Nufer.

Offiziell will sich niemand dazu äussern. China machte seit jeher den Gesundheitszustand der politischen Elite zum Staatsgeheimnis.

Polit-Skandale erschüttern China

Auch wenn bislang eine offizielle Erklärung für die Abwesenheit von Chinas Vizepräsident fehlt, ist sie für die Kommunistische Partei ziemlich unpassend. Voraussichtlich im Oktober soll Xi zum Chef der Partei gewählt werden und danach im Laufe des neuen Jahres als Staatschef die Macht übernehmen.

Allerdings zittert die Kommunistische Partei zurzeit um ihr gutes Image: Erst kürzlich musste Ling Jihua, ein enger Vertrauter von Präsident Hu Jintao, seinen Posten räumen: Sein Playboy-Sohn war im März nach einer Raserfahrt durch Peking mit seinem Ferrari verunfallt.

Im April wurde der Spitzen-Politiker Bo Xilai von allen Ämtern suspendiert. Seine Frau Gu Kailai wurde im August wegen Mordes an einem befreundeten britischen Geschäftsmann verurteilt. Sie erhielt eine Todesstrafe mit Aufschub, was in China in lebenslange Haft umgewandelt werden kann.

Die Skandale bringen den sorgfältig vorbereiteten Machtwechsel an der Spitze der Kommunistischen Partei Chinas ins Schlingern. Die Enthüllungen bestätigen aber auch den Eindruck im Volk, dass die Korruption unter den Mächtigen des Landes weit verbreitet ist und die neureichen Sprösslinge der einflussreichen Familien einen luxuriösen und dekadenten Lebensstil pflegen.

(agenturen/muei)