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Wirtschaft

Xstrata unzufrieden mit verbessertem Glencore-Angebot

Freitag, 7. September 2012, 9:43 Uhr, Aktualisiert 20:36 Uhr

Die geplante Megafusion in der Rohstoffbranche bleibt weiter in der Schwebe. Glencore hat das Angebot zwar leicht erhöht. Xstrata will aber mehr dazu wissen.

Bild Glencore-Hauptsitz in Baar: Die Generalversammlung zu Fusion mit Xstrata ist vertagt.
Glencore-Hauptsitz in Baar: Die Generalversammlung zur Fusion mit Xstrata ist vertagt. keystone

Xstrata schrieb in einer ersten Stellungnahme, dass bei dem Angebot wichtige Informationen fehlten. Sobald ein«detaillierteres Angebot» vorliege, werde der Xstrata-Verwaltungsrat entscheiden, welche Empfehlung er den Aktionären abgebe.

Der weltgrösste Rohstoffhändler Glencore hatte zuvor sein Übernahmeangebot für den schweizerisch-britischen Bergbaukonzern Xstrata aufgestockt. Nach dessen Angaben bot Glencore 3,05 eigene Aktien je Xstrata-Papier. Bisher lag das Angebot bei 2,8. Damit stieg das Angebot für den britisch-schweizerischen Bergbaukonzern Xstrata um rund 3 Mrd. auf 37 Mrd. Dollar.

Offen bleibt, ob die beiden bisher skeptischen Grossaktionäre bei Xstrata auf das neue Angebot eingingen, namentlich die Staatsfonds von Katar und Norwegen. Allen voran forderte der Golfstaat Katar als zweitgrösster Xstrata-Aktionär mit einem Anteil von 12,3 Prozent eine Erhöhung der Übernahmeofferte auf 3,25 Glencore Aktien. Auch der norwegische Staatsfonds verlangte Nachbesserungen.

Glencore und auch Xstrata hatten eigentlich für heute Aktionärsversammlungen angesetzt. Kurz vor Beginn sagte Glencore seine dann kurzfristig ab, was bereits Spekulationen nährte, der Zuger Rohstoffriese könnte sein Angebot doch noch nachbessern. Glencore hatte sich lange geweigert, dies zu tun. Viele Branchenkenner hatten deshalb schon damit gerechnet, dass der Zusammenschluss scheitern würde.

Jetzt ist auch offiziell von Übernahme die Rede

Das höhere Angebot an Xstrata ist allerdings an neue Forderungen geknüpft. So will Glencore nun im Gegenzug die komplette Macht bei Xstrata übernehmen. Der Status des Geschäfts wurde bereits geändert: Aus der bislang offiziell als «Zusammenschluss unter Gleichen» bezeichneten Transaktion soll nun auch formal eine Übernahme werden.

Zudem reklamiert Glencore-Chef Ivan Glasenberg die Führungsposition für sich. Eigentlich war für diese Rolle Xstrata-Chef Mick Davis vorgesehen. Seine Rolle im künftigen Konzern ist unklar. Die Änderungen könnten das Ende der jahrelangen Karriere des Südafrikaners bei Xstrata bedeuten. Davis selber wollte sich zu seinen Plänen nicht äussern.

Megafusion weiter unsicher. (Tagesschau, 7.09.12, 19:30 Uhr)

Xstrata seinerseits betonte in einer Mitteilung, dass es sich noch nicht um ein festes Angebot von Glencore handle. Es könne noch Änderungen geben. Zudem müsse der Xstrata-Verwaltungsrat noch darüber entscheiden. Unklar ist auch, wie Katar und die anderen unzufriedenen Aktionäre auf das verbesserte Angebot von Glencore reagieren werden. Analysten gingen davon aus, dass auch Katar das neue Angebot nicht ausschlägt.

Der laufende Übernahmeversuch gilt für viele Branchenkenner auf absehbare Zeit als letzte Chance für einen grossen Zusammenschluss. In der Branche wachsen offenbar die Befürchtungen, dass der jahrelange Rohstoff-Boom angesichts der schlechten Wirtschaftsaussichten zu Ende gehen könnte.

Goldgräberstimmung in der Branche ist vorbei

Im vergangenen halben Jahr hat sich das Klima für Rohstoffkonzerne bereits deutlich verschlechtert. Vor allem bei einer Reihe von Industrie-Rohstoffen sind die Preise kräftig zurückgegangen. Die Bergbauunternehmen meldeten daher kräftige Gewinnrückgänge. In einem solchen Umfeld sind Grossübernahmen nicht mehr besonders attraktiv. 

Beide Konzerne haben – vor allem aus steuerlichen Gründen – ihren Hauptsitz nur wenige Kilometer voneinander entfernt im Kanton Zug. Ihr Zusammenschluss wäre der grösste in der Branche seit 2007. Damals übernahm der australische Bergbauriese Rio Tinto den Aluminiumkonzern Alcan für 38 Milliarden US-Dollar.

Glencore und Xstrata: Fusion der Giganten (05.03.12)

(agenturen/muei; schl)