Inhalt

Wirtschaft

Streik legt Lufthansa lahm – erste Zugeständnisse

Freitag, 7. September 2012, 2:11 Uhr, Aktualisiert 17:46 Uhr

Lufthansa-Chef Christoph Franz hat offenbar die Macht der Kabinengewerkschaft Ufo unterschätzt. Das Unternehmen verzichtet auf den Einsatz von externen Kabinencrews in Berlin. Damit kommt die Airline einer Forderung der Streikenden teilweise nach.

Bild

Lufthansa-Chef Christoph Franz macht im Arbeitskampf mit der Kabinengewerkschaft Ufo erste Zugeständnisse. Die Airline mit dem Kranich will künftig auf den Einsatz der Leiharbeit von Aviation Power verzichten. Für die 200 Flugbegleiter bietet Franz feste Jobs bei Lufthansa an.

Der Airline-Chef verspricht sich von dem Schritt Fortschritte in den festgefahrenen Tarifverhandlungen für die rund 18'000 Flugbegleiter der Lufthansa Passage. Der aktuelle Streik läuft noch bis Mitternacht. Der Aufruf für den gesamten Freitag ging an rund 18'000 Beschäftigte der Kabine an den Lufthansa-Standorten Frankfurt, München, Düsseldorf, Berlin, Hamburg und Stuttgart. Selbst die Pilotenstreiks aus den Jahren 2001 und 2010 hatten nicht eine derart durchschlagende Wirkung.

Gewerkschaftschef Baublies zeigt sich zuversichtlich über neue Gespräche.

Konkurrenz und Bahn vor Ansturm

Die Lufthansa musste rund 1000 der sonst üblichen 1800 Verbindungen streichen. Ein Lufthansa-Sprecher nannte dies deshalb einen «bitteren Tag» für die Airline.

Am grössten deutschen Flughafen in Frankfurt blieb es am Morgen ruhig. Mit 55'000 SMS und E-Mails hat die Fluggesellschaft ihre Gäste schon früh über Flugausfälle informiert. Die Lufthansa hat zusätzliches Bodenpersonal im Einsatz, das die gestrandeten Passagiere umbucht, betreut und informiert. Alternativ zu Umbuchungen können betroffene Passagiere kostenlos ihr Ticket umtauschen oder stornieren.

Die Konkurrenten der Airline und die Bahn stellen sich zum Ferienende in Süddeutschland auf einen grossen Ansturm ein. Normalerweise befördert Lufthansa an einem Freitag rund 170'000 Menschen.

38 Schweizer Verbindungen betroffen

Auch 38 Verbindungen von und zu Schweizer Flughäfen sind betroffen. Am stärksten spürt der Flughafen Zürich die Auswirkungen: 26 Hin- und Rückflüge mit den Destinationen Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg und München wurden annulliert. Weiter befinden sich acht Flüge zwischen Genf und Frankfurt sowie vier zwischen Basel-Mulhouse und Düsseldorf auf der von der Lufthansa online veröffentlichten Streichliste. Die Lufthansa-Tochter Swiss erwartet keine Einschränkung ihres Flugplans.

Darum geht's

Die Gewerkschaft Ufo fordert in dem seit 13 Monaten währenden Tarifkonflikt fünf Prozent mehr Lohn, das Ende der Leiharbeit und Schutz gegen die Auslagerung von Jobs.

Lufthansa bietet bei einer längeren Laufzeit 3,5 Prozent Lohnerhöhung, plant aber eine konzerninterne Billigtochter mit niedrigeren Gehaltstarifen. Für die verbleibenden Lufthanseaten will das Unternehmen die Gehaltsstufen abflachen und für Neueinsteiger niedrigere Bedingungen durchsetzen.

Teurer Arbeitskampf

Für die Lufthansa wird der Arbeitskampf mit ihren 18'000 Flugbegleitern langsam teuer. Allein an den ersten beiden Streiktagen zusammen verlor die Airline nach Aussagen eines Sprechers mehr als zehn Millionen Euro. Dieser dritte Streik dürfte noch wesentlich höhere Schäden verursachen, da die Stewards und Stewardessen erstmals alle 15 Lufthansa-Airports in Deutschland lahmlegen.

Bild Drei Lufthansa-Mitarbeiterinnen in Uniform vor einer Informationstafel, die über annullierte Flüge informiert.
Streik tut weh: Der Lufthansa dürfte der Arbeitskampf ihres Personals Millionen kosten. keystone

Für die Lufthansa ist es einer der grössten Streiks in der Unternehmensgeschichte und der erste ihres Kabinenpersonals. Eine Schlichtung hätte den Ausstand noch abwenden können, aber die beiden Tarifparteien fanden nicht mehr zusammen. Die Gewerkschaft kämpft für höhere Löhne und gegen die Auslagerung von Stellen. Nach Ansicht des Lufthansa-Managements sind Einschnitte nötig, da die harte Konkurrenz dem Dax-Konzern das Leben schwermacht.

Lufthansa-Chef Christoph Franz hatte am Vorabend den Streik der Flugbegleiter als «völlig unverhältnismässig» kritisiert. Die Entwicklung sei «quasi aus heiterem Himmel» nach eineinhalb Jahren Gesprächen gekommen, sagte er im ZDF-«heute journal». Die Lufthansa sei aber weiter zu Gesprächen bereit, so Franz.

(sda/dpa/buev/frua;mery;fasc)