Kultur
Maria Becker ist tot
«Ich habe das Gefühl, ein interessantes Leben geführt zu haben», sagte Maria Becker vor nicht allzu langer Zeit über sich – und tatsächlich: In der Biographie der Schauspielerin fehlt so gut wie keine grosse Rolle oder Bühne. Die Theaterwelt trauert.
Nach Angaben ihrer Familie schlief die 92jährige friedlich zu Hause in Uster (ZH) ein. Mit ihr verliert unter anderem das Zürcher Schauspielhaus ein langjähriges Ensemble-Mitglied.
Die 1920 geborene Becker hatte am Pfauen 1939 – mit gerade 18 Jahren – ihr erstes Engagement ergattert. Dorthin war sie nach einem Studium am Wiener Max-Reinhardt-Seminar nur kurz zuvor gekommen.
In Zürich wurde Becker rasch Teil des legendären Emigrantenensembles und erlebte hier den Auftakt zu einer glanzvollen Karriere. Sie spielte alle nur denkbaren klassischen und modernen Rollen, insgesamt mehr als deren 150. Am Pfauen lernte Becker auch ihren späteren Mann Robert Freitag kennen. Durch die Heirat mit dem österreichisch-schweizerischen Doppelbürger erhielt die gebürtige Berlinerin Becker auch das Schweizer Bürgerrecht.
«Die letzte deutsche Tragödin»
In Zürich gründete Maria Becker zudem das weit über den deutschsprachigen Raum hinaus bekannte Tourneetheater «Schauspieltruppe Zürich». Einem breiteren Publikum war sie zudem aus Fernsehkrimis wie «Derrick» oder «Der Alte» bekannt.
Bewunderer bezeichneten Becker mitunter als «letzte deutsche Tragödin», auch wenn sie selbst nicht nur einmal ihre heimliche Liebe zur Komödie erklärt hatte. Gastspiele führten sie oft an die anspruchsvollsten Bühnen im deutschen Sprachraum. Verpflichtungen ging sie unter anderem am Wiener Burgtheater und am Hamburger Schauspielhaus ein.
In der Laudatio zum hochdotierten Armin-Ziegler-Preis wurde Maria Becker 2011 als «zweifellos eine der bedeutendsten Schauspielerinnen deutscher Sprache» gewürdigt. Als markante Persönlichkeit habe sie «auf unvergleichliche Art Schweizer Theatergeschichte geschrieben».
Dass Becker Schauspielerin wurde, war zunächst alles andere als selbstverständlich. Beide Eltern – obschon selbst bekannte Darsteller – unterstützten den Wunsch der Tochter nicht von Anfang an. Becker selbst gab die Begeisterung für das Handwerk später selbst weiter – zwei ihrer drei Söhne wurden ebenfalls Schauspieler.
Ihre unkonventionelle Art demonstrierte Becker auch 2010, als ihr das Zürcher Schauspielhaus zum 90. Geburtstag eine grosse Bühnen-Hommage ausrichtete. Nachdem sie sich das theatralisch-musikalische Spektakel von der fünften Reihe aus angesehen hatte, stand sie auf und resümierte: «Ich habe das Gefühl, ein sehr interessantes Leben geführt zu haben.»
(sf/sda/krua)







