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US-Wahlkampf 2012

Obama verspricht: «Unser Weg führt zu einem besseren Ort»

Freitag, 7. September 2012, 3:28 Uhr, Aktualisiert 20:29 Uhr

US-Präsident Barack Obama hat die Amerikaner auf die schicksalhafte Bedeutung der bevorstehenden Wahl hingewiesen und seine erneute Nominierung als Präsidentschaftskandidat formell angenommen. Vor dem Parteitag in Charlotte warnte er vor einem Sieg seines republikanischen Herausforderers.

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Obama: «Unsere Probleme können gelöst werden.» (Originalton englisch)

Obama versprach den rund 6000 Delegierten der Demokratischen Partei, einen Ausweg aus der Krise zu finden. Die Probleme könnten gelöst werden, sagte er unter dem Jubel seiner Anhänger.

«Wandel ist weiterhin möglich»

Er sei nicht gewählt worden, um das zu sagen, was die Menschen hören wollten, sagte der Präsident. «Sie haben mich gewählt, damit ich die Wahrheit sage. Und die Wahrheit ist, dass es mehr als nur ein paar Jahre dauern wird, um die Herausforderungen zu bewältigen, die sich über Jahrzehnte angesammelt haben.»
 
Aber der Wandel sei weiter möglich. Zwar böten seine Demokraten einen Weg, der schwer sei. «Aber er führt an einen besseren Ort. Und ich bitte Sie, diese Zukunft zu wählen.»

Karte der US-Bundesstaaten in den Parteifarben der Gewinner 2008: Blau für Obama (Demokraten) und Rot für McCain (Republikaner).

US-Präsidentschaftswahlen auf einen Blick

Interaktive Grafik mit den Resultaten der Vorwahlen der republikanischen Partei und den Ergebnissen der Präsidentschaftswahlen von 1992 bis 2008.

Obama kehrte zu seiner Botschaft «Hope and Change» zurück, die ihn 2008 als ersten Afroamerikaner ins Weisse Haus getragen hatte. Die Hoffnung sei in den vergangenen Jahren «geprüft» worden, räumte der Präsident ein. Doch die Bürger der USA gäben ihm Hoffnung. «Wenn Sie diese Hoffnung mit mir teilen, dann bitte ich Sie heute Abend um ihre Stimme.»

Ziele für zweite Amtszeit
 
Obama formulierte eine Reihe von Zielen für eine weitere Präsidentschaft – unter anderem will er bis Ende 2016 eine Million neue Jobs in der Industrie schaffen und die Exporte bis 2014 verdoppeln. Die Ölimporte sollen in den kommenden Jahren halbiert werden, das Haushaltsdefizit im Umfang von vier Billionen Dollar reduziert werden.
 
Obama erklärte die Wahl am 6. November zu einer Generationenentscheidung über zwei unterschiedliche Visionen für Amerika. Sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney wolle den Staatshaushalt mit «Billionenausgaben für neue Steuergeschenke für die Reichen» sanieren.
 
In der Aussenpolitik brandmarkte der Präsident Romney als Neuling, der sich mit einer missglückten Auslandsreise im Juli auf dem internationalen Parkett bereits unmöglich gemacht habe. «In einer Welt neuer Bedrohungen und neuer Herausforderungen könnt Ihr die Führung wählen, die getestet wurde und sich bewährt hat», sagte Obama.

Obama setze sich stets für die Mittelschicht ein, sagt Vizepräsident Joe Biden. (Originalton englisch)

Biden wirbt für Obamas Wiederwahl

Vor Obama hatte bereits sein Vize Joe Biden das Wort ergriffen und in einem  leidenschaftlichen Plädoyer für eine Wiederwahl des amtierenden Präsidenten geworben.

Obama habe vor vier Jahren eine wirtschaftlich angeschlagene Nation geerbt und es geschafft, das Blatt zu wenden. «Osama bin Laden ist tot, und General Motors lebt», hiess es an einer Stelle seiner Rede. Biden räumte ein, es bleibe noch viel tun. «Die Reise der Hoffnung ist noch nicht beendet, aber wir sind auf unserem Weg», rief der Vize den Delegierten zu. Seine

Arthur Honegger bloggt aus Charlotte

Nach den Republikanern waren nun die Demokraten am Zug. Ziel des Parteitags in Charlotte war es, die Nation davon zu überzeugen, dass ihr Präsident eine zweite Amtszeit verdient. Hier die Eindrücke des SF-Korrespondenten Arthur Honegger aus Charlotte 2012.

Kerry warnt vor Romney

Viele namhafte Parteitagsredner warnten in Charlotte vor den Folgen eines Wahlsieges von Obamas republikanischem Herausforderer Mitt Romney. Der demokratische Senator und Aussenexperte John Kerry bezeichnete Romney als Gefahr für die amerikanische Aussenpolitik. Er sei «extrem» und ihm mangele es an Urteilsvermögen und einer Vision, sagte Kerry.

Kerry war 2004 selbst als Präsidentschaftskandidat angetreten, aber bei der Wahl gegen den damaligen Amtsinhaber George W. Bush gescheitert. In Washington wird er als Nachfolger von Aussenministerin Hillary Clinton gehandelt, die sich nach eigener Aussage nach dem Ende dieser Amtszeit zurückziehen möchte.

Bild Rührte viele Delegierte zu Tränen: Die bei einem Attentat verletzte Gabrielle Giffords.
Rührte viele Delegierte zu Tränen: Die bei einem Attentat verletzte Gabrielle Giffords. keystone

Jubel für Giffords Rede

Bewegt zeigten sich viele Abgeordnete in Charlotte vom Auftritt der bei einem Attentat schwer verletzten Politikerin Gabrielle Giffords. Die 42jährige frühere Abgeordnete sprach den US-Fahneneid «Pledge of Allegiance». Gifford hatte Mühe, zu laufen und die Worte zu artikulieren.

Giffords war am 8. Januar 2011 von einem Mann auf dem Parkplatz eines Supermarkts in Tucson im Bundesstaat Arizona aus nächster Nähe angeschossen und am Kopf verletzt worden. Sie überlebte damals nur knapp.

Hollywood-Stars für Obama

Mit der Strahlkraft grosser Stars versuchten es bei ihrem Parteitag bereits die Republikaner – Clint Eastwoods Stuhl-Auftritt hatte jedoch nur leidlichen Erfolg. Bei den Demokraten in Charlotte gaben sich die Hollywood-Stars beinahe schon die Klinke in die Hand. Einlagen boten sie nicht, dafür filmreife Reden. Mehr.

Mit Obamas Rede endete der dreitägige Parteitag der Demokrat. Als nächste wichtigste Wahlkampftermine stehen nun die drei TV-Debatten zwischen Obama und Romney im Oktober an. Auch ihre Vize treten gegeneinander an. Die Wahl selbst findet am 6. November statt. Romney und Obama liefern sich seit Wochen in den Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. 


Real Clear Politics ist ein in Chicago ansässiges Institut, das nach eigenen Angaben Nachrichten und Meinungen zur US-Politik sammelt. Es aggregiert unter anderem die aktuellen Daten grosser US-Umfrageinstitute und bildet deren Durchschnitt ab.

(agenturen/buev)