US-Wahlkampf 2012
Hollywood-Stars werben für Obama
Mit der Strahlkraft grosser Stars versuchten es bei ihrem Parteitag bereits die Republikaner – Clint Eastwoods Stuhl-Auftritt hatte jedoch nur leidlichen Erfolg. Bei den Demokraten in Charlotte gaben sich die Hollywood-Stars beinahe schon die Klinke in die Hand. Einlagen boten sie nicht, dafür filmreife Reden.
Schauspielerin Scarlett Johansson, die unter ihrem grauen Jackett ein T-Shirt mit US-Flagge trug, rief vor allem die jungen Menschen auf, bei der Präsidentschaftswahl an die Urnen zu gehen. «Im Jahr 2008 sind weniger als die Hälfte der 18- bis 24jährigen wählen gegangen», sagte Johansson. «Wählt, damit eure Stimme gehört wird.»
Die Schauspielerin erinnerte an ihre Kindheit in New Yorker Sozialwohnungen, wo sie in einer demokratischen Familie aufwuchs. «Mein Vater verdiente kaum genug, um über die Runden zu kommen», sagte die 27jährige. «Wir zogen jedes Jahr um, und schliesslich zogen wir in ein Hausprojekt für Familien der unteren Mittelschicht. Wir gingen in öffentliche Schulen und wurden durch Programme für Schulbusse und Mittagessen unterstützt – so wie die meisten meiner Freunde.»
Ölwechsel und Hamburger
Auch «Desperate Housewives»-Star Eva Longoria berichtete über die bescheidenen Verhältnisse, in denen sie in Texas in einer mexikanischstämmigen Familie aufwuchs. Sie berichtete von Jobs, bei denen sie Ölwechsel in einer Autowerkstatt machte oder Hamburger in einem Fast-Food-Lokal briet.
«Die Eva Longoria, die bei Wendy's Burger wendete, brauchte eine Pause vom Steuerzahlen», sagte sie. «Aber die Eva Longoria, die Filme dreht, braucht das nicht.» Damit spielte Longoria auf den Vorwurf an, Obamas Herausforderer Mitt Romney schütze vor allem die Interessen der Wohlhabenden.
Obama verspricht: «Unser Weg führt zu einem besseren Ort»
US-Präsident Barack Obama hat die Amerikaner auf die schicksalhafte Bedeutung der bevorstehenden Wahl hingewiesen und seine erneute Nominierung als Kandidat formell angenommen. Zugleich warnte er vor den Konsequenzen eines Sieges seines republikanischen Herausforderers. Mehr.
«Wir wissen, wie es geht»
Sie habe das Glück gehabt, Möglichkeiten zu haben, sagte Longoria. Obama könne dies verstehen, weil er es selbst erlebt habe. «Lasst uns für den amerikanischen Traum kämpfen», sagte die 37jährige. «Wir wissen, wie es geht. Wir müssen Präsident Obama
wiederwählen.»
«Ich stehe hier nicht nur als Schauspielerin, sondern als Afroamerikanerin, als Enkelin von Einwanderern», sagte schliesslich Hollywood-Star Kerry Washington. Sie sei «ein Mensch, der sich das College ohne Studentendarlehen nicht hätte leisten können, und eine von vielen Millionen Freiwilligen, die sich für Obamas Wiederwahl einsetzen», sagte die 35jährige.
Auch andere Prominente warben auf dem Parteitag für Obama, darunter die R&B-Sängerin Mary J. Blige und Latino-Sänger Marc Anthony, der die Nationalhymne «Star-Spangled Banner» interpretierte.

US-Präsidentschaftswahlen auf einen Blick
Interaktive Grafik mit den Resultaten der Vorwahlen der republikanischen Partei und den Ergebnissen der Präsidentschaftswahlen von 1992 bis 2008.
Spott über Eastwoods Stuhl-Auftritt
Der Country-Musiker James Taylor liess es sich nicht nehmen, über Clint Eastwood herzuziehen, der beim republikanischen Nominierungsparteitag vergangene Woche in Tampa für Obamas Herausforderer Mitt Romney geworben hatte.
Taylor machte sich über das bizarre Zwiegespräch lustig, das der Hollywood-Star auf der Parteitagsbühne mit einem leeren Stuhl führte. «Ein leerer Stuhl, der macht etwas nervös, oder?», sagte Taylor, als er mit seiner Gitarre zu einem Hocker auf die Bühne kam. «Ich werde nicht mit ihm reden, ich werde darauf sitzen.»
Der 82jährige Eastwood hatte für seinen bizarren Auftritt mit einem leeren Stuhl Hohn und Spott geerntet. Er gehört zu den wenigen Stars, die sich öffentlich für Romney ausgesprochen haben.
(sda/krua;mery)



