Wirtschaft
Wo sind die Gewinner der Eurokrise?
Innerhalb der letzten fünf Jahre hat sich der Franken Euro-Kurs massiv verändert. Am 24. Oktober 2007 notierte das Allzeithoch bei 1,68 Franken, knapp vier Jahre später bei 1,03. Seit der Intervention der SNB ist der Kurs stabil bei 1,20 Franken. Für Grenzgänger resultiert daraus theoretisch ein «Lohnzuwachs» von rund 25 Prozent.
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«So einfach lässt sich dieser Wohlstandszuwachs in der Grenzregion nicht bemessen», sagt der Oberbürgermeister von Rheinfelden, Deutschland. «In der Schweiz wurden schon immer bessere Löhne gezahlt als in Deutschland.» Dennoch mache sich der starke Franken bei den Grenzgängern bemerkbar. So sei die Nachfrage für besseren Wohnraum und luxuriösere Autos gestiegen. «Von einem Schub kann aber nicht die Rede sein», so der OB der 32‘000 Einwohner zählenden Grenzstadt am Rhein.
Grenzgänger
Zahl der Grenzgänger in der ganzen Schweiz von 2007 bis 2011. In diesem Zeitraum ist auch die Gesamtzahl aller Erwerbstätigen von 4,349 Mio. auf 4,732 Mio. angewachsen. Quelle: BfS
| 2007 | 208'317 |
| 2008 | 216'365 |
| 2009 | 221'553 |
| 2010 | 232'112 |
| 2011 | 251'768 |
Allein in den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Grenzgänger, die in die Schweiz pendeln, von 194‘000 im Jahr 2006 auf 252‘000 gestiegen. Diese Nachfrage nach Arbeitskräften macht sich im grenznahen Ausland bemerkbar. Die Arbeitslosenzahlen liegen im Bezirk Lörrach mit 3,5 Prozent deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 6,8 Prozent.
Tiefe Arbeitslosenzahlen
Ein ähnliches Bild zeigt sich im Elsass. So liegt die Arbeitslosigkeit im Grenzort Saint Louis bei 6,8 Prozent, während Strasbourg eine Quote von 10 Prozent aufweist. Generell liegen Zahlen in den französischen Grenzregionen deutlich unter dem Landesschnitt von gegenwärtigen 10,2 Prozenten.
Sind also die ausländischen Arbeitnehmer mit Wohnsitz in der Eurozone die heimlichen Gewinner der Krise? Zwar hat die Zahl der Grenzgänger innerhalb der letzten fünf Jahre um knapp 30 Prozent zugenommen. Vor allem in der Wirtschaftszentren Genferseeregion, Tessin und Nordwestschweiz ist die Zahl deutlich angestiegen.
1 Jahr Euro-Franken-Kurs bei 1.20
Seit einem Jahr sorgt die Schweizer Nationalbank mit Devisenkäufen, dass der Franken-Euro-Kurs nicht unter 1.20 fällt. Manche Wirtschaftszweige wünschen sich weiterhin einen noch schwächeren Franken. Doch der «wahre» Euro-Wert sinkt kontinuierlich Richtung der künstlich gehaltenen Grenze von 1.20. mehr
Dennoch sind über 250‘000 Arbeitnehmer, die täglich in die Schweiz reisen, nicht unbedingt die strahlenden Sieger. Fast 60 Prozent von ihnen arbeitet in der Industrie. Kommt es zu Entlassungen sind sie oft die ersten Opfer. So beispielsweise in der Chemiestadt Basel. Nach den Restrukturierungsplänen bei Ciba-Nachfolger Huntsman und Novartis wurden im letzten Jahr gegen 1000 Stellen abgebaut. Betroffen vom Kahlschlag waren vor allem Grenzgänger.
Tieflöhne für Grenzgänger
Die Arbeitslosigkeit zeigt sich also eher im Elsass und in Südbaden als in der Region Basel. Das Basler Amt für Wirtschaft und Arbeit präzisiert aber: Es würden nicht gezielt Grenzgänger entlassen. Unter dem Strukturwandel habe vor allem die Produktion gelitten, eine Sparte mit einem traditionell hohen Anteil an Grenzgängern. Lange nicht alle hätten darauf wieder einen Job in der Sparte Life Sciences oder in der Pharmaforschung gefunden.
Auch Jean-Luc Johaneck, Präsident des Grenzgängerverbandes, relativierte schon vor Jahresfrist. In einem Interview mit der «Basler Zeitung» sagte der Chef des 19‘000 Mitglieder umfassenden Verbandes, dass die Frontaliers häufig zu Tiefstlöhnen arbeiten. Für diese Jobs würden sich kaum Schweizer bewerben, dennoch sei die Bezahlung für Leute aus dem Elsass attraktiv.
(sf/blur)



