Vermischtes
Vierfachmord bei Annecy – Polizei tappt im Dunkeln
Eine mysteriöse Bluttat stellt die französische Polizei vor ein Rätsel. Beamte haben bei Annecy, nahe der Schweizer Grenze, vier Leichen entdeckt. Zwei kleine Mädchen haben überlebt. Noch tappen die Ermittlungsbehörden völlig im Dunkeln.
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«Wir wissen nicht, warum die Menschen sterben mussten», Staatsanwalt Eric Maillaud an einer Medienkonferenz in Annecy. Weder Tathergang noch Motiv seien eindeutig geklärt.
Nach ersten Ermittlungen handelt es sich bei drei der Toten um Mitglieder einer Familie, die in Grossbritannien lebte. Bei der älteren Frau wurde ein schwedischer Pass gefunden. Die Ermittler fanden zudem einen irakischen Pass, welcher der jüngeren Frau gehören könnte. Das vierte Opfer ist ein französischer Familienvater.
Bestätigen konnte Maillaud, dass der Halter des Autos, in dem drei der vier Leichen gefunden wurden, der 50jährige Saad al-Hilli sei. Der gebürtige Iraker wohne seit mindestens zehn Jahren am Stadtrand von London. Allerdings könnte man nicht sagen, ob es sich bei dem Fahrer tatsächlich um den Fahrzeughalter und den Vater der Mädchen handelte.
Extrem brutale Tat
Die Opfer hatten sich die Gegend um den See bei der Stadt Annecy, eines der wichtigsten Touristenziele in Frankreich, als Ferienort gewählt. Auf einem Campingplatz am See übernachteten sie laut Zeugen in einem weissen Wohnwagen. «Wir haben die Mädchen mit ihren Fahrrädern spielen sehen», berichtet eine niederländische Touristin. «Alle hier sind schockiert.»
Ein Radfahrer, ein früherer Angehöriger der britischen Royal Air Force, hatte kurz vor 16 Uhr am Mittwochnachmittag auf einem Waldparkplatz drei Tote in einem Auto entdeckt. Der Motor des BMW lief noch, der erschossene Fahrer am Steuer, zwei tote Frauen auf der Rückbank.
Neben dem Auto lagen ein schwerverletztes siebenjähriges Mädchen und ein ermordeter Radfahrer. Der französische Radfahrer sei wahrscheinlich «zur falschen Zeit am falschen Ort» gewesen. Nach Angaben des Staatsanwalts wurden alle vier Opfer durch Kopfschüsse getötet. Es sei mit mindestens einer Automatikpistole «sehr, sehr» oft geschossen worden. Er sprach von einem Verbrechen von «extremer Brutalität».
Vierjährige unverletzt
Erst später, gegen Mitternacht, entdeckte die Polizei ein weiteres Mädchen. Die Vierjährige lag unter den Beinen der jüngeren der ermordeten Frauen. Zusammengekauert hatte sie sich während Stunden nicht gerührt. «Niemand hat sie gesehen, weil sie sich seit vier Uhr nachmittags nicht bewegt hat, zweifelsohne verängstigt, völlig versteckt, völlig reglos zwischen den Toten.»
Die beiden Mädchen stehen nach Angaben des Staatsanwalts unter Polizeischutz. Das verletzte Mädchen musste mit einer schweren Kopfverletzung in ein künstliches Koma versetzt werden und soll erneut operiert werden. Das jüngere Mädchen begann bereits zu sprechen. «Die Kleine sprach Englisch. Sie hat Lärm gehört, Schreie, aber mehr konnte sie nicht sagen.» Sie soll «in den kommenden Stunden» erneut befragt werden.
(agenturen/blur/buev)







