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Schweiz

Chemiemüll im Basler Hafen ist giftiger als bisher bekannt

Georg Häsler Sansano
Donnerstag, 6. September 2012, 17:42 Uhr, Aktualisiert 21:19 Uhr

Der Chemiemüll aus der ehemaligen Deponie «Pont Rouge» in Monthey (VS), der im Basler Hafen offen umgeschlagen wird, ist nicht bloss schwach belasteter Abfall. Das zeigen zwei unabhängig voneinander gemachte Laboranalysen, wie «Schweiz aktuell» berichtet.

An diesem Ort wurde der giftige Abfall gelagert. («Schweiz aktuell», 6.9.2012)

Vor gut zwei Wochen haben Aktivisten der Umweltorganisation Pingwin Planet Proben des Chemiemülls im Basler Rheinhafen genommen und vom Umweltexperten Jean-Louis Walther analysieren lassen.

«Schweiz aktuell» liegen nun die Resultate vor. Walther hat Substanzen gefunden, die krebserregend sind, andere stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Eine dritte ist hormonaktiv.

Bild Rheinhafen in Basel.
Nach dem Bekanntwerden der Resultate wurde einen Transportstopp für die vermeintlich giftigen Stoffe aus dem Wallis verhängt. sf

Da es sich um flüchtige Stoffe handelt, gelangen sie laut Walther in die Umwelt:  «Man kann sie einatmen und sie können auch über die Haut aufgenommen werden und einen so schädigen. Ich finde unglaublich, dass man solches Material so offen lagert, ich begreife das nicht.» Und zur Aussage der für die Sanierung zuständigen Firma Cimo, dass es sich bloss um leicht belastetes Material handle, meint Walther: «Das stimmt nicht.»

Nun handeln Behörden

Nachdem «Schweiz aktuell» vor zwei Wochen über die Existenz des Chemiemülls im Basler Rheinhafen berichtet hatte, änderte das für die Überwachung zuständige Amt für Umwelt und Energie (AUE) BS seine Überwachungspraxis. Gab man sich vorher bei zwölf Kontrollen mit einem Augenschein des Materials zufrieden und stellte keine Verstösse gegen die Auflagen fest, liess das AUE nun ebenfalls eine Laboranalyse machen. 

Die ersten Auswertungen liegen nun vor. Amtsleiter Jürg Hofer sieht Handlungsbedarf: «Das analysierte Material entspricht nicht dem, was man uns angegeben hat und wir auch bewilligt haben, und deshalb müssen wir nun auch reagieren.»

Bis die definitiven Resultate der Analyse vorliegen hat das Amt nun einen Transportstopp verfügt. Voraussichtlich nächste Woche will Jürg Hofer dann entscheiden, ob der Chemiemüll aus dem Wallis auch weiter über den Basler Rheinhafen umgeschlagen werden darf. Es zeichnet sich ab, dass die Abfälle wohl nur noch in geschlossenen Behältnissen im Hafen gelagert und umgeschlagen werden dürfen. Die letzten Abfälle wurden vergangene Woche abgeführt, zurzeit lagert kein giftiges Material mehr im Hafen.

Verantwortliche Firma sieht keinen Handlungsbedarf

Verantwortlich für die gesetzeskonforme Sanierung der Deponie in Monthey ist die Firma Cimo. Sie gehört den beiden Branchenriesen BASF und Syngenta, welche die Sanierungskosten von über 100 Millionen Franken berappen müssen. Projektleiter Sébastien Meylan hält trotz der beiden Laboranalysen an der Aussage fest, dass es sich bloss um schwach belastetes Material handle: «Unsere Analysen haben gezeigt, dass dies am schwächsten belasteten Abfälle in der Deponie sind.»

Meylan sieht denn auch keinen Grund, an der gängigen Transportpraxis etwas zu ändern und betont, Cimo würde mit den Behörden kooperieren.