Schweiz
«Nothilfe für alle» wirkungslos
Der Nationalrat sieht für Asylsuchende nur noch Nothilfe vor. Bürgerliche Parteien wollen damit das Asylland Schweiz weniger attraktiv machen. Kaum einer der Asylsuchenden in der Schweiz wird dies allerdings abschrecken. Denn die grosse Mehrheit kommt aus Italien und dort leben die Flüchtlinge im Elend.
Im Nothilfezentrum Hammermühle in Kempthal (ZH) sind Asylsuchende untergebracht, deren Gesuch abgewiesen wurde und die aus der Schweiz ausreisen müssten. Viele beziehen jedoch schon jahrelang Nothilfe und sind nicht bereit, freiwillig auszureisen.
Gemäss dem Dublin-Abkommen müssten sie in das Land zurückgeschafft werden, in dem sie zuerst registriert wurden. Das ist bei der grossen Mehrheit Italien. Doch dahin will kaum einer zurück. «Italien, nein, da geh ich nicht mehr hin. Da lebt man auf der Strasse», sagt ein Nigerianer, der die Schweiz verlassen müsste.
200 Menschen und eine Toilette ohne Wasser
Viele der Asylsuchenden in der Schweiz sind vor den Zuständen in Italien geflüchtet. Was das heisst, zeigt ein Rundgang in einem besetzten Wohnblock im Süden Roms. Dort leben 800 Afrikaner auf engstem Raum, die meisten aus Eritrea. Sie hausen dort ohne jede staatliche Unterstützung unter erbärmlichen Bedingungen, wie eine Reportage der «Rundschau» zeigt.
200 Menschen müssen sich hier eine Toilette teilen, oft fehlt fliessendes Wasser. «Da braucht nur einer einen Magen-Darm-Virus zu haben und alle stecken sich an», sagt Donatella D’Angelo. Sie ist Ärztin und freiwillige Helferin. Der italienische Staat ist zwar grosszügig mit der Anerkennung der Flüchtlinge, doch dann sind sie weitgehend sich selbst überlassen.
Überforderte italienische Behörde
Die italienischen Behörden sind mit den vielen Flüchtlingen überfordert. Im vergangenen Jahr haben 60‘000 Menschen Italien um Asyl ersucht, die Dunkelziffer der illegalen Einwanderer liegt höher. Der Polizeichef von Rom, Luigi de Angelis, gibt offen zu, dass die italienischen Behörden dem nicht gewachsen sind. «Unsere Küsten sind nur schwer zu kontrollieren. Da hat es die Schweiz mit ihren Alpenpässen einfacher».
Am Abend ist die «Rundschau» mit der italienischen Polizei auf Streife. Polizisten verhaften am Hauptbahnhof Termini, ein Mann ohne Dokumente, der sagt er komme aus dem Bhutan. Sie werden ihn wenig später wieder freilassen müssen – um ihn bald wieder zu verhaften – ohne Dokumente.
Alltägliche Routine auf beiden Seiten. Derweil träumt der Mann vom Leben in der Schweiz: «Ah, die Schweiz. Dort bekommt man ein Bett, eine Unterkunft und zu essen. In Italien gibt es gar nichts. Das ist doch nicht mehr Europa.»
Überfülltes Empfangszentrum in Chiasso
Pro Monat schafft das Bundesamt für Migration rund 280 Asylsuchende zurück nach Italien. Doch das scheint die Situation in der Schweiz nicht zu entlasten. Das Empfangszentrum in Chiasso ist chronisch überfüllt mit Asylsuchenden, die vor dem Elend in Italien flüchten und sich von der «Nothilfe für alle» in der Schweiz nicht abschrecken lassen.






