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International

Schütze an Separatistenfeier in Québec schrie «Die Engländer wachen auf»

Mittwoch, 5. September 2012, 10:12 Uhr

Die separatistische Partei «Parti Québécois» hat im kanadischen Québec die Wahlen gewonnen. Bei der Siegesrede von Wahlsiegerin Pauline Marois in Montréal kam es zu einer Schiesserei – ein Mensch wurde dabei getötet.

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Wahlsiegerin Pauline Marois wird von Bodyguards in Sicherheit gebracht.

Ein weiterer Mensch wurde schwer verletzt, Marois blieb unverletzt. Der Schütze konnte kurz nach dem Vorfall in einem Konzertsaal von der Polizei festgenommen werden. Mehrere Waffen wurden beschlagnahmt. Der Mann versuchte ausserdem auch, den Saal in Brand zu setzen, wie die Polizei mitteilte.

Laut Kameraaufzeichnungen rief der rund 50-jährige Mann auf Französisch mit englischem Akzent bei seiner Festnahme: «Die Engländer wachen auf.» Offenbar stand das Attentat in Verbindung mit Ängsten der englischsprachigen Minderheit der Provinz, dass sich diese von Kanada lossagen könnte.

Minderheitsregierung wahrscheinlich

Die linksgerichtete PQ setzt sich für eine Unabhängigkeit der Provinz ein. Marois hatte kurz vor Beginn der Schiesserei in ihrer Rede betont, dass die Zukunft Québecs die eines «souveränen Landes» sei. Sie rief ausserdem alle Seiten zur Zusammenarbeit auf.

Die Politikerin, die als erste Frau die vorwiegend französischsprachige Provinz regieren dürfte, blieb beim Attentat unverletzt. Ihre Leibwächter holten sie rasch vom Podium herunter. Später kehrte die 63-Jährige auf das Podium zurück, um ihre Anhänger zu beruhigen und ihre Rede fortzusetzen.

Bei der Parlamentswahl zeichnete sich gemäss Hochrechnungen ein Wahlsieg der PQ ab, die knapp vor den Liberalen von Amtsinhaber Jean Charest landen dürfte. Nach neun Jahren kehren die Befürworter einer Unabhängigkeit der Provinz damit wieder an die Macht zurück, wenngleich möglicherweise als Minderheitsregierung.

Schwere Niederlage für Jean Charest 

Für Charest geriet die Wahl zu einer persönlichen Niederlage: In seinem Wahlkreis Sherbrooke unterlag der 54-Jährige seinem Herausforderer von der PQ, Serge Cardin, nach Auszählung fast aller Stimmzettel mit 34,7 Prozent zu 42,41 Prozent der Stimmen.

Charest kann zwar auf ein hohes Wirtschaftswachstum und eine vergleichsweise niedrige Arbeitslosenzahl verweisen, hat sich aber besonders bei Studierenden mit seinen Plänen zur Erhöhung der Studiengebühren unbeliebt gemacht.

Der kanadische Regierungschef Stephen Harper gratulierte Marois zu ihrem Wahlsieg, liess aber Kritik an den separatistischen Bestrebungen der Partei erkennen. «Wir glauben nicht, dass die Menschen in Québec die alten Verfassungsstreitereien wieder eröffnen wollen», erklärte er in Ottawa.

(sda/koua;schubeca)