Krise im Euro-Land
Euro-Krise: Luxemburgs Finanzminister sieht Talsohle erreicht
In seinem Dauereinsatz für eine Euro-Rettung spricht der luxemburgische Finanzminister Luc Frieden erstmals davon, dass in der Krise die Talsohle erreicht sei. Im Interview mit der «Rundschau» warnt er vor einer Panik, schliesslich sei der Euro «etwas Wunderbares».
Frieden sieht das Schlimmste überstanden: «Wir sind in der Talsohle, aber der Aufstieg wird schwierig.» Die Aufgabe sei eigentlich kaum zu bewältigen», sagt der luxemburgische Finanzminister in der «Rundschau».
Es hänge ein Damoklesschwert über Europa: «Es wird aber nicht fallen.» Es müsse weiterhin Geld für die Rettungsschirme geliehen werden, doch dies sei für die betroffenen Staaten an «strikte Bedingungen» zu knüpfen.
«Euro war nie auf dem Sterbebett»
Auf die Frage, ob die Währung je am Abgrund gestanden sei, sagt er: «Wirtschaftlich vielleicht, politisch nicht. Es gab Krisen, aber wir waren nie auf dem Sterbebett.»
Selbstkritik übt Frieden daran, dass die Währungszone zu schnell gewachsen sei: «Wir haben einige Schwierigkeiten unterschätzt.» Konkret nennt er die Produktivitätsunterschiede in Süd- und Nordeuropa. Überraschend offen erklärt er: «Die Aufgaben sind schwierig und ich hoffe, dass wir es schaffen – aber ich bin mir nicht sicher.»
Lob für Schweizer Abgeltungssteuer
Für die Abgeltungssteuer zwischen der Schweiz und einzelnen Staaten findet Frieden lobende Worte: «Das ist eine sehr clevere Lösung. Es könnte ein Modell für Europa sein.»
Positiv äussert er sich zum Vorgehen der Schweizerischen Nationalbank und der Euro-Untergrenze: «Ich bin beeindruckt von dem, was die Schweiz beschlossen hat. Für die Schweizer Wirtschaft war es eine sehr gute Lösung – sie wird aber auf die Dauer schwierig sein.» Schmunzelnd räumt Frieden ein, dass er in diesen bewegten Euro-Zeiten zwischendurch gerne Finanzminister in der Schweiz statt in Luxemburg wäre.
Trendwende in Europa
Nach vier Jahren Krise in Europa zeichnet sich erstmals eine Trendwende ab. Diese Ansicht vertreten namhafte Ökonomen in der Sendung «Rundschau». «In Portugal, Irland, Griechenland und Spanien verbessert sich die Lage. Es gibt makroökonomische Trends welche zeigen, dass der Tiefpunkt der Krise überwunden ist», sagt Thomas Straubhaar vom Hamburger Weltwirtschaftsinstitut. Ökonom Thomas Wellershoff in Zürich geht sogar noch weiter: «Was die Staatsverschuldung angeht, kann man eindeutig von einer Trendwende sprechen. Die explodierende Staatsverschuldung in der Eurozone ist gebrochen.»
Die drastischen Sparmassnahmen in den Krisenländern Europas scheinen also erstmals zu greifen. Noch keine Auswirkungen hat dies auf die Beschäftigungslage in den jeweiligen Ländern. Die offenbar erfolgreichen Sparmassnahmen seien aber der Boden für mehr Wachstum, so Ökonom Klaus Wellershoff.
Die Schweizer Wirtschaft steht der Trendwende noch eher skeptisch gegenüber. Obschon sich einzelne Hoffnungsschimmer in der Exportindustrie abzeichnen. Insbesondere in der Maschinenindustrie, der grössten Schweizer Exportbranche. Hans Hess, Präsident Swissmem: «Die Textilmaschinen-Branche scheint auf dem aufsteigenden Ast zu sein. In der Halbleiter-Branche hoffen wir auf Ende Jahr auf eine Verbesserung. Ich bin der Meinung, dass wir 2013 eine stabile – vielleicht sogar leicht positive Entwicklung haben werden.»



