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US-Wahlkampf 2012

Michelle Obama rührt mit Wahlkampfrede zu Tränen

Dienstag, 4. September 2012, 20:17 Uhr, Aktualisiert 05.09.2012, 20:33 Uhr

Mit einer emotionalen Rede hat Michelle Obama den Parteitag der US-Demokraten in Charlotte im US-Bundesstaat Carolina eröffnet. Sie hob dezent die Unterschiede zu Baracks Rivale Mitt Romney hervor, den vor allem spätere prominente Redner als Mann, ohne Bezug zur Mittelschicht brandmarkten.

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Michelle wirbt inbrünstig und emotional für eine 2. Amtszeit ihren Mannes (Englisch)

Für Barack Obama seien die Sorgen normaler Menschen «nicht politisch – sie sind persönlich», sagte die First Lady vor jubelnden Parteianhängern in Charlotte. Sie erwähnte Romney nicht namentlich, mit ihrer Rede schuf sie aber einen starken Kontrast zwischen ihm und Barack Obama.

Der Multimillionär Romney stammt aus einer privilegierten Familie, sein Vater war Manager bei einem Automobilunternehmen und Gouverneur von Michigan. «Barack und ich wuchsen in Familien auf, die nicht viel Geld und materiellen Besitz hatten», sagte sie.

Michelle: «Barack hat den amerikanischen Traum selber gelebt» (Englisch)

«Barack kennt den amerikanischen Traum, weil er ihn gelebt hat – und er will, dass alle in diesem Land die gleichen Chancen haben.» In Anspielung auf den Wahl-Slogan «Change» vor vier Jahren sagte sie: «Wandel ist schwierig und Wandel ist langsam, und er kommt niemals auf einen Schlag. Aber letztendlich werden wir ihn erreichen.»

«Wenn es darum geht, unsere Wirtschaft wieder aufzubauen, dann denkt Barack an Leute wie meinen Vater und seine Grossmutter», sagte sie und verwies auf die bescheidenen Verhältnisse, in denen beide aufwuchsen. Beide wissen, was wirtschaftlich strauchelnde Amerikaner durchmachten, sagte die 48Jährige. Sie bekräftigte den Kontrapunkt zum Leben des Multimillionärs Romney.

«Wir müssen noch einmal zusammenkommen und zusammenstehen für den Mann, dem wir vertrauen können, dass er dieses Land weiter nach vorn bringt», sagte Michelle Obama am Ende ihrer emotionalen Rede.

Die First Lady spricht am Parteitag der Demokraten. (Tagesschau, 5.9.12, 19:30 Uhr)

Michelle Obamas Ansprache war seit Tagen mit Spannung erwartet worden, nachdem in der vergangenen Woche Ann Romney bei dem Parteitag der Republikaner auf der emotionalen Ebene vorgelegt hatte. Der Auftritt der beliebten Präsidenten-Gattin zur besten TV-Sendezeit sollte Obama wichtige Sympathiepunkte für die Wahl am 6. November einbringen. Was ihr nach ersten Reaktionen auch gelungen ist.

Obamas Rede am Donnerstagabend

Der dreitägige Parteitag wurde mit fast 50 Reden eröffnet. Am Mittwochabend wollen die knapp 6000 Delegierten Obama offiziell als ihren Kandidaten aufstellen mit Joe Biden als sein Vize. Die Nominierungsrede wird der Ex-Präsident Bill Clinton halten. Obamas grosse Antrittsrede folgt am Donnerstag.

Bild Portrait von Barack Obama mit Zahnpasta-Lächeln
Barack Obama liegt in aktuellen Umfragen knapp vor seinem Herausforderer Romney. reuters

Sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney war am vergangenen Donnerstag offiziell zum Kandidaten gekürt worden.

Grosse Aufmerksamkeit erzielten am ersten Tag auch andere Redner. Der Bürgermeister der texanischen Stadt San Antonio, Julian Castro, trat direkt vor Michelle Obama auf und erhielt für seine harten verbalen Angriffe auf Romney viel Beifall in der prallgefüllten Basketball-Arena, die etwa 15'000 Zuschauer fasst.

Lob von Ex-Präsidenten Carter

Die USA hätten im November «die Wahl zwischen einem Land, in dem die Mittelschicht mehr zahlt, damit Millionäre weniger zahlen – oder einem Land, in dem jeder seinen fairen Teil zahlt, damit wir das Defizit reduzieren und die Jobs der Zukunft schaffen können», sagte Castro, die Zukunftshoffnung der Demokraten.

Der ehemalige Präsident Jimmy Carter stellte Obama per Videozuschaltung ein blendendes Zeugnis in der Aussenpolitik aus.

«Präsident Obama hat das Ansehen der USA in der Weltgemeinschaft wiederhergestellt», sagte der 87jährige. Durch Dialog und Zusammenarbeit habe er den Geist von Vertrauen und guten Willen zurück in internationale Beziehungen gebracht, meinte der Friedensnobelpreisträger.

Ehrgeizig und eloquent: Michelle Obama

Das Portrait zur Präsidentengattin lesen Sie hier.

Bild Michelle Obama
Ob Michelle Obama die Umfragewerte ihres Mannes verbessern kann? keystone

Von Abtreibungen und Homosexuellen

Auf dem Parteitag unterstützten die Demokraten auch Obamas Vorhaben, die Steuern für Grossverdiener zu erhöhen. Bürger mit einem Einkommen von mehr als 250'000 Dollar sollen künftig kräftiger zur Kasse gebeten werden, heisst es dem verabschiedeten Parteiprogramm.

Für die restlichen 98 Prozent der Bevölkerung sollen die Steuern gleich bleiben, heisst es in dem unter grossem Jubel der Delegierten verabschiedeten Parteiprogramm.

Das Parteipapier der Demokraten befürwortet im Gegensatz zu der republikanischen Version auch die gesetzliche Gleichbehandlung  homosexueller Paare. Weder der Bund noch einzelne Bundesstaaten sollten dieses Recht zu Nichte machen dürfen. Kirchen und andere Religionsgruppen sollen aber frei entscheiden dürfen, wie sie mit der Ehe als religiöses Sakrament umgehen.

Arthur Honegger berichtet aus Charlotte

SF-Korrespondent Arthur Honegger zeigt seine Sicht der Demokratischen Convention in Charlotte. Die Eindrücke und Bilder finden Sie in seinem Blog.

Einschätzungen von SF-Korrespondent Arthur Honegger. (Tagesschau, 5.9.12, 19:30 Uhr)

Das Demokraten-Programm bekräftige auch das Recht der Frauen, selbst über eine Abtreibung zu entscheiden. «Es gibt keinen Raum für Politiker oder die Regierung, sich einzumischen», heisst es in dem Papier. Das Republikaner-Programm lehnt Abtreibung kategorisch ab, auch wenn das Leben der Mutter auf dem Spiel steht oder nach Vergewaltigungen oder Inzest.

Vorwurf Auslaufmodell

Obama hatte im Vorfeld von Charlotte den Republikanern vorgeworfen, bei ihrem Parteitag in der vergangenen Woche in Florida eine «Agenda aus dem vergangenen Jahrhundert» präsentiert zu haben.

«Es war eine Wiederholung. Man hätte ihn (den Parteitag) ebenso gut im Schwarz-Weiss-Fernsehen schauen können», sagte Obama am Montag bei einem Wahlkampfauftritt in Toledo im US-Staat Ohio.

Kein Popularitätsschub für Romney

Der jüngste Parteitag der US-Republikaner hat dem Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney nicht den erhofften Popularitätsschub gegeben. Umfragen zufolge liefern sich Herausforderer Romney und Amtsinhaber Barack Obama nach wie vor ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Einer am Dienstag veröffentlichten Gallup-Umfrage zufolge kommt Romney auf 46 Prozent Zustimmung, Obama auf 47 Prozent. Noch eine Woche zuvor habe Romney einen hauchdünnen Vorsprung gehabt.Bei einer Umfrage des TV-Senders CNN vom Dienstag lagen beide mit 48 Prozent gleichauf.

Üblicherweise gehen Präsidentschaftskandidaten mit einem erheblichen Popularitätsschub aus einem Parteitag hervor.

Romneys Republikaner treten unter anderem für Steuersenkungen ein, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Romney wird vorgeworfen, keinen aussenpolitischen Plan zu haben.

Karte der US-Bundesstaaten in den Parteifarben der Gewinner 2008: Blau für Obama (Demokraten) und Rot für McCain (Republikaner).

US-Präsidentschaftswahlen auf einen Blick

Interaktive Grafik mit den Resultaten der Vorwahlen der republikanischen Partei und den Ergebnissen der Präsidentschaftswahlen von 1992 bis 2008.

(agenturen/weis;koua)