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Kurden-Träume wachsen im Schatten des Syrien-Konflikts
Im Südosten der Türkei häufen sich die Anschläge der Kurden. Heute vermeldeten Agenturen 30 Tote, PKK-Kämpfer hatten eine Polizeistation und eine Kaserne angegriffen. Die Kurden erstarken durch den Krieg in Syrien – und melden alte Träume an.
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In der Türkei machen Kurden-Rebellen mit Gewalt auf sich aufmerksam. Zurzeit liefern sich die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und türkischen Sicherheitskräfte gehäuft verbitterte Kämpfe. Ankara macht das Regime in Damaskus für das Aufflammen der Gewalt in der Südtürkei verantwortlich.
Syrien verschaffe den Kurden im Norden ein Rückzugsgebiet und habe den Rebellen die Macht in einigen Gegenden in Nordsyrien übertragen. Dabei seien schwere Waffen ausgehändigt worden. Zudem soll Syrien 1200 inhaftierte PKK-Mitglieder aus den Gefängnissen entlassen haben, so Ankara. Den Grund dafür ortet Ankara in einem Vergeltungsakt des Assad-Regimes – weil Ankara die syrische Opposition unterstütze.
PKK im Aufwind
Sicher ist: Die PKK versucht, das Chaos in Syrien für ihre Zwecke zu nutzen. Der neue Raum in Syrien ist für die Kurden eine Basis von der sie operieren und in die Türkei eindringen können. Zugleich hoffen die syrischen Kurden auf den Sturz des Assads-Regimes, um eine weitere autonome Region im Norden des Landes zu errichten – ähnlich wie in Nordirak.
Genau davor fürchtet sich die Türkei. Denn eine solche autonome Region hätte gravierende Auswirkungen auf die Kurden in der Türkei. Nach den Erfolgen in Irak und Syrien würden wohl auch die türkischen Kurden verstärkt eine autonome Region im Südosten der Türkei fordern.
Erdoğan fürchtet eine Abspaltung
Der türkische Ministerpräsidenten Tayyip Erdoğan hatte zwar lange eine eher kurdenfreundliche Politik betrieben. Allerdings schwenkte er in den letzten Jahren mehr und mehr auf eine nationalistische Linie ein. Kulturelle und politische Eigenständigkeiten von Minderheiten tolerierte er nicht mehr. Verfolgungen und willkürliche Urteile der Gerichte liess er zu.
Erdoğan will den Kurden in seinem Land nicht mehr Rechte einräumen. Erst recht will er mit ihnen nicht über einen allfälligen Teilstaat reden. Zu gross ist die Angst vor einer Zersplitterung des Staates.
Zu den Bestrebungen der PKK
Die PKK kämpft seit fast drei Jahrzehnten für einen eigenen Kurden-Staat. Kurdische Organisationen beklagen eine systematische Diskriminierung ihrer Volksgruppe durch den türkischen Staat.
Bei den Auseinandersetzungen kamen bislang mehr als 40'000 Menschen um. Allein seit Juni vergangenen Jahres waren es nach Einschätzungen der Denkfabrik Crisis Group 800 Todesopfer, darunter 85 Zivilisten.
Die PKK wird von der Türkei, der Europäischen Union und den USA als terroristische Organisation eingestuft.
Neue Freundschaft mit Kurdistan
Paradoxerweise sind für die Türkei die Kurden in der autonomen Region im Irak derzeit in den Wirren der Region eher ein Ordnungs-, denn ein Störfaktor. Die Beziehungen zwischen den irakischen Kurden und Ankara sind so gut wie noch nie. Aus den ehemaligen Feinden sind inzwischen Freunde geworden.
Der Handel zwischen der Türkei und dem Irak blüht – für 11 Milliarden Dollar kaufte man gegenseitig Waren. Die meisten Geschäfte wickelte die Türkei mit Kurdistan ab. Denn die Kurden sind geschäftstüchtig, sie agieren frei von gewaltsamen Konflikten und profitieren von den Erlösen des Erdöls.
Türkei: Handel ja, Unabhängigkeit nein
Die Türkei honoriert die Wirtschaftstüchtigkeit der irakischen Kurden, würde gleichzeitig aber nie eine Abspaltung des autonomen kurdischen irakischen Teilstaates vom übrigen Irak befürworten. Den Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden in der Region will Erdogan nach wie vor entschlossen entgegen treten.
Jüngst deutete er an, dass die Türkei mit Luftangriffen auf Stellungen der Kurden-Rebellen in Syrien reagieren könnte. Eine neue Front wäre damit eröffnet.
(sf/galc; muei)






