Schweiz
Rettung der AHV mit Rentenalter 70
Eine Studie im Auftrag des Bundes kommt zum Schluss: Rentenalter 67 reicht nicht aus, um das Schweizer AHV-System zu retten. Ökonomen sagen deshalb, soll die AHV auch in Zukunft eine ausgeglichene Rechnung präsentieren, müsse man das Rentenalter auf 70 Jahre erhöhen.
Zwischen 2015 und 2018 kippt das Umlageergebnis der AHV ins Negative. Das heisst: Von da an muss das Sozialwerk mehr für Renten ausgeben, als es über Lohnbeiträge und die Mehrwertsteuer einnimmt. Dies berichtet die Zeitung «Der Sonntag».
Soll die AHV auch in Zukunft eine ausgeglichene Rechnung präsentieren, müsste das Rentenalter angehoben werden – und zwar auf 70 Jahre. Dies, wenn man auf Rentensenkungen und eine Erhöhung der Lohnbeiträge oder Mehrwertsteuer verzichtet.
Das sagen die Ökonomen der BAK Basel Economics AG, die im Auftrag des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) die Studie «Babyboom-Generation und AHV 2010–2060» erstellt haben. Eine Erhöhung des Rentenalters auf 70 Jahre müsste gemäss den Studien-Autoren nicht sofort erfolgen – und auch nicht auf einen Schlag.
Die erste Anpassung auf 66 Jahre wäre 2019 fällig. Weitere Erhöhungsschritte um je ein Jahr sind dann im Fünfjahresrhythmus – 2026, 2031 und 2036 – vorgesehen. Danach beruhigt sich die Situation – bis ins Jahr 2050, in dem der letzte Schritt auf 70 Jahre zu erfolgen hätte.
Idee stösst auf taube Ohren
Rentenalter 70, das ist sogar den Bürgerlichen und den Wirtschaftsverbänden zu viel, wie eine Umfrage zeigt. Bei den Parteien wagt sich vorläufig niemand, die Zahl in den Mund zu nehmen.
BDP-Präsident Martin Landolt zeigt sich noch am mutigsten und begrüsst offen eine «schrittweise Erhöhung des Rentenalters, vorerst in Richtung 67 Jahre». Für die FDP ist eine ebenfalls schrittweise Erhöhung «mittelfristig» unumgänglich, wie Parteichef Philipp Müller festhält.
Vorsichtig ist die SVP mit Präsident Toni Brunner: Sie beschränkt ihr AHV-Legislaturziel auf die Anpassung des Frauen-Rentenalters auf 65 Jahre. Für die Wirtschaftsverbände ist das Rentenalter das zentrale Element einer AHV-Reform. Arbeitgeber-Direktor Thomas Daum plädiert auf eine Anhebung auf 67 Jahre, aber in «homöopathischen Dosen».
(sf/gern; engf)



