US-Wahlkampf 2012
«Was zur Hölle ist das?»
Ein Gespräch zwischen Hollywood-Legende Clint Eastwood und einem imaginären Barack Obama sollte eigentlich einer der Höhepunkte des Parteitags der Republikaner in Florida werden. Der Auftritt des alternden Schauspielers aber hinterliess wohl mehr Fragezeichen.
Im gegnerischen Lager sorgte die Einlage des 82Jährigen in Tampa für Kopfschütteln. «Was zur Hölle ist das?», fragte Obamas Top-Berater David Axelrod über Twitter. Auf dem Online-Kurznachrichtendienst ergoss sich noch während des Auftritts Spott und Häme über den Schauspieler.
«Mein Held Clint kommt traurig und erbärmlich rüber», schrieb der Filmkritiker Roger Ebert. «Er musste sich das nicht antun. Es ist unwürdig.» CNN-Moderator Howard Kurtz sprach vom «schrägsten Parteitagsmoment, den ich je gesehen habe». Und selbst konservative Fernsehgrössen wie Joe Scarborough konnten Eastwoods Auftritt nichts abgewinnen: «Clint Eastwood hat gerade von einer grossartigen Nacht für Mitt Romney abgelenkt.»

US-Präsidentschaftswahlen auf einen Blick
Interaktive Grafik mit den Resultaten der Vorwahlen der republikanischen Partei und den Ergebnissen der Präsidentschaftswahlen von 1992 bis 2008.
«Ich rede jetzt»
Die teils boshaften Kommentare bezogen sich vor allem auf den Teil von Eastwoods Auftritt, in dem er ein Gespräch mit einem imaginären Barack Obama führte. Für diesen stand ein leerer Stuhl auf der Bühne, auf den Eastwood einredete. «Wenn jemand seinen Job nicht macht, dann müssen wir ihn gehen lassen», sagte er während des auf fünf Minuten angesetzten Auftritts, der letztlich aber 12 Minuten dauerte. «Ich halte jetzt nicht die Klappe. Ich rede jetzt.»
Bei den Anwesenden in der Eishalle von Tampa sorgten Eastwoods Äusserungen zwar für Beifall und Jubel. Einige seiner Bemerkungen aber gingen schlicht daneben. So sagte Eastwood, er habe es nie für eine gute Idee gehalten, dass Anwälte Präsident werden – offensichtlich, um damit gegen den Juristen Obama auszuteilen. Allerdings hat auch Romney einen Harvard-Abschluss in Rechtswissenschaften.
Obama selbst reagierte humorvoll auf den Auftritt. «Dieser Stuhl ist besetzt», twitterte der Präsident zu einem Foto, das ihn auf einem Stuhl im Weissen Haus zeigt.
Schwache Verteidigung aus Romneys Lager
Romneys Wahlkampfteam stellte sich eher halbherzig hinter Eastwood. Eastwood sei eine «amerikanische Ikone». Sein Auftritt dürfe nicht durch die «politische Linse» betrachtet werden. Seine «Improvisation» auf dem Parteitag sei eine Pause von den politischen Reden gewesen - «und den Zuschauern hat es gefallen.»
Eastwood ist einer der wenigen Hollywood-Stars, die sich offen als Anhänger der Republikaner zeigen. Obama kann auf mehr Unterstützung aus diesem Lager setzen – er hat Stars wie George Clooney, Whoopi Goldberg und Lady Gaga auf seiner Seite.
(agenturen/krua;koua)






