Schweiz
Bundesrat für offene Läden von 6 bis 20 Uhr
Der Bundesrat ist für eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten. Darum empfielt er den eidgenössischen Räten eine Motion von Filippo Lombardi (CVP/TI) anzunehmen. Demnach soll der Detailhandel seine Türen unter der Woche von 6 bis 20 Uhr offen haben können.
Lombardi verlangt in seiner Motion, dass schweizweit alle Detailhandelsbetriebe das Recht haben, ihre Produkte werktags zwischen 6 Uhr und 20 Uhr und samstags von 6 Uhr bis 19 Uhr zu verkaufen. Die Kantone könnten weitergehende Liberalisierungen beschliessen, nicht aber restriktivere Regeln.
Gesellschaftlichem Wandel entsprechen
Der Bundesrat ist damit einverstanden. In seiner Antwort auf die Motion schreibt er, ein Mindestanspruch für die Detailhändler würde ausgeglichenere Wettbewerbsbedingungen schaffen. Die heute geltenden unterschiedlichen kantonalen Regelungen würden den Wettbewerb verzerren.
Der Bundesrat verweist auch auf die veränderten Einkaufsgewohnheiten: Mit massvoll erweiterten Öffnungszeiten würde nicht zuletzt einem gesellschaftlichen Wandel entsprochen, argumentiert er. Den unterschiedlichen wirtschaftlichen, kulturellen und geografischen Verhältnissen könnte mit der vorgeschlagenen Regelung weiterhin genügend Rechnung getragen werden.
180-Grad-Wende gegenüber Mai-Entscheid
Lombardi gab in seiner Motion zu bedenken, die Schweiz habe heute im Vergleich zu den Nachbarländern die restriktivsten Öffnungszeiten. Diese glichen zudem einem Flickenteppich. Die zahlreichen Ausnahmeregelungen beispielsweise für Bahnhöfe, Flughäfen und Tankstellen verzerrten den Wettbewerb.
Der Bundesrat hatte sich bisher eher gegen eine nationale Liberalisierung gestellt. Noch im Mai schrieb er in seiner Antwort auf eine Motion von Christian Wasserfallen (FDP/BE), er halte es für sinnvoll, dass die Kantone für die Ladenöffnungszeiten zuständig seien. Das Arbeitsgesetz, für das der Bund zuständig ist, lasse längere Öffnungszeiten bereits heute zu.
Wasserfallen hatte mit seiner Motion ebenfalls einen Mindeststandard auf nationaler Ebene gefordert. Im Gegensatz zu Lombardi möchte er allerdings, dass die Detailhändler nicht nur das Recht auf längere Öffnungszeiten haben, sondern auch mindestens zwei Sonntagsverkäufe pro Jahr durchführen dürfen.
Auf kantonaler Ebene umstritten
Der Nationalrat hatte sich im Frühjahr für eine Liberalisierung der Öffnungszeiten bei den Tankstellenshops ausgesprochen. Dabei ging es um eine Lockerung des Schutzes vor Nachtarbeit: Die Tankstellenshops sollen rund um die Uhr das gesamte Sortiment verkaufen dürfen. Die Änderung ist umstritten. Stimmt auch der Ständerat zu, wollen die Gewerkschaften das Referendum ergreifen.
Umstritten sind Liberalisierungen auch auf kantonaler Ebene. In den Kantonen Zürich und Luzern hat sich das Stimmvolk vor kurzem gegen längere Ladenöffnungszeiten ausgesprochen. Im Kanton Zürich sagten über 70 Prozent der Stimmenden Nein zu einer Initiative der FDP für längere Öffnungszeiten. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund wertete dies als «starkes Zeichen gegen die schrankenlose Ladenöffnung».
(sda/fref; rufi)






