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Schweiz

Hunderte neue Arztpraxen seit Jahresbeginn

Mittwoch, 29. August 2012, 16:23 Uhr

Jahrelang war die Zahl der Arztpraxen in der Schweiz eingefroren. 2010 fiel der Zulassungsstopp zunächst für Hausärzte, Anfang 2012 dann auch für Spezialisten. Seither sind bereits fast 1300 neue Praxen bewilligt worden. Das sorgt nicht überall für Begeisterung.

Bild Behandlung beim Hausarzt: Seit Januar gibt es einen deutlichen Anstieg auf neue Praxibewilligungen.
Behandlung beim Hausarzt: Seit Januar gibt es einen deutlichen Anstieg auf neue Praxibewilligungen. keystone/symbolbild

Der Ansturm hält an: Nach Angaben des Krankenkassendachverbandes Santésuisse haben von Januar bis Ende Juli 1296 Ärzte eine neue Praxisbewilligung erhalten. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum des Vorjahres wurden 576 neue Zahlstellenregisternummern vergeben. Diese brauchen Ärzte, um bei den Krankenkassen abzurechnen.

Die Zahlen des Vorjahres taugen jedoch nur bedingt für den Vergleich, denn im vergangenen Jahr galt für Fachärzte noch der Zulassungsstopp. Er war nach gut acht Jahren im Sommer 2010 zunächst nur für Allgemeinmediziner gefallen. Seit Jahresbeginn 2012 gilt er auch für Spezialisten.

Welche Ärzte sich wo niederlassen

Nach Angaben von Santésuisse haben seit Januar fast 200 Psychiater und Psychotherapeuten eine Bewilligung erhalten. 177 Zulassungen wurden an Ärzte der allgemeinen inneren Medizin und 102 an praktische Ärztinnen und Ärzte vergeben. 55 neue Praxisbewilligungen gingen an Orthopäden.

Am meisten neue Praxen entstehen im Kanton Zürich: Dort wurden 266 neue Abrechnungsnummern erteilt. Dahinter folgen Genf mit 179, Bern mit 130 und Tessin mit 123 Bewilligungen.

Auf Rekordhöhe gewachsen ist die Zahl der Ärzte, die ein Diplom im Ausland erworben haben: Deren 552 haben zwischen Januar und Juli 2012 eine Nummer erhalten – 42,6 Prozent aller Ärzte. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres stellten sie noch knapp 38 Prozent, und 2005 waren es nur 20,5 Prozent.

Forderung nach erneutem Zulassungsstopp

Die jüngsten Zahlen schlagen bereits Wellen: Die Stimmen mehren sich, die den Zulassungsstopp wieder einführen wollen. Selbst Bundesrat Alain Berset zeigt Sympathien dafür. Er liess am vergangenen Sonntag in einem Fernsehinterview verlauten, er sei angesichts der Zunahme ausländischer Ärzte bereit, über einen erneuten Zulassungsstopp zu diskutieren.

Bei santésuisse stossen diese Worte auf offene Ohren. Laut Sprecherin Silvia Schütz wäre grundsätzlich die Aufhebung des Vertragszwangs «die richtige Lösung». Doch da dies politisch schwierig sei, stimme der Verband auch einem Zulassungsstopp zu.

 Hoffnung auf Managed Care geplatzt

Ziel des Zulassungsstopps war es, die Kosten im Gesundheitswesen in den Griff zu bekommen. Er war 2002 eingeführt und danach zweimal vom Parlament bestätigt worden. Auf eine erneute Verlängerung des Zulassungsstopps hatte das Parlament verzichtet, weil es sich von der Managed-Care-Vorlage eine Kostensenkung versprach. Doch die Revision des Krankenversicherungsgesetzes erlitt bei der Volksabstimmung im Juni Schiffbruch.

(sda/sf/krua; engf)