Schweiz
Deutlich mehr Ansteckungen mit Hepatitis C
Bisher ging man davon aus, dass die heimtückische Hepatitis C fast ausschliesslich übers Blut übertragen wird – Drogenkonsumenten, die sich eine Spritze teilten, galten etwa als gefährdet. Berner Forscher haben nun nachgewiesen, dass gewisse Risikogruppen die Krankheit auch anders weitergeben.
Die Forscher des Inselspitals Bern hätten bereits vor mehreren Jahren vermutet, dass ein Anstieg von Hepatitis-C-Neuinfektionen bei homosexuellen Männern mit HIV nur durch eine sexuelle Übertragung erklärt werden könne. Nun sei es gelungen, diese These in einer Langzeitstudie nachzuweisen, heisst es in einer Mitteilung des Spitals. Die «Swiss HIV Cohort Study» wurde 1988 auf Initiative des Bundesamts für Gesundheit lanciert und wird seit dem Jahr 2000 vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützt.
Stichwort: Hepatitis C
Hepatistis C ist eine schwierig zu behandelnde Infektionskrankheit, die weltweit zunimmt. Der Krankheitsverlauf ist sehr unterschiedlich. Häufig verläuft die Infektion ohne Symptome und wird deshalb gar nicht bemerkt. Bei anderen Betroffenen zeigen sich Wochen oder gar Monate nach der Infektion Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Manchmal treten auch Gelenkschmerzen, Fieber und ein Hautausschlag auf. Bis zu zehn Prozent der Infizierten erkranken an einer Gelbsucht. Bei manchen Erkrankten heilt eine akute Hepatitis C vollständig aus. Bei bis zu 80 Prozent entwickelt sich jedoch eine chronische Infektion mit dem Risiko, eine Leberzirrhose oder einen Leberkrebs zu entwickeln. Gegen Hepatitis C gibt es bislang keine Impfung, gegen Hepatitis A und B hingegen schon. (Quelle: BAG)
Bisher sei man davon ausgegangen, dass vor allem Drogenkonsumenten gefährdet seien, die ein Spritzbesteck teilten, heisst es in einer Mitteilung des Inselspitals. Für die Langzeitstudie wurden nun gezielt HIV-infizierte Männer untersucht – mit einer überraschend klaren Erkenntnis: Die Beobachtungen hätten einen besorgniserregenden 18fachen Anstieg von Hepatitis-C-Infektionen bei sexuell aktiven homosexuellen Männern mit HIV in den vergangenen sechs Jahren gezeigt, so die Wissenschaftler. Dies sei ein klarer Hinweis, dass Hepatitis C in bestimmten Fällen sexuell übertragbar ist.
Im Gegensatz dazu gingen Neuinfektionen bei Patienten, die Drogennadeln tauschten, zurück. Bei Patienten, die mit andersgeschlechtlichen Partnern Sex hatten, blieben sie konstant tief.
Testen lassen, Kondome benutzen
Hepatitis C ist deshalb so heimtückisch, weil sie in vielen Fällen zunächst ohne Symptome verläuft. Die Berner Wissenschaftler empfehlen deshalb, dass sich homosexuelle Männer mit HIV regelmässig auf Hepatitis C testen lassen. Durch den Gebrauch von Kondomen liesse sich die sexuelle Infektion vermutlich weitgehend verhindern, heisst es weiter.
(sf/krua)







