Schweiz
Angst vor Agrar-Reform
Der Schweizerische Bauernverband sorgt sich um die Zukunft ihrer Bauern. Der Umbau zu mehr Ökologie und Tierschutz würde viele Betriebe in ihrer Existenz gefährden. Der SBV zeigt dies an einem konkreten Beispiel.
Bild
In der Herbstsession berät der Nationalrat über die Agrarpolitik 2014-17. Der Schweizerische Bauernverband (SBV) sorgt sich, dass die geplanten Anreize zur Extensivierung die Produktion weiter verteuern und die internationale Konkurrenzfähigkeit schwächen.
Am Beispiel eines «realen und typischen» Schweizer Bauernbetriebs führte der SBV dies am Mittwoch vor. Der Hof von Hansjürg Stalder im bernischen Gümmenen ist 20 Hektaren gross mit 20 Milchkühen, 48 Mastschweinen und daneben noch etwas Ackerbau, vor allem Kartoffeln.
Als Abgeltung für die erbrachten Leistungen bekommt Stalder aktuell knapp 40'000 Franken Direktzahlungen. Werde die neue Reformrunde der Agrarpolitik wie vom Bundesrat vorgeschlagen genehmigt, dann schrumpfe dieser Beitrag auf 36'000 Franken. Davon seien aber fast 10'000 Franken sogenannte Übergangsbeiträge, die sukzessive abgebaut würden, führte der SBV aus.
Landwirtschaftsminister verteidigt die Reformpläne
Bundesrat Johann Schneider Ammann hat die Agrarpolitik 2014-17 als «ausgewogenes Konzept» verteidigt. Wir geben der «ökologischen Seite mehr Gewicht», sagte er gegenüber der «Rundschau».
Die vom Bundesrat vorgeschlagene Reform sei eine Korrektur, die zusätzlich die gemeinwirtschaftlichen Leistungen fördere.
Hansjürg Stalder könne die 36'000 Franken nur dann halten, wenn er zusätzliche Leistungen bei Ökologie oder Tierschutz erbringe und damit die Lebensmittelproduktion seines Betriebes zurückfahre. «Ist es nicht die Hauptaufgabe von uns Bauern, die einheimische Bevölkerung mit gesunden, umwelt- und tierfreundlich produzierten Lebensmitteln zu versorgen», fragt sich der SBV besorgt.
Die Stossrichtung der Agrarpolitik 2014-17 gehe in Richtung Ökologie, mehr Ressourcenschutz, mehr Tierschutz. Das bedeute eine extensivere Landwirtschaft und höhere Produktionskosten. Gemäss SBV-Vizepräsident Josef Dissler ist der Nettoselbstversorgungsgrad in den letzten drei Jahren um 4 Prozent gesunken und liegt aktuell noch bei 54 Prozent.
Lebensmittelproduzenten statt Landschaftsgärtner
«Unsere Hauptforderungen sind eine abgestufte Berücksichtigung des Tierbesatzes pro Fläche, die Förderung einer vielfältigen Landschaft im Rahmen der Kulturlandschaftsbeiträge, der Verzicht auf die Landschaftsqualitätsbeiträge und die Erhöhung des Rahmenkredits im Bereich der Strukturmassnahmen», sagte SBV-Direktor und Nationalrat (FDP/FR) Jacques Bourgeois.
Für den Bauernverband haben die vergangenen Agrarreformen zu verschiedenen Fehlentwicklungen auf dem Markt geführt, die nun korrigiert werden müssten. So sei es in der heutigen Situation wichtig, über verpflichtende Instrumente zu verfügen, die den Milchmarkt stabilisieren. Ebenso brauche es eine Anpassung des Importsystems von Fleisch an die Nachfrage der Branche.
Die Schweizer Bauern würden sich fragen, was die Schweiz von ihrer Landwirtschaft wolle: Lebensmittelproduzenten oder Landschaftsgärtner. Die Antwort auf diese Frage sei eindeutig: genügend einwandfreies Essen. Darauf sollte das Parlament auch die Agrarpolitik 2014-17 ausrichten.
(sda/blur)







