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Mitt Romney zum US-Präsidentschaftskandidaten nominiert
Die US-Republikaner haben den Multimillionär Mitt Romney offiziell zu ihrem Präsidentschaftskandidaten gekürt. Der ehemalige Gouverneur von Massachusetts tritt damit bei der Wahl am 6. November gegen Amtsinhaber Barack Obama an.
Eine grosse Mehrheit der rund 2000 Delegierten sprach sich am Dienstagabend bei dem Parteitag der Republikaner in Tampa in Florida für den 65Jährigen aus, der damit im zweiten Anlauf um die Kandidatur seinen bisher grössten politischen Erfolg erzielte. Vor vier Jahren noch war er Senator John McCain unterlegen, der letztlich gegen Obama verloren hatte.
Hinter Romney liegen 15 Monate parteiinterner Wahlkampf. Der Republikaner hatte Anfang Juni 2011 erklärt, dass er sich um das Präsidentenamt bewirbt. In monatelangen Vorwahlen setzte er sich gegen rund ein Dutzend parteiinterner Kontrahenten durch. Die meisten hatten im Verlauf des Rennens aufgegeben.
Arthur Honegger berichtet aus Tampa
SF-Korrespondent Arthur Honegger war beim Nominierungsparteitag der Republikaner in Tampa. Seine Eindrücke und Bilder finden Sie in seinem Blog.
Rede am Donnerstag
Als feststand, dass Romney die benötigte Delegiertenzahl von mindestens 1144 erreicht hatte, brach unter den Parteitagsbesuchern lauter Jubel aus. «Mitt, Mitt, Mitt», riefen sie, auf den vielen Bildschirmen in der Halle erschienen Fotos des frisch gekürten Kandidaten und seiner Familie.
Buhrufe von Anhängern von Ron Paul
Bei dem Parteitag konnte lediglich des ultraliberale Bewerber Ron Paul eine grössere Zahl an Delegiertenstimmen erlangen. Seine Anhänger reagierten vor der entscheidenden Abstimmung mit wütenden Buh-Rufen auf eine Änderung der Parteitagsstatuten, von denen sie sich schwer benachteiligt fühlen. Es kam zu turbulenten Szenen und offenen Protesten.
Obwohl seine Wahl fraglos erwartet worden war, stellte sie doch einen bedeutenden Moment in der US-Geschichte dar. Romney will seine Nominierung zum Abschluss des Parteitags am Donnerstag in einer grossen Rede akzeptieren. Jedoch wurde das minuziös geplante Parteitagsspektakel vom gleichzeitig an der benachbarten Golfküste wütenden Hurrikan «Isaac» überschattet.
Kritik an Obama
Romney, der Gründer und ehemalige Chef einer lukrativen Investmentfirma, will die Schlacht um das Weisse Haus mit dem streng konservativen Kongressabgeordneten Paul Ryan an seiner Seite gewinnen.
Der 42Jährige wurde am Dienstag ebenfalls offiziell als Kandidat für das Vizepräsidentenamt nominiert. Gemeinsam kritisieren beide Amtsinhaber Barack Obama massiv für dessen Wirtschaftspolitik, die sie angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und des moderaten Wachstums als gescheitert bezeichnen. Romney und Ryan würden Amerika aus der Krise holen und die Wirtschaft wieder in Schwung bringen, sagte der republikanische Parteichef Reince Priebus.
Angriffe auf Romney «verwerflich»
Gleichzeitig setzte Obama seine Wahlkampagne mit einem Auftritt im besonders umkämpften Bundesstaat Iowa fort, wo er vor rund 6000 Studenten sprach. Den Parteitag der politischen Gegner bezeichnete er dabei als «ziemlich unterhaltsame Show», bei der die Republikaner sicher «wundervolle Dinge über mich sagen». Die Republikaner kritisierten Obamas Wahlkampf-Angriffe auf Romney als «verwerflich».
Rund zehn Wochen vor den Präsidentenwahlen markieren die Parteitage den Beginn der heissen Wahlkampfphase. Obamas Demokraten halten ihr Treffen kommende Woche in Charlotte im Bundesstaat North Carolina ab.
Kopf-an-Kopf-Rennen
Nach Umfragen liefern sich Romney und Obama weiterhin ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die grossen Themen des Wahlkampfs sind die hohe Arbeitslosigkeit und die flaue Konjunktur in den USA. Romney, der vor allem auf seine Wirtschaftskompetenz setzt, will Steuern senken und für mehr Jobs sorgen. Dagegen will Obama die Steuern für Reiche erhöhen und wirft Romney vor, seine Politik sei gegen die kleinen Leute und die Mittelschicht gerichtet.
«Ihr könnt Mitt vertrauen»
Für Romney, der vor seiner Zeit als Gouverneur von Massachusetts in der Wirtschaft Millionen verdiente, kommt es in Tampa vor allem darauf an, sein Image zu verbessern. Parteitagsstrategen hatten daher eigens seine Ehefrau Ann auf die Redeliste gesetzt.
«Ihr könnt Mitt vertrauen», rief sie den Delegierten am Dienstagabend zu. Niemand werde sich mehr als Romney dafür einsetzen, Amerika aus der Krise zu führen. «Er ist der Mann, den Amerika braucht. Er wird nicht versagen.» Zugleich versuchte sie, den frisch gekürten Kandidaten als sympathischen und warmherzigen Menschen darzustellen. Romney wird oftmals als hölzern und kühl angesehen, der nicht gut mit Menschen zurechtkommt.

US-Präsidentschaftswahlen auf einen Blick
Interaktive Grafik mit den Resultaten der Vorwahlen der republikanischen Partei und den Ergebnissen der Präsidentschaftswahlen von 1992 bis 2008.
(agenturen/engf/weis;krua)






