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International

Syrischer General desertiert – Daraa unter Beschuss

Samstag, 25. August 2012, 15:33 Uhr, Aktualisiert 16:50 Uhr

Ein weiterer herber Schlag für das Assad-Regime: Ein Divisionskommandeur soll desertiert und sich nach Jordanien abgesetzt haben. Derweil dauern die Kämpfe an, besonders die Rebellenhochburg Daraa wurde unter heftiges Artilleriefeuer genommen.

Bild Männer mit Sturmgewehr und Raketenwerfer auf Strasse
Um jeden Meter wird erbittert gekämpft, wie hier in Aleppo. reuters

Wie jordanische Medien berichten, soll General Mohammed Mussa al-Chairat ins syrische Nachbarland Jordanien geflüchtet sein. Während dies eine weitere Schwächung für Präsident Baschar al-Assad bedeutet, wird die Flucht al-Chairat's unter den Rebellen mit gemischten Gefühlen aufgenommen.

Denn laut dem Koordinationskomitees der Syrischen Revolution soll al-Chairat für die brutale Niederschlagung der Protestbewegung in der Stadt Dschasim im Januar verantwortlich sein.

Keine Bestätigung gab es für einen Bericht des Nachrichtensenders Al-Arabija, wonach sich auch Vizepräsident Faruk al-Scharaa nach Jordanien abgesetzt haben soll. Ein Kommandeur der Freien Syrischen Armee (FSR) hatte erst kürzlich erklärt, Al-Scharaa habe sich von Präsident Baschar al-Assad losgesagt.

Artilleriefeuer auf Daraa

Die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Angehörigen der FSR nehmen derweil nicht ab. Die Rebellenhochburg Daraa wurde gemäss Augenzeugen von heftigem Raketen- und Artilleriefeuer getroffen. Auch in der Provinz Deir al-Sur sind bei Kämpfen mindestens 15 Menschen getötet worden.

Daraa unter Beschuss («Tagesschau am Mittag» vom 25.08.2012)

Landesweit zählten die Regimegegner am Samstag 38 Tote. Am Freitag sollen nach Informationen der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter mehr als 210 Menschen ums Leben gekommen sein, darunter 36 Angehörige der Regierungstruppen.

Verfolgung Intellektueller

Neben dem offiziellen Kampf gegen die Rebellen geraten auch vermehrt kritische Intellektuelle ins Visier des syrischen Regimes. So meldeten Aktivisten, dass der beliebte Fernsehschauspieler Mohammed Oso nach einer Razzia in seinem Haus in Damaskus zusammen mit weiteren Familienangehörigen verhaftet worden sei.

Zuvor war offenbar der unabhängige Filmemacher Arwa Najrabija am Flughafen von Damaskus in Gewahrsam genommen worden, als er nach Kairo fliegen wollte.

Syrischer Geheimdienst in Flüchtlingslagern aktiv?

Hundertausende sind vor dem Konflikt in Syrien geflohen und haben Schutz bei den Nachbarn gesucht. Doch der Arm des syrischen Regimes scheint auch über die Landesgrenzen zu reichen.

Im Flüchtlingslager Al-Saatari in Jordanien sollen kürzlich 21 mutmassliche Mitglieder eines Netzwerk des syrischen Geheimdienstes festgenommen worden sein. In einem anderen Lager im Libanon setzte ein Unbekannter elf Zelte in Brand, ob der Täter zum syrischen Geheimdienst gehört, ist allerdings nicht bekannt.

Viele der Flüchtlinge, die zum Grossteil mit dem Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad sympathisieren, sind überzeugt, dass der syrische Geheimdienst seine Agenten in den Lagern eingeschleust hat.

(dpa/muep; muei)