Schweiz
Im Basler Rheinhafen lagert Chemiemüll
Aushubmaterial aus einer ehemaligen Chemiemülldeponie in Monthey (VS) wird auf dem Transport in eine holländische Entsorgungsanlage im Rheinhafen von Basel umgeladen. Ein Altlastenexperte schlägt nun Alarm: Wegen unsachgemässer Behandlung droht das Material das Hafengebiet zu verunreinigen, wie «Schweiz aktuell» berichtet.
In Monthey im Kanton Wallis sanieren BASF und Syngenta seit diesem Jahr eine ehemalige Chemiemülldeponie. Das Material wird in einem luftdichten Zelt ausgehoben und anschliessend in ebenfalls luftdicht verschlossenen Containern nach Deutschland und Holland gebracht, um dort in Spezialanlagen vernichtet zu werden. Ein Teil des Materials wird jedoch in Basel ausgeladen, unverpackt aufgehäuft und im Hafen gut zugänglich zwischengelagert.
Die für die Sanierung zuständige Firma Cimo taxiert es als bloss «schwach belasteten Abfall». Sébastien Meylan, Projektleiter bei Cimo, sagt dazu: «Dieses Material hat kaum Schadenspotenzial für die Umwelt.» Es könne für kurze Zeit an der frischen Luft lagern.
Chemieabfälle zwischen Kaffee und Soja
Dabei liegt das Aushubmaterial nur wenige Meter neben einem Umschlagplatz für Kaffee, Soja und Getreide. Bruno Imhof, Geschäftsführer der Rhenus Port Logistics AG, die für den Umschlag des Chemieabfalls im Basler Hafen verantwortlich ist, sieht darin kein Problem: «Chemieabfälle und Lebensmittel kommen ganz bestimmt nicht miteinander in Kontakt, das kann ich Ihnen garantieren.»
Anders sieht das Martin Forter, Altlastenexperte und Umweltaktivist. «Wenn dies gesetzeskonform wäre, müsste man das Gesetz sofort ändern, denn Chemiemüll neben Lebensmittel umzuschlagen, kommt schlicht und einfach nicht in Frage.»
Recherchen bringen Bewegung in die Sache
Die Recherchen von «Schweiz aktuell» haben bereits etwas bewirkt. Mittlerweile wurde das Material mit Planen abgedeckt. Gestern fanden mehrere Krisensitzungen bei der Firma Rhenus statt. Mit dabei waren Vertreter der Transportfirma, die den Chemieabfall von Monthey nach Basel bringt, der Reederei, welche das Material nach Holland verschifft, und des Basler Amtes für Umwelt und Energie, das für die Überwachung in Basel zuständig ist, sowie weiterer Firmen, die in die Transportkette des Materials involviert sind.
Laut den Behörden ergaben die regelmässigen Kontrollen durch das Amt für Umwelt und Energie bisher keine Beanstandungen. Aufgrund der Hinweise von «Schweiz aktuell» will das Amt die Zwischenlagerung im Hafen aber noch einmal überprüfen.



