Schweiz
Mehr kalte Betten in Randgebieten möglich
Der Bundesrat kommt den Tourismusgebieten beim Zweitwohnungsbau entgegen. In der Verordnung sind viele Ausnahmen vorgesehen. In gewissen Gebieten könnten künftig sogar mehr kalte Betten entstehen.
Die Umnutzung von Erst- in Zweitwohnungen ist laut der Verordnung, die Bundesrätin Doris Leuthard am Mittwoch vorgestellt hat, weiterhin erlaubt. Wer also in einer Berggemeinde wohnt, kann seine Liegenschaft als Ferienwohnung verkaufen.
Der Direktor des Instituts für Tourismus an der Hochschule Sankt Gallen, Christian Laesser, findet es richtig, dass eine Umnutzung von Erstwohnungen in Zweitwohnungen gerade in Randgebieten möglich bleibt. Das Hauptproblem dieser Regionen sei die Abwanderung: Falls die Einheimischen ihre Erstwohnungen nicht mehr verkaufen könnten, könnten sie nicht mehr abwandern. Das hätte für die Randgebiete gravierende Auswirkungen gehabt, glaubt Laesser.
Nicht mehr Betten in Topgebieten
Es ist also von Region zu Region verschieden, ob es in Zukunft mehr oder wenige kalte Betten gibt. In Topgebieten werden diese kaum mehr zunehmen. Dort werde sich die Zahl wahrscheinlich stabilisieren, so Tourismusexperte Laesser. In den strukturschwachen Gebieten werde es kurz- und mittelfristig aber mehr kalte Betten geben. Dort würden die Leute abwandern und nicht mehr zurückkommen und ihre Wohnungen verkaufen.
Neue Zweitwohnungen dürfen laut Verordnung nur noch gebaut werden, wenn sie bewirtschaftet – also vermietet – werden. Dafür brauche es neue Geschäftsmodelle, auch in der Hotellerie, so Laesser. Weil ein potenzieller Käufer nüchterner analysiere, ob er in ein Grossprojekt investiere und dabei auf die Rendite achte, werde die Spekulation zurückgehen. Aber es werde auch weniger Kapital geben, das auf diese Weise in Immobilien im Alpenraum investiert werde, prognostiziert der Experte.
Druck auf bestehende Häuser
Die Umnutzung von Maiensässen und Rustici soll in Zukunft unter bestimmten Bedingungen ebenfalls erlaubt sein. Der Geschäftsführer der Stiftung Landschaftsschutz, Raimund Rodewald glaubt deshalb, dass es in den Bergen auch in Zukunft Spekulation geben wird – allerdings nicht mehr auf der grünen Wiese.
Rodewald ist überzeugt, der Druck auf die bestehende Bausubstanz ausserhalb der Bauzonen werde ansteigen. Er erwähnt in diesem Zusammenhang die Maiensässe, Rustici, Stallbauten und Alphütten. Auch die Ortsbilder könnten jetzt unter spekulativen Druck geraten.
Keine Bauten auf der grünen Wiese
Auch dafür müssten neue Lösungen gefunden werden. Doch grundsätzlich glaubt Rodewald, dass mit der Zweitwohnungsinitiative längerfristig der richtige Weg eingeschlagen worden sei. Es sei ein mutiger und richtiger Schritt zu sagen, dass man diese «aus Privatinteressen erstellten Zweitwohnungen auf der grünen Wiese» nicht mehr wolle und sich stattdessen klar zu einer besseren Nutzung des bestehenden Baubestandes bekenne. Das Problem in den Bergen sei ja nicht, dass es zu wenig Betten gebe, sondern zu wenig Gäste. (luek)







