US-Wahlkampf 2012
«Fettnapf» bringt Republikaner in Nöte
Statt Einigkeit im Wahlkampf gegen Präsident Obama zu zelebrieren, sind die Republikaner wenige Tage vor ihrem Parteitag wegen der Aussagen des konservativen Senatskandidaten Todd Akin in heller Aufregung. Der designierte Vize Paul Ryan ist wegen seiner Nähe zu Akin beunruhigt.
Todd Akin, Kongressabgeordneter und Kandidat für den Senat, hat mit seinen kruden Theorien über Vergewaltigung mehr als nur ein Kopfschütteln ausgelöst. Nicht nur bei den Demokraten, sondern zum Teil auch in seiner eigenen Partei.
Am liebsten wäre es der Parteispitze, Akin würde sich sofort aus dem Rennen um den Sentatssitz in seinem Bundesstaat Missouri zurückziehen. Doch diesen Gefallen tut ihnen Akin – vorerst – nicht. Und deshalb sehen sich die Granden der Republikaner gezwungen, statt über Romneys Wirtschaftsprogramm für die USA die umstrittene Abtreibungs-Frage zu diskutieren.
Romney und Ryan sind uneins
Dieses Thema zeigt exemplarisch die fundamentalen Schwierigkeiten der Partei, ultra-konservative Ideologien einer wachsenden Schar religiöser Fundamentalisten zu integrieren. Die Differenzen treten auch beim Präsidentschafts-Ticket zu Tage. Während Mitt Romney eine Abtreibung nach einer Vergewaltigung oder bei Inzest nicht ablehnt, kommt sie für den überzeugten Katholiken Paul Ryan auch dann nicht in Frage.
Seine Nähe zu Akins Position beunruhigt nun offenbar sogar Ryan selbst: In einem TV-Interview betonte der Vizepräsidentschafts-Kandidat jedenfalls, dass es Romney sein würde, der als Präsident die Politik bestimmen würde. Romney vertrat in der Abtreibungs-Frage noch eine wesentlich liberalere Haltung, als er in Massachusetts Gouverneur werden wollte.
Die Einstellung der Republikaner zur Abtreibung könnte Romney im Präsidentschafts-Rennen Stimmen kosten. Die neuesten Umfragen zeigen einen klaren Vorsprung für Barack Obama bei den Frauen. Diese wären besonders betroffen, wenn die Republikaner im Kongress das vom Obersten Gericht 1973 festgeschriebene Recht auf Abtreibung beenden würden.
Obama kommt Akins Beharren gelegen
Gemässigte Parteigänger Romneys, die sich vor allem von dessen Haltung in Wirtschaftsfragen angezogen fühlen, könnten ihm nun ihre Stimme verweigern.
Obamas Wahlkampfmanagern kommt der Streit der Republikaner gelegen. Der Präsident hat die Aussagen Akins bereits am Montag kurz und bündig mit «Vergewaltigung ist Vergewaltigung» kommentiert – sich aber gehütet, Akin zum Auscheiden aus dem Wahlkampf aufzufordern. «Der Präsident überlasst es den Wählern von Missouri, diesen Entscheid zu treffen», sagte seine Kampagnen-Sprecherin Jen Psaki und verwies darauf, dass Paul Ryan die Anti-Abtreibungs-Gesetzgebung im Kongress zusammen mit Akin unterstützt hatte: «Hier haben die Wähler eine echte Wahl. Es braucht nicht viel Mut, um sich Akins Argumenten zu verweigern.»
(sf/agenturen/meru)






