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International

Syrien: IKRK fordert Kampfpausen zur Versorgung

Donnerstag, 23. August 2012, 5:51 Uhr, Aktualisiert 13:18 Uhr

Das Rote Kreuz unterstützt Forderungen nach Kampfpausen zur Versorgung der notleidenden Bevölkerung in Syrien. Wegen der Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Aufständischen kann vielerorts keine Hilfe mehr geleistet werden.

Nach jüngsten Angaben von EU und Vereinten Nationen benötigen mindestens 2,5 Millionen Menschen in Syrien dringend Hilfe. Mindestens 1,2 Millionen sind Vertriebene im eigenen Land, Zehntausende sind in Nachbarländer geflohen. Es mangelt an Nahrung, Wasser, Unterkunft und Medikamenten.

Regimegegner zählten allein bis zum Mittag schon 55 Tote in Syrien, darunter zehn Männer, deren Leichen im Damaszener Stadtviertel Kafr Susa gefunden wurden. Die Männer seien nicht im Kampf gefallen, sondern in Gefangenschaft getötet worden, hiess es. Die Gefechte zwischen syrischer Armee und Revolutionsbrigaden konzentrierten sich auf die Grossstädte Damaskus und Aleppo.

Bild Menschen warten auf Ausgabe von Brot.
Warten auf die Ausgabe von Nahrungsmitteln: Alltag in Syrien. keystone

Nach Einschätzung von Amnesty International wird der Konflikt in Syrien zunehmend auf dem Rücken von Zivilisten ausgetragen. Insbesondere die Tatsache, dass die Regierungstruppen im Kampf gegen Rebellen in der Stadt Aleppo vermehrt Luftwaffe und Artillerie einsetzten, führe zu grossen Risiken für die Zivilbevölkerung.

Zu wenig Geld, zu wenig Mittel

Hicham Hassan vom Roten Kreuz in Genf sagte, seit nahezu vier Wochen seien die Teams nicht mehr in der Lage, bestimmte Gebiete zu erreichen, darunter in Aleppo und Homs. Der Syrische Rote Halbmond, dessen freiwillige Helfer vom IKRK ausgestattet werden, habe seine Operationen in vielen Teilen des Landes einstellen oder stark einschränken müssen. Dennoch versuchten Freiwillige immer wieder, Notleidende zu erreichen und zu versorgen.

«Humanitäre Hilfe muss die Menschen so schnell wie irgend möglich erreichen», sagte Hassan. Kampfpausen, wie sie die UNO und die EU fordern, seien dafür sehr wichtig. «Die Notwendigkeit humanitärer Hilfe ist heute grösser denn je.»

Hollande bekräftigt Unterstützung für syrische Opposition

Der französische Präsident Hollande hat die Notwendigkeit für einen politischen Übergang in Syrien bekräftigt. Ein solcher Prozess schliesse den Abgang von Präsident Baschar al-Assad ein, sagte Hollande in einem Telefongespräch mit dem britischen Premier David Cameron. Das teilte der Elysée-Palast in einem Communiqué mit. Die Übergangsphase müsse «so schnell wie möglich» umgesetzt werden. Gleichzeitig habe Hollande den Beitrag Frankreichs zu einer effektiven Unterstützung der syrischen Opposition betont, hiess es weiter.

Ähnlich tönt es auch seitens UNO: «Wir haben Probleme, zu notleidenden Menschen durchzukommen, vor allem in Kampfgebieten», sagte UNO-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos, die vor wenigen Tagen die Lage in Syrien sondiert hatte. Sie beklagte sich auch über fehlende Gelder für die verschiedenen Hilfsorganisationen. «Wenn wir mehr Mittel hätten, könnten wir mehr Menschen erreichen.»

Neben der mangelnden medizinischen Versorgung machte sich Amos auch Sorgen um die Kinder: «Für Tausende von Kindern wird es einen Ausfall des Unterrichts mit Beginn des neuen Schuljahres im September geben, falls bis dahin keine Lösung zur Unterbringung der Vertriebenen gefunden wird.»

EU-Kommissarin Kristalina Georgiewa schlug vor, die Konfliktparteien zu Kampfpausen zu bewegen. «Die Kämpfe für eine Stunde oder zwei Stunden anzuhalten, damit Verwundete versorgt werden können - das ist bedauerlicherweise noch nicht geschehen», sagte Georgiewa in Brüssel.

Reaktion auf Flüchtlingsstrom

Amos und Georgiewa reagierten auf einen wachsenden Strom von Flüchtlingen. Mindestens 2,5 Millionen Menschen in Syrien benötigten humanitäre Hilfe, mindestens 1,2 Millionen seien Vertriebene im eigenen Land, sagte Georgiewa.

Logo der Glückskette.

Glückskette sammelt für syrische Flüchtlinge

Die humanitäre Situation in Syrien verschärft sich weiter. Mehrere tausend Menschen flüchten täglich. Die  Glückskette ruft deshalb zu Spenden auf.

Spenden auf das Postkonto 10-15000-6 mit dem Vermerk «Syrien»

Am 13. November findet ein Nationaler Sammeltag für Syrien statt.

«Da Aleppo und Damaskus keine sicheren Gebiete mehr sind, gibt es nur noch ausserhalb des Landes Hoffnung auf Sicherheit», so die EU-Kommissarin. Dies bedeute, dass im Libanon, in Jordanien und auch in der Türkei immer grössere Probleme entstünden. «Hilfe innerhalb Syriens ist wichtig für jene, die im Konflikt gefangen sind, aber sie ist auch wichtig, um Auswirkungen auf die Nachbarländer zu reduzieren», sagte sie.

In New York wird am Freitag der neue Syrienvermittler der UNO und der Arabischen Liga, Lakhdar Brahimi, zu Gesprächen am Hauptsitz der Vereinten Nationen erwartet. Brahimi werde sich mit Generalsekretär Ban Ki Moon und anderen «hochrangigen Offiziellen» treffen, sagte ein UNO-Sprecher.

(sda/koua/muei ;krua)