Schweiz
Banken ködern gute Schüler immer früher
Vor allem Banken schliessen Lehrverträge immer öfter bereits in den ersten Tagen des letzten Schuljahres ab. Die künftigen Lehrlinge haben somit nur zwei Wochen Zeit, sich zu bewerben. Die Zürcher Bildungsdirektion warnt jetzt 10‘000 Lehrbetriebe.
Bis vor kurzem galt unter Firmen in der gesamten Deutschschweiz ein «Gentlemans Agreement», Lehrstellen nicht vor dem 1. November im Vorjahr zu vergeben. Eva Holzmann vom Laufbahnzentrum Zürich stellt jedoch fest, dass vor allem die Grossbanken UBS und CS «immer früher die besten Schüler an sich binden». Diese frühe Berufswahl überfordere viele 14Jährige.
Luzerner Regierungsrat: «Problem wird zunehmen»
Mitte August interveniert die Zürcher Erziehungsdirektion bei rund 10‘000 Lehrbetrieben. In einem Mahnschreiben warnt die Zürcher Erziehungsdirektion vor einer verfrühten Lehrstellenvergabe. «Wer zu früh Lehrverträge abschliesst, riskiert unüberlegte Entscheide der Schüler und Lehrabbrüche».
Der Luzerner Bildungsdirektor und Regierungsrat Reto Wyss warnt: «Aktuell gibt es weniger im neunten Schuljahr. Der Kampf um die jungen Fachkräfte wird sich noch verstärken – die Gefahr der frühen Lehrverträge weiter zunehmen.»
Lehrvertrag ein Jahr im Voraus
CS und UBS bestätigen gegenüber der «Rundschau», bereits ab 1. September Lehrverträge abzuschliessen – ein Jahr im Voraus. Die UBS mit schweizweit 800 KV-Lehrlingen betont, dass selbst im Dezember noch Lehrstellen offen sind. Man wolle die besten Schüler als künftige Lehrlinge, sagt Credit Suisse. Auch die CS schliesst zwei Wochen nach Schulstart Lehrverträge ab – Arbeitsbeginn ein Jahr später.
Dasselbe gilt für die Raiffeisenbanken. Sprecher Franz Würth sagt zur «Rundschau»: «Wir wollen die besten Schüler als künftige Lehrlinge. Das ist ein Markt wie jeder andere auch.» Raiffeisen bestätigt gar: «In Einzelfällen schliessen wir Lehrverträge bereits im 8. Schuljahr ab.»
Nationalrat Jositsch: «Sanktionen gegen Fehlbare»
Präsident von KV Schweiz, und SP-Nationalrat Daniel Jositsch wird im September ein Postulat im Nationalrat einreichen. Darin fordert Jositsch den Bundesrat auf Massnahmen gegen das Problem zu erarbeiten. Jositsch bestätigt der «Rundschau»: «Unternehmen halten sich nicht mehr an freiwillige Abmachungen, jetzt braucht es Sanktionen, damit man gegen Firmen, die die besten Schüler immer früher unter Vertrag nehmen, vorgehen kann.» Jositsch findet, notfalls brauche es eine Gesetzesverschärfung, um das Problem zu bekämpfen.






