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Schweiz

Ärzte-Pfusch in Wil: Gesundheitsdirektorin gesteht Fehler ein

Mittwoch, 22. August 2012, 17:57 Uhr

Eine Mutter stirbt bei der Totgeburt ihres Kindes aufgrund eines Ärztefehlers. Der Fall ereignete sich vor fünf Jahren im Spital Wil, erst letzte Woche kam er ans Licht. Nun reagiert die St. Galler Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann auf die Kritik an ihrer Person.

Bild Die St. Galler Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann bei einer Medienkonferenz. (keystone)
Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann würde heute manches anders machen. keystone

Bei dem tragischen Einzelfall im Jahr 2007 seien gravierende Fehler passiert, sagte Hanselmann an einer Medienkonferenz. Eine 34jährige Mutter war wegen einer Fehldiagnose der Chefärztin stundenlang falsch behandelt. Sie verstarb später nach der Totgeburt ihres achten Kindes. Das Kreisgericht Wil verurteilte die Chefärztin Mitte Juli rechtskräftig zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren.

Selten Anklagen bei Kunstfehlern

Die Beanstandungen medizinischer Massnahmen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Dennoch wird bei «Kunstfehlern» nur sehr selten Strafklage erhoben. Die Ursachen dafür sind sehr unterschiedlich.

Lesen Sie hier mehr dazu.

Der Kanton informierte am 14. August über den Fall. Unerwähnt blieb dabei, dass sich Ende August und Anfang September drei weitere Ärztinnen und Ärzte wegen des Todesfalls vor Gericht verantworten müssen. Auch ihnen wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Die beantragten Strafen sind aber deutlich milder.

Keine Öffentlichkeit gewollt

Verschiedene Medien warfen der Gesundheitsdirektorin vor, ihr Departement habe ungenügend und zu spät kommuniziert. Hanselmann räumte an der Medienkonferenz ein, sie würde heute rascher informieren. Die Gesundheitsdirektorin wirkte bei ihrem Auftritt weniger souverän als sonst.

Man habe bei der Information den Persönlichkeitsschutz und die Bedürfnisse der Betroffenen in den Vordergrund gestellt, sagte sie. Der hinterbliebene Ehemann habe überhaupt keine Öffentlichkeit des Falles gewollt.

Chefärztin arbeitet derzeit nicht

Spitalchef René Fiechter erklärte, das Spital habe unmittelbar nach dem Todesfall 2007 die Qualitätssicherung verbessert. Dazu gehörten regelmässige Fallbesprechungen, das Einholen von Zweitmeinungen und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Geburtshilfe und Anästhesie.
 
Der fehlbaren Chefärztin hat das Spital einen Coach und Begleiter zur Seite gestellt: Urs Haller emeritierter Professor und früherer Direktor der Universitätsfrauenklinik Zürich. Haller attestierte der Chefärztin an der Medienkonferenz eine hohe fachliche Kompetenz.
 
Der Spital-Verwaltungsrat stellte am 14. August in Aussicht, dass die Chefärztin in ihrer Funktion bleiben könne. Bis zum Entscheid am 31. August arbeitet die Chefärztin nicht.

(sda/mery; fref)