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International

Irans Atombombe: «Sind an der Schwelle, alle nötigen Technologien zu haben»

Christoph Nufer, «Rundschau»
Mittwoch, 22. August 2012, 13:08 Uhr

Der Vater des zivilen iranischen Atomprogrammes Akbar Etemad sagt im «Rundschau»-Porträt, der Iran habe nicht entschieden eine Bombe zu bauen. Doch der anhaltende Druck des Westens «drängt den Iran regelrecht dazu», Nuklearwaffen zu bauen, sagt der an der ETH Lausanne ausgebildete Nuklearwissenschaftler bei einem Besuch in Baden.

Im «Rundschau»-Porträt betont der heute 81jährige Akbar Etemad, keine Regierung entscheide über Nacht, eine Bombe zu bauen.  Dies sei eine politische Frage, die sich erst stelle, wenn die Sicherheit eines Landes in Gefahr sei. Laut Etemad – er war der erste Chef der Atomenergie-Behörde des Iran von 1974-1978 – gebe es heute «keinen Plan eine Bombe zu bauen.» 

Akbar Etemad im ausführlichen Gespräch mit der «Rundschau» (auf Englisch)

Ausführliches Gespräch

Lesen Sie hier die Übersetzung des rund 16-minütigen Gesprächs, das «Rundschau»-Redaktor Christoph Nufer mit Akbar Etemad geführt hat.

Dies könne sich aber wegen des anhaltenden Drucks des Westens auf den Iran ändern. «Wenn der Druck von den westlichen Ländern weiter anhält, dann drängen sie den Iran regelrecht dazu, Nuklearwaffen zu bauen. Weil er merkt: wir brauchen sie, um eine Macht zu sein im Nahen Osten.»

An der Schwelle zur Bombe 

Gegenüber der «Rundschau» bestätigt Etemad Informationen westlicher Geheimdienste, dass der Iran heute «an der Schwelle» dazu sei, alle «nötigen Technologien beieinander zu haben» für den Bau einer Bombe.

Iran und die Bombe (Rundschau, 22.08.2012)

Die Situation heute sei wie in Deutschland oder Japan, so Etemad. Diese Länder seien zwar fähig, eine Bombe zu bauen, bräuchten sie aber nicht, sagt der an der ETH Lausannen ausgebildete Ingenieur. «Wenn die Iraner keine (Bombe ) brauchen, machen sie keine, wenn sie eine bräuchten, würden sie eine bauen. Das ist ziemlich klar.» 

Bild Reaktorgebäude AKW Buschehr
Baustelle des iranischen AKW Buschehr im Jahr 1978. Das AKW ging nach 36jähriger Bauzeit im Herbst 2011 ans Netz. sf

Der Schah wollte keine Bombe

Bereits Anfang der 1970er Jahre diskutierte Akbar Etemad mit dem damaligen Monarchen, dem Schah von Persien, über die Option einer iranischen Atom-Bombe. Der Schah lehnte laut Etemad  damals ab, antwortete aber auf die Frage, ob Nuklearwaffen bei einer Aufrüstung in der Region zu einer Option werden können, mit «Warum nicht». Er wisse nicht, was in 20 Jahren passieren würde.

Vater des iranischen Atomprogramms

Der 1931 im iranischen Hamedan geborene Akbar Etemad studierte von 1950-55 an der ETH Lausanne Maschinen-Ingenieur. Danach arbeitete er jahrelang am Sitz der Brown Boveri Company BBC -der heutigen ABB-  in Baden. Seine Dissertation verfasste Etemad am Eidgenössischen Institut für Reaktorforschung EIR, dem heutigen Paul Scherrer Institut PSI in Würenlingen zum Thema Reaktor-Strahlenschutz.

Nach 15 Jahren Forschung und Arbeit in der Schweiz kehrte Etemad 1965 in den Iran zurück, wo er zuerst als Vize-Minister für Forschung und Wissenschaft tätig war. Persönlich ernannt vom Schah von Persien wurde Etemad 1974-1978 der erste Chef der Atom-Energiebehörde des Iran. Etemad überzeugte den Schah davon, im Iran ein grosses, ziviles Atom-Programm mit über einem Dutzend Reaktoren zu bauen, um von der Erdöl-Abhängigkeit wegzukommen. Unter Akbar Etemad begannen 1975 die Arbeiten am AKW Buschehr, das erst nach 36jähriger Bauzeit im Herbst 2011 ans Netz ging. Ende der 70er Jahre war Etemad im Vorstand der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Wien.

Wegen der islamischen Revolution 1979 wanderte Akbar Etemad nach Paris aus, wo er fast dreissig Jahre als selbständiger Berater für Nuklear-Fragen tätig war. In den 90er Jahren versuchte die iranische Regierung, den Nuklear-Forscher auf seinen alten Posten zurück zu holen. Etemad lehnte ab, weil er unabhängig bleiben wollte. Seit  2007 lebt der heute 81jährige Perser wieder teilweise in Teheran. Etemad hat heute mit dem Regime Ahmadinedschad einen Deal, wie er sagt. Er mische sich nicht in die aktuelle Politik des Iran ein, dafür lasse ihn die Regierung der islamischen Republik in Ruhe leben in Teheran.

Zum ersten Mal seit 1965 hat er im Juli 2012 für ein «Rundschau»-Portrait seinen alten Arbeitsort in  Baden wieder besucht.