Inhalt

International

Assad-Regime soll neben Giftgas auch Biowaffen haben

Mittwoch, 22. August 2012, 6:59 Uhr

Das Blutvergiessen in Syrien geht unvermindert weiter. Und allmählich wächst die Sorge darüber, was Assad in seinen Waffenbunkern noch versteckt hält. Denn neben Chemiewaffen sollen dort auch biologische Kampfstoffe lagern.

Bild Blick auf Angriff auf ein syrisches Dorf nahe Damaskus.
Syrische Forschungen zu Biowaffen galten bisher als nicht praxistauglich. keystone

Im blutigen Konflikt in Syrien wächst bei den Nachbarn die Sorge um das Waffenarsenal des Regimes von Baschar al-Assad. Denn neben Chemiewaffen soll das Land auch noch biologische Kampfstoffe besitzen, wie ein Experte in der Tageszeitung «Die Welt» schreibt.

Zwar galten die syrischen Forschungen zu Biowaffen bisher als nicht praxistauglich, doch wurde diese Einschätzung jetzt von einem Experten relativiert. Und schon am Montag hatte US-Präsident Barack Obama die Führung in Damaskus vor dem Einsatz nicht nur chemischer, sondern auch biologischer Waffen gewarnt. 

Möglicher Einsatz von Erregern

Nach den Informationen der «Welt» verfügt Assad nicht nur über ein umfassendes Chemie-Waffenarsenal, sondern auch über biologische Kampfstoffe. So schreibt der Waffenexperte Hans Rühle, das Regime in Damaskus arbeite an einsatzfähigen Erregern von Milzbrand, Pest, Tularemia (Hasenpest), Botulinum, Cholera, Ricin, Kamelpocken, Blattern und Aflatoxin.

Sorge um C-Waffen

Eine unheimliche Unbekannte im syrischen Bürgerkrieg sind die Chemiewaffen. «SF Online» hatte mit einem Experten über die syrischen Waffenbestände gesprochen. Mehr

Einige Stoffe seien schon getestet worden, zum Teil stammten sie aus sowjetischen Forschungen, welche die Kampfstoffe schon bis zur industriellen Produktion und militärischen Einsetzbarkeit fortentwickelt hätten. Rühle, in den 80er-Jahren Leiter des Planungsstabes im Bundesverteidigungsministerium, stützt sich bei seinen Ausführungen auf Geheimdiensterkenntnisse und einschlägige Forschungen.

«Wir dürfen nicht in die Situation kommen, dass chemische oder biologische Waffen in die falschen Hände fallen», sagte Obama mit Blick auf die chaotischen Verhältnisse in Syrien. Die Regierung in Damaskus tat die Aussagen als Wahlkampfgeschwätz ab – und verwies auf die Atomwaffen, mit denen Israel die Region bedrohe.
 
150 Tote nach erneuten Kämpfen

Bei den blutigen Kämpfen in Syrien starben am Dienstag über 150 Menschen. Die lokalen Koordinierungskomitees der Revolution sprachen am Abend von 152 Toten, unter ihnen auch 40 Tote in einem Vorort von Damaskus. Bei diesen Toten, die in dem Keller eines Gebäudes an der Hauptstrasse von Moadhamijat al-Scham gefunden worden seien, handele es sich um Opfer der Truppen des Regimes, teilte die Allgemeine Kommission der Syrischen Revolution mit.

Auch in der nordlibanesischen Stadt Tripoli ist es in der Nacht zu Mittwoch erneut zu Kämpfen zwischen der sunnitischen und alawitischen Bevölkerungsgruppe gekommen. Insgesamt seien seit Montagabend sieben Menschen getötet und rund 100 Menschen verletzt worden. Die Auseinandersetzungen werden angefacht durch den Konflikt in Syrien, wo vor allem Sunniten den Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad, einen Alawiten, tragen.

Journalisten vermisst

Das US-Aussenministerium teilte in Washington ohne weitere Angaben von Details mit, dass zwei Journalisten des mit US-Geldern geförderten arabischen Senders Alhurra TV vermisst würden. Ob es sich dabei um den türkischen Kameramann und den palästinensischen Reporter handelt, konnte zunächst nicht festgestellt werden. Für Verwirrung sorgte die Syrische Organisation zur Beobachtung der Menschenrechte, die von drei vermissten Journalisten, einem Türken, einem Libanesen und einem Araber, in den Diensten einer amerikanischen Nachrichtenagentur sprach.

(sda/koua;muei)