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International

Reichensteuer: Frankreichs Banker flüchten

Dienstag, 21. August 2012, 16:18 Uhr

Die von Präsident François Hollande geplante Vermögensteuer lässt Frankreichs Banker die Flucht ergreifen. Ziel der Vertriebenen: Grossbritanniens Hauptstadt London. Denn in ihrer eigenen Heimat fühlen sie sich nicht mehr erwünscht.

Die geplante Millionärssteuer treibt französische Banker in Scharen über den Ärmelkanal nach London. Zahlreiche Finanzmanager sind bereits umgezogen oder denken darüber nach.

Der sozialistische Präsident François Hollande will Einkommen über einer Million Euro mit 75 Prozent besteuern und Vermögende mit einer zusätzlichen Reichensteuer zur Kasse bitten. Im Wahlkampf hatte er die Finanzbranche zum Feind Nummer eins erklärt.

Wichtige Firmen denken an Umzug

«Die Zahl derjenigen, die Paris verlassen werden, wird überraschend hoch sein», sagt Stephane Rambosson, Partner bei der Personalberatung Veni Partners voraus.

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Auch die Grossbank Société Générale denkt darüber nach, Händler an die Themse zu schicken, sagen drei mit der Angelegenheit vertraute Personen. keystone/symbolbild

Rambosson schätzt, dass rund 30'000 bis 40'000 Franzosen aus der Finanzindustrie bereits in London sind. Zum Vergleich: Der französische Bankenverband beziffert die Gesamtzahl der Mitarbeiter der Pariser Investmentbanken mit rund 55'000.

Roter Teppich für Franzosen

Grossbritanniens Premierminister David Cameron hatte bereits im Juni angekündigt, französischen Unternehmen den «roten Teppich auszurollen», wenn Hollande seine Pläne einer Reichensteuer in die Tat umsetzt. Anwälte gehen davon aus, dass 20 Prozent aller im französischen Leitindex CAC-40 gelisteten Firmen über einen Umzug nachdenken.

Selbst den reichsten Franzosen, Bernard Arnault, ziehe es offenbar ins Ausland, sagen Finanzberater. Der Gründer und Verwaltungsratsvorsitzende des Luxusgüter-Herstellers LVMH plane, den gesamten Vorstand der Gruppe auszulagern, auch London sei als neue Heimat im Gespräch. «Der Schritt würde mich nicht überraschen», sagt eine mit den Plänen vertraute Person.

Doch nicht nur die Angst vor neuen Lasten lässt die Pariser Finanzprofis sehnsüchtig nach London blicken, sie fühlen sich in ihrer Heimat auch einfach nicht mehr gemocht. «Es irritiert mich schon, das in Frankreich der Sinn für gute Arbeit und Erfolg komplett verloren gegangen ist», sagt ein Finanzexperte.

Kaum Alternativen

Zwar werden auch in Londons Banken Jobs gestrichen und Boni gekürzt, trotzdem liegt die britische Hauptstadt immer noch an der Spitze eines globalen Indexes, der die Attraktivität von Finanzzentren misst. Der Indikator bewertet Städte nach Faktoren wie Geschäftsumfeld, Marktzugang, Wettbewerbsfähigkeit, Infrastruktur oder der Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften. Paris ist hier abgeschlagen auf dem 22. Platz.

Top Finanzplätze weltweit im Jahr 2012

Nach dem Global Financial Centres Index; Stand: März 2012

Städte Rang
London 1
New York 2
Hong Kong 3
Singapur 4
Tokio 5
Zürich 6
... ...
Paris 22

Alternativen zu London gibt es kaum. Prinzipiell käme auch die Schweiz als Steueroase in Frage, allerdings ist der Zürcher Finanzplatz deutlich kleiner als der Londoner. «Die Schweiz bietet nicht dieselben Möglichkeiten», sagt ein Private-Equity-Manager. Hier werde es den Bankern zu schnell langweilig. In London dagegen pulsiere das Leben.

(reu/weis;godc)