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International

Äthiopien droht nach Todesfällen das Chaos

Dienstag, 21. August 2012, 16:41 Uhr

Die Zukunft Äthiopiens ist nach einer Kette von Todesfällen ungewiss: Innerhalb weniger Tage sind der Regierungschef Meles Zenawi und der religiöse Führer Abune Paulos gestorben. Bleibt das ostafrikanische Land relativ stabil oder führen politische Reibereien ins Chaos?

Bild Eine Frau sitzt auf einem Esel, dahinter treibt ein Mann ein Esels-Gespann mit Ladung an. (reuters / symbolbild)
Äthiopiens Nachbarländer hoffen auf eine friedliche Zukunft für die Bevölkerung und das Umland. reuters / symbolbild

Regierungschef Meles Zenawi starb in der Nacht nach längerer Krankheit. Patriarch Abune Paulos erlag in der vergangenen Woche offenbar einem Herzinfarkt – und auch Präsident Girma Wolde-Giorgis ist seit Monaten verschwunden. Bereits im März gab es Gerüchte, er sei gestorben.

Nachbarländer besorgt

Beobachter befürchten nun ein Machtvakuum in Äthiopien – ein Land, das dank Meles seit Jahrzehnten von relativer politischer Stabilität und seit einigen Jahren auch von wirtschaftlichem Aufschwung geprägt war. Meles stand als Ministerpräsident seit 1995 an der Spitze des Landes.

«Wir fürchten um die Stabilität in Äthiopien», sagte der kenianische Premier Raila Odinga dem britischen Sender BBC. «Ich weiss nicht, ob das Land ausreichend auf eine Nachfolge vorbereitet ist.»

Auch der Tod des orthodoxen Patriarchen kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: In Addis Abebas Moscheen brechen seit Monaten immer wieder Proteste äthiopischer Muslime aus. Paulos, der gute Verbindungen zu Meles unterhielt, galt als Vorreiter des interreligiösen Dialogs.

Ernst der Lage heruntergespielt

Schon vor Wochen schürten Gerüchte über einen kranken Meles die Ängste einiger Ausländer. Offenbar haben sich besorgte Bundesbürger bei der deutschen Botschaft in Addis Abeba gemeldet.

Mehrmals betonte die Botschaft jedoch, die Sicherheitslage sei unverändert ruhig – so auch am Tag nach Meles' Tod. Die Lage werde aber aufmerksam beobachtet.

Lange Zeit hatte Meles' Regierungssprecher den Ernst der Lage heruntergespielt. Mitte Juli erklärte er noch vor Medienvertretern, der Zustand des Regierungschefs sei «sehr gut und stabil». Meles werde wenige Tage später seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen.

Machtansprüche aus allen Lagern

Möglich ist, dass die zuständigen Minister und Parlamentarier Zeit benötigten, um das Land auf den möglichen Tod seines charismatischen Führers vorzubereiten

Beliebt war Meles bei seinem Volk nicht – auch wenn sich kaum einer traute, das offen zu sagen. Zudem lauert die Opposition auf eine Machtübernahme. Auch innerhalb der Regierung gibt es viele Reibereien, die unter anderem mit der ethnischen Herkunft der Politiker zu tun haben.

Vize-Ministerpräsident Hailemariam Desalegn, der laut Verfassung die Amtsgeschäfte übernimmt, ist beispielsweise der erste Protestant an der Spitze Äthiopiens. Auch gehört er einer Volksgruppe an, die bisher in der Politik wenig vertreten ist.

«Äthiopien war wegen seiner ethnischen Politik schon immer sehr zerbrechlich», betonte Kenias Premier Odinga. «Es könnte passieren, dass die Regierungspartei sich jetzt zerstreitet. Ich hoffe aber, dass sie die einzelnen Fraktionen zusammenhalten und einen problemlosen Machtübergang garantieren kann.»

(dpa/zinv;gern)