International
Assange wirft USA «Hexenjagd» vor
Wikileaks-Gründer Julian Assange hat sich erstmals seit längerem an die Öffentlichkeit gewendet. Vom Balkon der Botschaft Ecuadors in London, wo er sich seit rund zwei Monaten aufhält, forderte er die USA auf, die «Hexenjagd» gegen Wikileaks abzublasen.
Assange bedankte sich bei seinen Anhängern für die Unterstützung in jener Nacht: «Ihr seid mitten in der Nacht hierhergekommen, um dieses Gebäude zu bewachen. Ihr habt die Augen der Welt mit euch gebracht.» Seinen Anhängern sei es zu verdanken, dass sich England an jenem Abend nicht über die Wiener Konvention hinweggesetzt und die Botschaft erstürmt habe.
Pathos und Dank
Vor dem Gebäude standen mehrere hundert Sympathisanten, Medienvertreter und Neugierige. Auch eine Hundertschaft der Polizei war vor Ort. Kurz vor dem Auftritt hatte Assanges Anwalt gesagt, ein weiterer juristischer Schritt sei geplant. Details dazu gab es nicht.
Mit einigem Pathos bedankte sich Assange bei den «mutigen Leuten» Ecuadors und namentlich auch bei Präsident Correa, dass sie ihm Aufnahme und schliesslich auch Asyl gewährt haben. Auch anderen Ländern Lateinamerikas, die sich für ihn einsetzten, sprach er seinen Dank aus.
«Bradley Manning muss freikommen»
Der Wikileaks-Gründer richtete sich in seiner rund 9minütigen Rede auch an die USA, die ebenfalls seine Auslieferung verlangen: «Ich bitte Präsident Obama, das einzig Richtige zu tun: Die USA müssen ihre Hexenjagd gegen Wikileaks abblasen.» Das Land müsse seine Ermittlungen gegen die Plattform einstellen und die Strafuntersuchung gegen deren Mitarbeiter beenden. «Die USA müssen der Welt versprechen, keine Journalisten zu verfolgen, die die geheimen Verbrechen der Mächtigen ans Licht bringen.»
Assange forderte zudem die Freilassung des U-Gefreiten Bradley Manning, der Wikileaks geheime Depeschen von US-Diplomaten zugespielt hatte. «Wenn Bradley Manning gemacht hat, wofür er angeklagt wurde, ist er ein Held und ein Beispiel für uns alle.»
Südamerikanische Staaten solidarisch mit Ecuador
Die Union Südamerikanischer Nationen (Unasur) hat Ecuador im diplomatischen Konflikt mit Grossbritannien um Wikileaks-Gründer Julian Assange ihre Unterstützung ausgesprochen. Sie fordern Verhandlungen und eine für alle Seiten akzeptable Lösung.
Bei einem Treffen in der ecuadorianischen Stadt Guayaquil erklärten sich die Aussenminister des Staatenbundes am Sonntag solidarisch mit dem Land. Sie riefen dazu auf, über Verhandlungen zu einer für alle «akzeptablen Lösung» zu finden, wie es in einer gemeinsamen Erklärung hiess.
Assange soll wegen mutmasslicher Sexualdelikte nach Schweden ausgeliefert werden, hat aber von Ecuador politisches Asyl bekommen. Er fürchtet, an die USA ausgeliefert zu werden. Wikileaks hatte zahlreiche vertrauliche Dokumente veröffentlicht und damit unter anderem die US-Regierung an den Pranger gestellt.
(sda/buet; blur)







