Vermischtes
Spielt das Wetter wirklich so verrückt?
Rekordhitze in den USA und am Mittelmeer mit verheerenden Waldbränden. Auch in Sibirien brennt es, während China oder Japan mit zu viel Regen die nasse Seite des Wetters erwischen. Es scheint, als hängen die Extreme miteinander zusammen. Doch der Schein trügt.
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«Fakt ist: Die USA und die Mittelmeer-Länder erleben einen extrem heissen Sommer. Aber überraschend kommt das nicht», sagt SF-Meteorologe Felix Blumer. Schon in den Jahren zuvor waren heisse Sommer mit Rekordtemperaturen beobachtet worden. «Doch sie geraten in Vergessenheit, wie beispielsweise die Jahrhunderthitze in Russland vor zwei Jahren. Heute spricht niemand mehr davon.»
Von einem Zusammenhang zwischen den Extremen – Hitze und Regen – könne noch nicht gesprochen werden. «Auch El Ninõ hat noch keine Auswirkungen darauf», ergänzt Blumer. Bis sich dieses Wetterphänomen, das sich gemäss dem japanischen Wetterdienst zurückgemeldet hat, auf andere Regionen der Welt auswirke, dauere es. «Wir sprechen hier von mehreren Monaten.»
El Niño
El Niño tritt in der Regel alle vier bis zwölf Jahre auf. Vor allem in Asien und Afrika bleibt während dieser besonderen Klima-Konstellation oftmals der Regen aus.
Durch die ungewöhnlich starke Erwärmung des Wassers vor der lateinamerikanischen Pazifikküste geraten die dort üblichen Meeresströmungen durcheinander. Die wiederum beeinflussen weltweit das Klima.
Im Jahr 1998 starben rund 2000 Menschen an den Folgen El Niños. Die Schäden durch Ernteausfälle gingen damals in die Milliarden. Vor drei Jahren verzögerte El Niño den Beginn des Monsuns in Indien. Die Folge: Der Zuckerpreis stieg auf den höchsten Stand seit 30 Jahren.
Offen bleibt, wie stark das Phänomen dieses Mal ausfällt und wie lange es anhält.
Ausserdem entgegnet Blumer der Sorge um ein weltumspannendes Wetterchaos: «Immer ist es irgendwo heiss oder nass.» Beispiele dazu gibt es dieses Jahr zur Genüge:
Amerika
Grosse Teile der USA sind seit Juli von brütender Hitze und extremer Trockenheit betroffen. Es ist die schwerste Dürre seit über 50 Jahren, was die Preise für Mais und Getreide bereits in die Höhe trieb. Eine weitere Folge: verheerende Waldbrände in den Bundesstaaten Colorado, Washington oder Kalifornien, Zehntausende auf der Flucht und ohne Dach über den Kopf. Übrig bleibt ein Feld der Verwüstung.
Ein Feuer in der kanadischen Hudson-Bay bedroht derzeit auch Polarbären. Gefrorene Böden, in denen die Bären-Damen ihren Unterschlupf für den Sommer bauen, schmelzen. Eigentlich seien Feuer in der sonst sehr feuchten Region sehr selten, sagt ein Experte bei der Non-Profit-Organisation Polar Bears International.
In Argentinien besteht stattdessen die Angst vor grossen Ernteausfällen – weil es zu nass ist. Zwar sind die Bauern froh über den Regen, nachdem die letzte Saison zu trocken war. Doch die Felder könnten nun zu einer Sumpflandschaft werden. Die Aussaat im September und Oktober steht in Frage, die Preise für Mais könnten noch weiter in die Höhe schnellen. Argentinien ist, hinter den USA, die Nummer Zwei der Welt in Sachen Mais-Export.
Mittelmeer-Länder
Vor allem die Mittelmeer-Region litt zunächst unter einer Hitzeperiode, jetzt wüten Waldbrände. Auf der Kanaren-Insel La Gomera breitete sich das Feuer auf über elf Prozent der Gesamtfläche aus, Teile eines Nationalparks, der zum Unesco-Weltnaturerbe gehört, stehen ebenfalls in Flammen.
Die Sommerhitze hat auch in anderen Teilen Europas schwere Waldbrände ausgelöst. In Kroatien sind seit Mitte August insgesamt 1500 Hektar Land in Flammen aufgegangen. Vor allem Pinienwälder, aber auch Busch- und Grasland, Olivenhaine sowie Weinstöcke brennen.
Eine Hitzewelle trifft die nächsten Tage nicht nur die Schweiz, sondern auch Frankreich. Dort werden Erinnerungen an 2003 wach, als knapp 15'000 Menschen an den Folgen der Hitze starben. Nun erwarten Meteorologen in sechs Departementen Temperaturen bis zu 39 Grad. Das Gesundheitsministerium hat eine Hotline eingerichtet und warnt insbesondere ältere Menschen vor der Hitzeperiode.
Russland
In Sibirien toben Waldbrände, Naturreservate und Tiere sind bedroht. Doch Zahlen über die Grösse des betroffenen Gebietes sind widersprüchlich. Von offizieller Seite wird von 30'000 Hektar Land gesprochen. Satellitenbilder aber deuten auf ein viel grösseres Ausmass hin. Der WWF Russland geht davon aus, dass die verbrannte Fläche zwischen 70 und 150 Mal grösser sein dürfte.
Bereits seit Anfang des Jahres sind einige Regionen Russlands von Waldbränden betroffen. Umweltschützer verlangen von der Regierung inzwischen, korrekte Daten über die Lage zu veröffentlichen. Als Grund für die Falschangaben nennt ein WWF-Mitarbeiter die fehlenden finanziellen Mittel für die Feuerprävention und -bekämpfung. Die in Russland dafür eingesetzten Gelder sind etwa 10 Mal tiefer als in Kanada und 30 Mal tiefer als in den USA.
Südostasien/Japan
Sintflutartiger Regen in Japan hat zehntausende Bürger aus ihren Häusern vertrieben. In China müssen 1,8 Millionen Chinesen vor den Taifun Haikui fliehen. Er erreicht Windgeschwindigkeiten bis zu 150 Stundenkilometer, bis zu fünf Meter hoch türmen sich die Wellen vor der Küste.
Es ist der dritte Wirbelsturm in einer Woche. Zuvor richtete Taifun Saola sein Unheil ein, zunächst auf Taiwan und auf den Philippinen, wo über 20 Menschen ums Leben kamen.
(sf/agenturen/mery;meru)



