International
Weltweite Proteste gegen das Pussy-Riot-Urteil
Entsetzen über ein «politisches Urteil» in Moskau: Die Mitglieder der Punk-Band Pussy Riot müssen zwei Jahre in Haft. Weltweit wird Freiheit für die Gegnerinnen von Kremlchef Wladimir Putin gefordert.
In Polens Hauptstadt Warschau forderten etwa 150 Menschen am Rande eines historischen Besuches des russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill «Freiheit für Pussy Riot». Auch in Berlin und Hamburg kam es zu Protestaktionen, ebenso in New York oder Paris. Etliche Demonstranten trugen die für Pussy Riot typischen bunten Sturmhauben.
Neuer Angriff auf Putin
Kurz nach dem Urteil hat Pussy Riot in einem neuen Lied Staatschef Wladimir Putin erneut angegriffen.
«Das Land geht auf die Strasse mit Mut / Das Land sagt dem Regime Auf Wiedersehen», heisst es in dem Song «Putin entzündet das Feuer der Revolution». In einem Kommentar sagten sie: «Wir werden weiterkämpfen.»
Text und Video veröffentlichte die Gruppe im Internet. Ausserdem wurden am Freitag vor dem Gerichtsgebäude CDs verteilt. Eine maskierte Aktivistin spielte das Lied noch ab.
Die linke Prager Tageszeitung «Pravo» schreibt: «Die drei jungen Frauen (...) wären nie weltweit bekannt geworden, wenn nicht der russische Staat auf Methoden des Mittelalters zurückgegriffen hätte.»
USA und EU empört
Der Schuldspruch sei «unverhältnismässig hart», liess die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel mitteilen. Das Weisse Haus in Washington zeigte sich über das Urteil «enttäuscht». Auch die EU und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sowie Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch stellten sich gegen das Urteil.
Bei Protesten vor dem Gerichtsgebäude wurden mindestens 60 Anhänger der Künstlerinnen festgenommen. Zuhörer im Saal reagierten mit «Schande»-Rufen auf das Urteil.
Presseschau: Kritik auch in Medien
Das Urteil zeige, dass Staat und Kirche in Russland endgültig miteinander verflochten seien, kommentierte die Zeitung «Nowaja Gaseta» im Internet. Das Onlineportal newsru.com schrieb in Anlehnung an die mittelalterlichen Hexenprozesse: «Moskau, 21. Jahrhundert: Zwei Jahre für einen ‹satanischen Veitstanz›.»
Die russische-orthodoxe Kirche bat unterdessen um Milde für die Verurteilten. Zuvor hatten sich hohe Kirchenvertreter wiederholt für scharfe Strafen ausgesprochen. Der Sprecher von Putin wollte das Urteil zunächst nicht kommentieren. Putin hatte sich zuletzt für eine «nicht zu harte» Strafe ausgesprochen.
Zwei Jahre Gefängnis für Pussy Riot
Ein Moskauer Gericht hat die drei Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot wegen Rowdytums aus religiösem Hass schuldig gesprochen. Sie wurden zu zwei Jahren Haft verurteilt.
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(dpa/mery; buet)







