International
Zwei Jahre Gefängnis für Pussy Riot
Ein Moskauer Gericht hat die drei Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot wegen Rowdytums aus religiösem Hass schuldig gesprochen. Sie wurden zu zwei Jahren Haft verurteilt.
Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre Haft beantragt, die Verteidigung einen Freispruch. Die rund sechsmonatige Untersuchungshaft kann an das Strafmass angerechnet werden.
«Grobe Verletzung der religiösen Gefühle»
Die Richterin Marina Syrowa warf den Frauen während der mehr als zweieinhalbstündigen Urteilsverkündung vor, mit ihrem Protest in der Erlöserkathedrale in Moskau die Gefühle der Gläubigen auf das Gröbste verletzt zu haben.
Ausführlich schilderte die Richterin bei der Urteilsverkündung die Aktion. Dabei spielte sie insbesondere auf die aufreizend knappe Kleidung der Aktivistinnen und deren Tanz mit dem Rücken zum Altar an. «Insgesamt ist dieser Auftritt einzig als beleidigend für die Gläubigen zu sehen», sagte Syrowa. Dadurch sei «moralischer Schaden für die anwesenden Gläubigen entstanden».
Nadejda Tolokonnikova (22), Maria Alejina (24) und Ekaterina Samoutsevich (30) hatten am 21. Februar in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale mit einem sogenannten Punk-Gebet gegen den damaligen Regierungschef und jetzigen Präsidenten Wladimir Putin protestiert.
Der Schuldspruch war erwartet worden, da sich sowohl die russisch-orthodoxe Kirche als auch Präsident Putin für die Bestrafung der Frauen ausgesprochen hatten. Vielleicht auch wegen der internationalen Kritik am Prozess erklärte Putin zuletzt, die Frauen sollten nicht zu hart bestraft werden. Möglich wären bis zu sieben Jahre Haft gewesen.
«Schlag gegen die Meinungsfreiheit in Russland»
Gleich nach der Verurteilung bat die russisch-orthodoxe Kirche um Milde für die jungen Frauen – «im Rahmen des Gesetzes». Dies geschehe in der Hoffnung, dass die Künstlerinnen ihre «blasphemische» Aktion nicht wiederholten, teilte der Oberste Kirchenrat der Agentur Interfax zufolge mit.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International nannte das Urteil einen harten «Schlag gegen die Meinungsfreiheit in Russland». «Das Urteil ist nicht nur der Versuch, die drei jungen Frauen zum Schweigen zu bringen. Es soll auch eine Warnung an alle anderen sein, die es wagen, Präsident Putin und seine Regierung zu kritisieren», erklärte eine Russlandexpertin von Amnesty. Die Organisation stuft die drei Musikerinnen als gewaltlose politische Gefangene ein.
Die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton zeigte sich «tief enttäuscht». Das US-Aussenministerium seinerseits warnte vor «negativen Folgen für die Meinungsfreiheit in Russland».
OSZE kritisiert Urteil
Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat den Schuldspruch gegen die Punk-Band Pussy Riot kritisiert. «Vorwürfe wie Rowdytum und religiöser Hass sollten nicht dafür benutzt werden, um die Meinungsfreiheit einzuschränken», teilte die OSZE-Beauftragte für Pressefreiheit, Dunja Mijatovic, in Wien mit.
Freie Meinungsäusserung sollte nicht beschränkt oder unterdrückt werden, egal wie provokativ, satirisch oder heikel sie auch sei: «Unter keinen Umständen darf sie zu Gefangenschaft führen», hiess es vom OSZE-Hauptsitz in Wien weiter. Russland ist einer von 56 OSZE-Mitgliedsstaaten.
Mit einem Grossaufgebot hatte die Moskauer Polizei vor dem Urteil das Gerichtsgebäude abgeriegelt. Hunderte Personen hatten sich vor dem Gebäude versammelt, um dort ihre Solidarität mit den jungen Frauen zu zeigen. Wer eine Wollmütze trug, wie sie die drei Frauen bei ihrer Aktion in der Kirche trugen, wurde von der Polizei abgeführt. Auch Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow wurde festgenommen. Hier mehr dazu.

Die wichtigsten Akteure
Der Prozess gegen Pussy Riot sorgt für Aufsehen. Lesen sie hier mehr zu den wichtigsten Akteuren.
(sda/schj;godc)






