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Pussy-Riot-Urteil: «Machtdemonstration gegen Opposition»
Zwei Jahre Haft für die drei Frauen der Punkband Pussy Riot. Für SF-Korrespondent Christof Franzen ist es ganz klar ein politisches Urteil.
«SF Online»: Wie war die Stimmung im Gerichtssaal?
Christof Franzen: Es war ein enormer Medientross angereist. Dementsprechend gross war der Andrang vor dem Gerichtsgebäude. Man musste 2-3 Stunden warten, um in den Gerichtssaal zu gelangen. Im Gerichtssaal selber war es ruhig. Was mir auffiel ist das Verhalten der drei Angeklagten. Sie zeigten sich gut gelaunt und machten sogar zwischendurch Witze. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie Angst hatten. Als im Gericht der Text ihres Liedes vorgelesen wurde, hatte man beinahe das Gefühl, dass sie mitsingen wollten.
Wie haben die Verurteilten das Urteil aufgenommen?
Ich hatte den Eindruck, dass sie mit einer Verurteilung gerechnet hatten. Sie waren sogar froh, dass die Strafe ein Jahr tiefer war, als der Staatsanwalt ursprünglich gefordert hatte. Die jungen Frauen nahmen das Urteil ruhig und ohne Aufregung entgegen.
Welche Bedeutung hat dieses Urteil?
Im Normalfall hätte dieser Fall gar nie von einem Gericht verhandelt werden dürfen. Dies ist ein Fall für das Verwaltungsgericht. Die Angelegenheit wäre mit einer Strafe von 500 bis 1000 Rubel erledigt gewesen. Der Grund für die Verurteilung ist offensichtlich an den Haaren herbeigezogen. Das Gericht sprach von religiösem Hass. Das haben die Angeklagten während des Prozesses mehrmals zurückgewiesen. Die Frauen betonten stets den politischen Charakter ihrer Aktion. Das Gericht ist aber nie auf ihre Aussagen eingegangen.
Für die Verteidigung handelt es sich ganz klar um ein politisches Urteil. Es ist einerseits eine Machtdemonstration gegen die Opposition in Russland und andererseits wurde deutlich: Wladimir Putin musste aufgrund des internationalen Drucks aber auch aufgrund der Reaktionen im Land selber zurückkrebsen. Denn die Frauen hätten zur Maximalstrafe von 7 Jahren verurteilt werden können. Der Staatsanwalt hatte drei Jahre gefordert, verurteilt wurden sie zu zwei Jahren.
Hat der Prozess gegen Pussy Riot in Russland ein ähnliches Echo ausgelöst wie im Ausland?
Der Prozess hat auch in Russland hohe Wellen geworfen. Es wurde immer wieder die Frage diskutiert, ob man so etwas machen darf oder nicht. Aber auch die Rolle der Kirche wurde im Zusammenhang mit dem Prozess gegen die jungen Frauen von Pussy Riot diskutiert. So gab es Gläubige, die der Ansicht waren, dass sich die Kirche in diesem Fall gnädig zeigen müsse.
Es ist unglaublich, was diese jungen Frauen ausgelöst haben. Allerdings ist die Verurteilung Teil eines Puzzles: Es macht nämlich deutlich, dass Putin die Schraube anzieht. Erst kürzlich hat er das Demonstrationsgesetz in Russland verschärft. Im September ist eine Grossdemonstration gegen dieses Gesetz angekündigt. Erst dann wird man sehen, ob die Opposition eingeschüchtert ist oder nicht. Allerdings hat die Oppositionsbewegung, zu der auch die Punkband Pussy Riot gehört, an Schwung verloren. Putin sitzt nach wie vor fest im Sattel.
Zwei Jahre Gefängnis für Pussy Riot
Ein Moskauer Gericht hat die drei Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot wegen Rowdytums aus religiösem Hass schuldig gesprochen. Sie wurden zu zwei Jahren Haft verurteilt. Lesen Sie hier mehr dazu






