International
Minen-«Massaker»: Südafrika trauert und sucht Ursachen
Nach den Ausschreitungen vor einer südafrikanischen Platinmine hat Präsident Jacob Zuma eine Untersuchung zu den Umständen des Todes von 34 Arbeitern angekündigt. «Es ist klar, dass etwas Ernstes hinter diesen Ereignissen steht», sagte Zuma bei einem Besuch der Mine.
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Neben den 34 Todesopfern waren bei den Zusammenstössen mit der Polizei 78 Menschen verletzt worden.
Zuma kehrte frühzeitig von einem Besuch in Mosambik zurück, als das Ausmass des Blutvergiessens in der Grube von Marikana klar wurde. «Wir müssen die Wahrheit herausfinden», sagte Zuma zu den gewaltsamen Ausschreitungen, die er «schockierend» nannte. Zumas Reaktion auf den Vorfall könnte für ihn entscheidend für die erneute Bewerbung als Parteichef des regierenden ANC werden.
«Legitime Selbstverteidigung» der Polizei?
Polizeisprecher Dennis Adriao hatte zuvor gesagt, die Polizei habe in «legitimer Selbstverteidigung» gehandelt, als sie das Feuer auf eine Gruppe von Arbeitern eröffnete, die sie mit Schusswaffen und anderen Waffen angegriffen hätten. Die Arbeiter des Bergwerks nahe der nordwestlichen Stadt Rustenberg hätten ein Ultimatum des Bergwerkbetreibers, der ihnen im Falle der Fortsetzung des Streiks mit Entlassung drohte, zurückgewiesen und sich geweigert auseinanderzugehen, sagte Adriao.
Als die mit Macheten und Knüppel bewaffneten Arbeiter die Aufforderung ignorierten, setzte die Polizei zunächst Wasserwerfer, Blendgranaten und Tränengas ein. Wenig später stürmte eine Gruppe auf die Polizisten zu, worauf die Beamten umgehend das Feuer eröffneten. In einem Bericht des privaten Fernsehsenders e.tv waren Dutzende Schüsse aus automatischen Waffen zu hören, bis ein Beamter rief: «Feuer einstellen.» Auf den Aufnahmen waren mehrere blutüberströmte, regungslose Körper zu sehen. Örtliche Medien sprachen am Freitag vom «Marikana Massaker».
Seit 10. August im Streik
Ein Polizeisprecher sagte, die Arbeiter hätten ebenfalls auf die Beamten geschossen. «Wir waren in einer Situation, in der bis zu den Zähnen bewaffnete Leute andere angegriffen und getötet haben - sogar Polizisten», erklärte er. «Was soll die Polizei in einer solchen Lage tun, wenn sie sich bewaffneten Kriminellen gegenüber sieht, die Polizisten ermorden?»
Seit dem 10. August streiken rund 3000 Arbeiter der Mine Marikana, 70 Kilometer nordwestlich von Johannesburg. Minenbetreiber Lonmin, der weltweit drittgrösste Platinproduzent, stuft den Streik als illegal ein. Die streikenden Arbeiter gehören einer neuen Gewerkschaft an, die gegen die Dominanz der mächtigen National Union of Mineworkers opponiert, die eng mit dem regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) verbündet ist.
Bereits vor dem tödlichen Einsatz am Donnerstag waren bei Kämpfen zwischen den verfeindeten Arbeiterorganisationen zehn Menschen, darunter zwei Polizisten zu Tode gekommen.
Platinproduktion eingestellt
In Südafrika befinden sich etwa 80 Prozent der weltweit bekannten Platinreserven. Das Edelmetall wird unter anderem zur Herstellung von Katalysatoren, Laborgeräten und Schmuck verwendet. Der in London ansässige Lonmin-Konzern stellte in seinen Platinwerken die Produktion ein.
Noch sind viele Fragen rund um die Ereignisse in der Mine des britischen Lonmin-Konzerns offen. So ist bislang unklar, von wem die Gewalt ausging.
Fest steht, dass die Polizei mit grosser Entschlossenheit gegen die Streikenden vorging. «Viele hier fühlten sich bei den brutalen Bildern an die Gewalt während der Apartheid erinnert», sagt SF-Korrespondentin Cristina Karrer in Johannesburg.
Streit zwischen rivalisierenden Gewerkschaften
Den gewaltsamen Ausschreitungen war ein Streit zwischen zwei rivalisierenden Gewerkschaften vorausgegangen. Die streikenden Arbeiter in der Zeche gehören einer neuen, kleineren Gewerkschaft an, die gegen die Dominanz der mächtigen National Union of Mineworkers opponiert, die wiederum eng mit dem regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) verbandelt ist.
Auslöser soll eine Prämienzahlung gewesen sein, die Minenbetreiber Lonmin einigen Arbeitern in der Mine gezahlt haben soll, anderen hingegen nicht. Daraufhin hatte die kleinere Gewerkschaft zum Streik aufgerufen.
Prekäre Bedingungen in den Minen
Die Ereignisse in Marikana, rund 100 Kilometer nordwestlich von Johannesburg, werfen einmal mehr auch ein Schlaglicht auf die prekäre Lage der vielen Minenarbeiter in Südafrikas Platingürtel. «Die Gegend ist beherrscht von grossem Elend», beschreibt es Journalistin Karrer. Eine Mine reihe sich an die andere, die Arbeiter – meist Ausländer aus Zimbabwe oder Kongo – lebten in einfachsten Verhältnissen in unmittelbarer Nähe.
«Das sind Slums, in denen Zehntausende untergebracht sind», so Karrer. Sie arbeiteten unter schwierigsten Bedingungen und für wenig Geld. Die Minen seien längst nicht mehr so profitabel wie früher, die Betreiber würden deshalb das letzte aus den Zechen herauspressen – auf dem Rücken der Arbeiter. Investiert worden sei in den vergangenen Jahren wenig.
«Der Frust ist immer grösser geworden»
Die jüngsten Ereignisse müssten deshalb auch vor dem Hintergrund der vergangenen Jahre gesehen werden, so Karrer. Streiks habe es immer wieder gegeben. «Der Frust unter den Arbeitern ist einfach immer grösser geworden», so Karrer – ein möglicher Grund dafür, dass die Beschäftigten sich nun in den radikaleren Forderungen kleinerer Gewerkschaften besser vertreten sehen.
In der Mine in Marikana wird derzeit nicht gearbeitet – nach den blutigen Ereignissen hat Betreiber Lonmin die Produktion in allen seinen Platinwerken vorübergehend eingestellt. Das Minengelände in Marikana wird derzeit von hunderten schwer bewaffneten Polizisten gesichert. Ermittler suchen am Tatort nach weiteren Beweismitteln.
In Südafrika befinden sich etwa 80 Prozent der weltweit bekannten Platinreserven. Das Edelmetall wird unter anderem zur Herstellung von Katalysatoren, Laborgeräten und Schmuck verwendet.
(agenturen/redaktion)






