Krise im Euro-Land
Spanien: Spardruck verschlimmert Waldbrand-Situation
USA, Italien, Slowenien, Kroatien - Waldbrände toben derzeit vielerorts. Auch in Spanien flammen immer neue Feuer auf. Doch hier stehen für die Bekämpfung weniger Mittel zur Verfügung als früher. Das Land muss in der Euro-Krise sparen - auch bei der Feuerwehr.
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Der Ferienort Valle Gran Rey auf La Gomera war eine idyllische Siedlung, von bunten Gärten und Palmenhainen umgeben. Nun liegt das Urlaubsparadies auf der Kanaren-Insel inmitten einer grauen Asche-Wüste.
Aber nicht nur auf den Kanaren wurden Bäume und Büsche ein Raub der Flammen. In ganz Spanien brannten Wälder auf einer Fläche von über 1300 Quadratkilometern nieder, so viel wie seit zehn Jahren nicht mehr. Als Ursache werden die ungewöhnliche Trockenheit und die Hitze genannt. Aber es scheint auch ein anderer Faktor eine Rolle zu spielen: die Sparpolitik.
Keine Handschuhe, keine Stiefel
Der Rotstift der Madrider Regierung und der Regionalverwaltungen verschonte auch die Feuerwehr und den Brandschutz nicht. Besonders drastisch waren die Einsparungen in Katalonien im Nordosten des Landes. Dort wütete im Juli an der Grenze zu Frankreich einer der grössten Waldbrände des Jahres. Ein Feuerwehrmann berichtete der Zeitung «El País»: «Wir konnten zahlreiche Helfer bei den Löscharbeiten nicht einsetzen, weil es (aufgrund gestrichener Mittel) für sie keine Handschuhe und keine Stiefel gab.»
In der Region Valencia, die ebenfalls von Waldbränden besonders stark heimgesucht wurde, waren beim Brandschutz 200 Stellen gestrichen worden. In Kastilien-La Mancha kündigte die für den Brandschutz zuständige Firma eine Massenentlassung von Mitarbeitern an. Die Madrider Zentralregierung hatte in den Nationalparks die Mittel für die Brandbekämpfung um 20 Prozent gekürzt - und prompt brannte es in drei Parks: in Garajonay auf La Gomera, Teide auf Teneriffa und Cabañeros in Kastilien-La Mancha.
Minister beim Stierkampf-Besuch
Im Doñana-Nationalpark, einem der wichtigsten Schutzgebiete Spaniens, konnte eine Brandkatastrophe nur knapp verhindert werden. Die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy musste sich vorhalten lassen, während der Waldbrände auf Tauchstation gegangen zu sein. Dem Umwelt- und Agrarminister Miguel Arias Cañete wurde angekreidet, auf dem Höhepunkt der Katastrophe einen Stierkampf besucht zu haben. Der Minister rechtfertigte sich damit, er habe König Juan Carlos begleiten müssen. Ausserdem seien für die Bekämpfung von Waldbränden die Regionen zuständig.
Den Vorwurf eines Politikers auf den Kanaren, Madrid kümmere sich nicht um die Inseln und betreibe dort eine «Politik der verbrannten Erde», wies Arias Cañete zurück mit der Bemerkung: «Alle Regionen in Spanien unterhalten eigene Löschflugzeuge, nur die Kanaren nicht.»
Atemschutzgeräte fehlen
Die spanische Tageszeitung «El Pais» berichtete, dass die Brände zum Grossteil auf Unachtsamkeit oder Brandstiftung zurückzuführen seien und durch sehr trockenes Wetter begünstigt würden. Jedoch gehen sie mit Sparprogrammen seitens der Regional- und Zentralregierung angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise einher.
Es fehle an Sicherheitskleidung und Atemschutzgeräten, zitierte «El Pais» einen Sprecher der katalanischen Feuerwehr-Gewerkschaft. Im Zuge der Sparmassnahmen sind die entsprechenden Budgets um die Hälfte gekürzt worden.
Feuer nahe Genua
Nach einer Serie von Bränden auf den Kanaren loderten auch Flammen auf dem Balkan und in der Nähe der italienischen Stadt Genua. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa bedrohten die Flammen bei Genua mehrere Häuser. Eine Entwarnung sei zunächst nicht in Sicht. Meteorologen erwarteten weiter hohe Temperaturen - mitunter über 40 Grad.
Auch auf dem Balkan sorgten Hitzewellen für mehrere Waldbrände. Bei Temperaturen von über 30 Grad brannte es in Kroatien vor allem im Adriaort Lovka Rogoznica bei der Stadt Omis. 25 Feuerwehrzügen mit 90 Mann war es gelungen, den Waldbrand von den nahegelegenen Häusern fernzuhalten. Zwei Löschflugzeuge waren im Dauereinsatz.
Im Nachbarland Slowenien verhängten Behörden aufgrund hoher Temperaturen ein Verbot von Feuern im Freien. Wegen der hohen Waldbrandgefahr nach wochenlanger Dürre sei es allen «bis auf weiteres» verboten, ausserhalb von Häusern Feuer zu machen.
«Ich sehe gerade zu, wie unser Haus abbrennt»
Durch die extreme Trockenheit sind am Mittwoch im nordwestlichen US-Staat Washington innerhalb von 90 Minuten an drei verschiedenen Orten Brände ausgebrochen. Zwei Feuer konnten schnell gelöscht werden, das dritte weitete sich aber schnell aus und zerstörte 70 Häuser.
Hunderte Menschen mussten von den Behörden in Sicherheit gebracht werden. Es sei aber niemand verletzt worden, sagte Einsatzleiter Rex Reed. Die Brandgefahr sei aufgrund von Wind, Hitze und Trockenheit extrem. Drei Wochen sei überhaupt kein Niederschlag gefallen.
Chaotische Lage
Die Lage sei chaotisch, sagte ein Polizeisprecher des Bezirks Kittitas, Clayton Myers. »Es war so eine Sache, bei der man nie das Gefühl hatte, etwas unter Kontrolle zu haben, weil sich die Lage immer je nach Wind veränderte.» Die 16-jährige Haley Lindelof berichtete unter Tränen der Zeitung «The Seattle Times»: «Ich sehe gerade zu, wie unser Haus abbrennt.»
Auch in Kalifornien waren weiter tausende Feuerwehrleute im Einsatz. Im dünn besiedelten Landesinneren mussten dutzende Menschen aus ihren Häusern gerettet werden. Mindestens ein Mensch wurde wegen starker Verbrennungen ärztlich behandelt. Ein Haus wurde ein Raub der Flammen.
In Idaho wurde bereits am Sonntag eine Feuerwehrfrau von einem umfallenden Baum erschlagen, wie die Forstbehörden mitteilten. In Oregon musste eine weitere Feuerwehrfrau wegen Verbrennungen und Rauchvergiftung behandelt werden.
(agenturen/halp;krua)






