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Smartphones laufen Spiele-Giganten den Rang ab

Mittwoch, 15. August 2012, 17:50 Uhr, Aktualisiert 18:01 Uhr

Am Donnerstag öffnet in Köln die Gamescom ihre Tore für Fans von Computerspielen. Bis zu einer Viertelmillion Besucher werden an der weltgrössten Spielemesse während fünf Tagen die neusten Games testen. Die Branche selber ist verunsichert – Smartphones & Co. machen den Konsolen das Leben schwer.

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Mehr als 600 Unternehmen zeigen in Köln Software, Geräte und Zubehör für die interaktive Unterhaltung. Die Veranstalter rechnen mit 250'000 Besuchern. Wie immer scheut die Industrie keinen Aufwand, baut gewaltige Stände auf und versucht im ohrenbetäubenden Tumult den Lautstärke-Wettkampf zu gewinnen.

Besucher können diverse Spiele mit Blockbuster-Potenzial testen, neben «Tomb Raider» etwa eine Erweiterung für den Rollenspiel-Dauerbrenner «World of Warcraft», dazu Fortsetzungen von Sport-Simulationen wie «Pro Evolution Soccer» und «Need for Speed» oder von Ego-Shootern wie «Call of Duty», «Far Cry» und «Crysis». Viele Fans nehmen Wartezeiten von mehr als drei Stunden in Kauf, um einen 10- oder 15minütigen Einblick zu erhaschen.

Bild Mann in Star-Wars-Uniform vor Notebook stehend
Wenn im Sommer Weihnachten ist: Gamescom-Besucher beim testen der neusten spielbaren Star-Wars-Saga. keystone

Die heile Spielwelt hat allerdings Risse bekommen. So fehlen einige prominente Branchenvertreter. Der Xbox360-Hersteller Microsoft spart sich nach dem ersten Quartalsverlust in der Firmengeschichte den Stand in Köln – anzukündigen hat der Konzern derzeit ohnehin nichts. Nintendo wiederum hat mit der Wii U den anstehenden Nachfolger der Wii im Köcher, schwänzt aber ebenfalls die Messe.

Mobile Spiele im Trend

Und grosse Wagnisse gehen die traditionell risikoscheuen Anbieter nicht ein. Auch auf neue Konsolen warten die Game-Fans wohl vergeblich. Sony dürfte die neue Generation seiner Konsole erst 2013 vorstellen. Auch eine schlankere Version der Playstation 3 wird Sony erst nach der Messe präsentieren. In den Lagern stehen noch zu viele Geräte der jetzigen Version, heisst es in der Branche.

«Im Moment warten alle auf die nächste Konsolengeneration. Von diesen neuen Konsolen ist an der Gamescom noch nichts zu sehen», erklärt Guido Berger, Leiter der Fachredaktion Digital bei Radio DRS. Zudem sei es sehr teuer eine neue Konsole zu entwickeln. Darum zögerten die Konsolenhersteller die Lancierung einer neuen Spielplattform so lange wie möglich hinaus, sagt Berger.

Auffällig sei, dass die Qualität der vorgestellten Spiele enorm hoch sei. Dies habe damit zu tun, dass man sich am Ende einer Konsolengeneration befinde. «Alle wissen, wie die Technologie funktioniert. Und deshalb sind die Spiele im Durchschnitt sehr gut produziert», so Berger.

Stark veränderte Spielgewohnheiten

Der Trend laufe in Richtung mobile Spiele: Erstmals widmet ihnen die Gamescom einen Schwerpunkt. Ein Smartphone gehört schliesslich zum Equipment der Jugend. Genau dies macht den Konsolengiganten Bauchschmerzen.

«Das iPhone ist zur wichtigsten aktuellen Spieleplattform geworden – 130 Millionen Game-Center-Benutzer erreichen fast die 150 Millionen der Playstation 2. Und auf dem Apple-Betriebssystem kosten die meisten Spiele nur ein paar Franken und nicht 80 Franken», sagt Berger. Zudem würden Gratisspiele auf dem Smartphone oder dem PC immer wichtiger und grösser. «Die Spielgewohnheiten haben sich innerhalb kurzer Zeit sehr stark verändert», so die Erklärung von Berger.

Die Entwickler der Smartphone-Spiele machen ihr Geld mit der Masse. «Allerdings sind die Produktionsbudgets viel tiefer. Deshalb ist es auch viel einfacher für Smartphone-Spiele-Entwickler schwarze Zahlen zu schreiben», sagt Berger. «Wegen des Aufkommens der Smartphone-Spiele mussten bereits mittlere Spieleentwickler-Firmen ihre Tore schliessen. Es wird wohl eine Konzentration auf Spielentwickler geben, die Blockbuster produzieren. Daneben wird es Firmen geben, die Nischenprodukte produzieren.»

Die Playstation für das Smartphone

Sony will deshalb selbst einige seiner Klassiker für Smartphones herausbringen: Ab Herbst soll der Dienst Playstation Mobile auf diversen Android-Geräten laufen.

Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung Deloitte spielt inzwischen jeder dritte Handynutzer in Deutschland (32 Prozent) mit dem Mobiltelefon – deutlich mehr als noch vor einem Jahr (24 Prozent). Die Spiele punkten mit einem bequemen Zugang über Apps und dank Touchscreens mit einer einfachen Bedienung, erklärt Deloitte.

Typische Pausenfüller

Die mobilen Spieler sind nicht nur zahlreich, sondern auch zahlbereit. «Smartphone-Nutzer sind daran gewöhnt, Geld auszugeben, zum Beispiel für Apps», sagt Jens Begemann, Gründer und Chef des Berliner Startups Wooga. Das gelte besonders für iPhone und iPad: «Apple hat die Bezahlung optimiert», sagt Begemann.

Mobile Spiele sind typische Pausenfüller. Doch dank immer schnellerer Prozessoren und brillanter Displays eignen sich die Smartphones und Tablets inzwischen auch für aufwändige Games. «In dem Masse, in dem sich mobile Endgeräte verbreiten und immer leistungsfähiger werden, werden sie auch immer mehr für anspruchsvollere Intensivspieler interessant», sagt der Sprecher des Entwicklers Gameforge.

Immer mehr, immer bessere Spiele für Smartphone und Tablet: Dieser Trend könnte den mobilen Konsolen wehtun. Zwar verweisen Sony und Nintendo darauf, dass ihre Geräte für Gamer entwickelt worden seien und über ausgefeilte Steuerungsmöglichkeiten verfügten, mit denen ein Touchscreen nicht mithalten könne.

Doch der Abstand schrumpft: Apple, Samsung & Co. trumpfen mit immer besserer Hardware und neuem Zubehör auf. Sie erlauben Bedienmöglichkeiten jenseits von Drücken und Wischen.

(sf/agenturen/muei;vaid)