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International

Entführungswelle im Libanon wegen Konflikt in Syrien

Mittwoch, 15. August 2012, 23:13 Uhr

Im Libanon hat ein schiitischer Clan mehr als 20 Personen aus verschiedenen arabischen Staaten entführt. Der Clan rächt sich damit angeblich für eine Entführung in Syrien. Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabische Emirate haben ihre Bürger im Libanon mittlerweile aufgefordert, das Land sofort zu verlassen.

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Unter den Entführten soll sich unter anderem ein Saudi befinden, ein türkischer Geschäftsmann sowie 20 Syrer. Sie sollen sich in der Gewalt des im Libanon einflussreichen schiitischen Meqdad-Clans befinden. Die Gruppe wurde im einem von der schiitischen Hisbollah-Miliz kontrollierten Gebiet in Libanon gekidnappt.

Jordanien als Konfliktzone Syriens (TagesschauNacht, 15.08.2012)

Der schiitische Medad-Clan rächt sich damit nach eigenen Angaben für die Entführung eines Clan-Mitglieds im syrischen Damaskus durch aufständische Syrer. Der Clan bezeichnet die nun entführten Syrer als Anhänger der Aufständischen in Syrien. Unter ihnen soll sich ein ranghohes Mitglied der Freien Syrischen Armee befinden.

Die Fluggesellschaft Air France hat nach Bekanntwerden der Entführungen im Libanon einen nach Beirut (Libanon) geplanten Flug nach Amman (Jordanien) umgeleitet. Als Grund gab eine Sprecherin in Paris «Sicherheitsgründe» an.

Entführte alle aus Anti-Assad-Staaten

Alle Entführten im Libanon stammen aus Ländern, die im Syrien die mehrheitlich sunnitischen Aufständischen unterstützen. Der Vorfall zeigt nach Ansicht von Beobachtern, wie schnell der Konflikt von Syrien in den Libanon übergreifen kann, wo es tiefe Gräben zwischen Anhängern und Gegnern der syrischen Regierung gibt. Während die Sunniten im Libanon die Aufständischen in Syrien unterstützen, stellen sich die Schiiten – und damit auch die mächtige Hizbollah-Miliz – hinter das Regime von Baschar al-Assad.

Saudi-Arabien hat als Reaktion auf die Entführungen seine Bürger im Libanon aufgefordert, sofort auszureisen und vor Reisen in das Land gewarnt. Hintergrund sind Befürchtungen, dass Schiiten als Vergeltung für Geiselnahmen von Libanesen und Iranern durch syrische Rebellen saudische Bürger entführen könnten. Katar und die Vereinigten Arabische Emirate erliessen ähnliche Aufrufe.

Premier warnt vor Rückfall in Zeit des Bürgerkriegs

Bei dem in Syrien entführten Clan-Mitglied handelt es sich nach Angaben um Hassan al-Mikdad. Es soll sich in der Gewalt der Freien Syrischen Armee befinden. Mikdads Bruder Hatem warnte gegenüber der staatlichen libanesischen Nachrichtenagentur insbesondere Saudi-Arabien, Katar und die Türkei davor, dass der «Schneeball grösser werden könnte».

In einer von der libanesischen TV-Station «Al Mayadeen» verbreiteten Nachricht, wurden zwei der entführten Syrer gezeigt, umringt von maskierten und bewaffneten Angehörigen des Mikdad-Clans.

Die Entführung erinnert an den Bürgerkrieg im Libanon von 1975 bis 1990, als das Land zwischen Sunniten, Schiiten, Christen und Drusen zu zerreissen drohte. Entführungen gehörten in dieser Zeit zum Alltag, wobei viele Entführte nie wieder auftauchten.

Libanons Premierminister Najib Mikati hat die Entführungen scharf verurteilt. Sie seien «nicht akzeptierbar» und würden das Land in die Zeit des schmerzhaften Bürgerkriegs zurückführen.

(agenturen/sf/vaid)